Wer mit einem Adventsmarkt Strickwaren, Plastik-Lichterschlangen, ein Karussell oder gar einen Animations-Nikolaus verbindet, der ist in Thurnau fehl am Platz. Kunst statt Kitsch - dafür steht der Weihnachtstöpfermarkt, der in diesem Jahr zum 25. Mal über die Bühne geht und der sich von anderen, inflationär aus dem Boden sprießenden Weihnachtsmärkten deutlich abhebt. Es ist ein Spezialmarkt für Keramik, der vor dem herrlichen Ambiente des Gräflich Giech'schen Schlosses abgehalten wird. Und offenbar einen ganz besonderen Reiz hat: Jahr für Jahr lockt er bis zu 25 000 Besucher auf den Brandplatz sowie in den oberen und unteren Schlosshof.

52 Künstler stellen aus

52 internationale Keramikbetriebe aus Deutschland, Frankreich und Spanien sind es diesmal, die ihre Kunstwerke von Freitag bis Sonntag präsentieren: von hochwertiger Gebrauchskeramik bis hin zum wertvollen Einzelstück, von Irdenware und Steinzeug bis Porzellan, von Salzglasur bis hin zu Aschebrand. Salzglasiertes verkauft Jürgen Strohm, der einer der ganz treuen Aussteller ist. "Ich komme schon seit 20 Jahren", sagt Strohm, der eine weite Anreise hat. Fast 800 Kilometer legt der 53-Jährige, der in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald wohnt, für Hin- und Rückfahrt zurück. 18 Märkte besucht er im Jahr. "Thurnau ist aber was Besonderes", erklärt der Künstler, der seinen Stand auf dem Brandplatz aufgebaut hat.

Es lohnt sich

Dort zeigt er Steinzeug: "Das hat Tradition. Es wurde ja schon in sehr früher Zeit zur Aufbewahrung von Lebensmitteln verwendet, weil es säurebeständig ist." Strohm bietet auch Firstfiguren an, Dachreiter aus Keramik, die kunstvoll gestaltet sind. "Solche Dachreiter haben nur wenige Kollegen", sagt der Mann, für den sich die Fahrt nach Thurnau auch finanziell lohnt: "Es gibt nur wenige Märkte, bei denen die Besucherzahl so groß ist."
Das sieht auch Dagmar Langer aus Karlsruhe so, die seit vier Jahren in Thurnau ausstellt. In der Weihnachtszeit habe der Töpfermarkt bundesweit eine Ausnahmestellung. "Mir ist jedenfalls keine vergleichbare Veranstaltung bekannt", sagt Langer, die unter anderem Kunstobjekte aus Rakubrand herstellt. Sie biete Werke im höheren Preissegment an, so die Karlsruherin, die sich Jahr für Jahr über ein gutes Geschäft freut.

Keine Konkurrenten

Als Konkurrenten sehen sich die Künstler nicht. "Auf den Märkten trifft man sich immer wieder und schließt Freundschaften", sagt Jürgen Strohm, der nicht in einem Hotel oder einer Pension übernachten muss. "Ich komme bei befreundeten Töpfern unter." Bei einer Familie in Döllnitz hat sich Dagmar Langer einquartiert.