Die Zahl derjenigen, die den Weg zur Hauptversammlung fanden, war allerdings gering, obwohl die Einladungen pünktlich Mitte Februar verschickt worden waren. Das zaubert natürlich die dringend nötige Verjüngungskur nicht herbei.
Was also tun? Diese zentrale Frage bewegte das Häuflein der Kulturfreunde, die nicht verstehen, warum die künstlerisch hochwertigen Konzerte vor toller Kulisse inklusive Kinderveranstaltungen nicht mehr Zuschauer anlocken, zumal auch die Eintrittspreise nicht zu hoch sind. Im vergangenen Jahr wurden im Durchschnitt 88 Besucher pro Event gezählt, die sich auf 617 bei den insgesamt sieben Veranstaltungen summierten. Große Ursachenforschung und intensives Nachdenken mit einigen Fragezeichen. Vor allem junge Besucher wünscht sich der Verein, die Freude am Musikgenuss soll weitervererbt werden.
Auch der Kassenbericht war keine freudige Angelegenheit, denn Kultur in Thurnau hat erneut rote Zahlen geschrieben. Zu den Unkosten zählen die Künstlergagen, Zahlungen an die GEMA, Mieten, Übernachtungskosten für Künstler, Porto, Werbungskosten, Leihgebühren für Musikinstrumente und diverse kleinere Posten. Das Minus ist schmerzlich, aber wohl gerade noch verkraftbar. Bleiben darf es aber nicht. Es würde schon genügen, wenn pro Veranstaltung zehn bis 15 Gäste mehr kämen, um die sonst kaum vermeidbare Pleite abzuwenden.
Angesprochen wurde, ebenso wie bei der Hauptversammlung 2011, die Überalterung der Mitglieder, deren Durchschnittsalter 67 Jahre beträgt.
Bei den Vorstandsmitgliedern sieht es nicht besser aus. Auch für das Führungsgremium will Vorsitzender Eberhard Beier insbesondere jüngere "Mitmacher" gewinnen. "Jammern hilft nicht", sagt er, aber es fällt ihm schwer, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Dennoch: Stolz ist er schon auf die Arbeit, die bei der Organisation der Kulturabende zu leisten ist. Da gibt es jede Menge zu erledigen, vom ersten Anruf beim Engagement der Künstler über die Bestellung der Räume bis hin zur Verteilung der Werbung. Alles ehrenamtlich für das Ziel, Kultur direkt in Thurnau zu fördern, damit Musikliebhaber auf lange Anfahrtswege in benachbarte Städte verzichten können.
Eberhard Beier ist jemand, der diese Arbeit mit dem Herzen erledigt, keinesfalls aus finanziellen Erwägungen. Aufgeben wird er jedenfalls nicht.
Ein Zeichen dafür ist es, dass er sich noch einmal zum Vorsitzenden wählen ließ. Einstimmig fiel denn auch das Votum der Mitglieder aus, großartige Gratulationen und Anerkennung wollte Beier nicht. In den nächsten zwölf Monaten wird er sich aber auf die Suche nach einem neuen Vorsitzenden machen. Er braucht jemanden, der wie er ein Kämpfer ist.

"Kein Privileg für Senioren"


Mit einem Mut machenden Grußwort wartete Bürgermeister Dietmar Hofmann auf: " Der Thurnauer Kulturverein ist nicht gescheitert, wie mancher mutmaßen könnte." Kultur, so der Bürgermeister, sei aber kein Privileg für Senioren, sondern es gelte, gerade jüngere Leute dafür zu begeistern, zu gewinnen, zu interessieren. Hofmann lobte die sehr gute Qualität der Arbeit, das Musikangebot sei für einen kleinen Ort wie Thurnau phänomenal. Außerdem komme auch auswärtiges Publikum, das sich in Thurnau sehr wohl fühle und das Flair genieße.