Zusätzliche Lehrer? Heidi Koblofsky sagt sofort "ja" - vor allem wenn es darum geht, Kindern aus Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien eine adäquate Schulbildung zu ermöglichen. Die Leiterin der Max-Hundt-Schule muss das Kunststück fertig bringen, mit dem vorhandenen Personal nicht nur die deutschen Schüler zu unterrichten, sondern darüber hinaus 13 Jungen und Mädchen unter anderem aus dem Kriegsgebiet Syrien (sie wohnen in der Unterkunft am Hundsanger) sowie 11 Asylbewerberkinder. An zwei Tagen pro Woche kommen zusätzlich vier Kinder aus der Mittelschule Neuenmarkt/Wirsberg dazu. Dann erhalten alle Migrantenkinder gesonderten Sprachunterricht.
Auf die Unterstützung eben solcher Schulen und Schüler zielt eine Initiative des Landkreises unter Federführung von Landrat Klaus Peter Söllner (FW) ab. Er hatte jüngst ein Treffen organisiert mit Schulleitern der beiden Gymnasien, der Carl-von-Linde-Realschule, des Beruflichen Schulzentrums sowie Schulamtsdirektor Jürgen Vonbrunn als Vertreter für die Mittelschulen. Die Ergebnissen der Zusammenkunft mündeten in das "Kulmbacher Modell", für das Söllner in einem Brief an Kultusminister Ludwig Spaenle um Mithilfe wirbt.

Entlastung für alle Schularten

Das Konzept soll alle Schularten entlasten und sieht folgendes vor, wie Söllner schreibt: "Alle betroffenen schulpflichtingen Kinder verbleiben grundsätzlich bis zum Schuljahresende an der Mittelschule, an der eine Förderschiene oder eine Übergangsklasse errichtet wurde. Schwerpunkte dort sind das Erlernen der deutschen Sprache und gezielte Integrationsmaßnahmen. Sie werden dort sowohl von einer Lehrkraft aus der Mittelschule (ausgebildet im Fach Deutsch als Zweitsprache) als auch von einer Lehrkraft aus dem Gymnasium oder der Realschule unterrichtet, die vorrangig mit Differenzierungsmaßnahmen den Übertritt anbahnt.
Zur weiteren Unterstützung können Förderlehrer und Lotsen im Übertrittsverfahren mit eingebunden werden. Zur Schuljahresmitte und am Schuljahresende informieren die beteiligten Lehrkräfte die Eltern über den Lernerfolg ihrer Kinder und beraten über die Chancen und Möglichkeiten der weiteren Schullaufbahn."
Die Gymnasien hätten bereits signalisiert, so heißt es in Söllners Brief, dass ihre Personal situation nicht zulasse, zusätzliche unterstützende Beschulung ausländischer Kinder zu übernehmen; im Beruflichen Schulzentrum seien maximal zwei bis vier Wochenstunden herauslösbar. Die Realschule könne demnach eine Lehrkraft der "mobilen Reserve" stellen - vorausgesetzt, es gibt grünes Licht vom Ministerialbeauftragten. Vor diesem Hintergrund, schreibt Söllner, sollte das Kultusministerium für die Kulmbacher Gymnasien zusätzliche Stunden bereitstellen und der Realschule die Freigabe für die "mobile Reserve" erteilen. Was die Mittelschulen angeht, so sollten die für Januar angekündigten Zusatzkräfte sofort gewährt werden.

Situation frustriert die Lehrer

Heidi Koblofsky findet den Vorstoß des Landkreises richtig. "Ich bräuchte sofort mindestens zwei Vollzeitkräfte, wenn ich die Zusatzanforderungen stemmen will. Meine Lehrerkollegen sind frustriert, weil sie allen Schülern gleichermaßen gerecht werden wollen, das aber unter den Umständen nicht können."
Die ausländischen Schüler seien keine homogene Gruppe, sagt die Rektorin. Es gibt die "Nichtsprecher", die kein Wort Deutsch können. Dann sind da die Schüler mit einer sehr löchrigen Schulkarriere in ihrem Herkunftsland und einem entsprechenden Bildungsdefizit. Im Gegensatz dazu gibt es jene Schüler, die das Zeug für eine weiterführende Schule hätten - wenn die Sprachbarriere nicht wäre. "Nicht zu vergessen all jene, denen ich eigentlich wegen ihres Alters schon eine stärker berufsorientierte Beschulung zukommen lassen müsste."

Kernproblem: die Sprache

"Die Sprache ist das A und O für einen zielführenden Unterricht", benennt auch stellvertretender Schulrat Mario Schmidt das Kernproblem. "Es gibt Kinder, die sprechen nur Arabisch. Meines Wissens aber gibt es keinen Lehrer bei uns, der Arabisch kann. Und jedesmal einen Dolmetscher in die Klasse setzen, das können wir leider nicht gewährleisten." Der wöchentliche, zweitägige Deutsch-Förderunterricht an der Max-Hundt-Schule sei sehr hilfreich, aber auch problembehaftet. "Die Fachkräfte können mit speziellen Materialien Grundlagen vermitteln, anschaulich gemacht mittels Bildern." Manchmal muss es über Gestik und Mimik gehen und bisweilen mit Händen und Füßen. Aber das sei eine besondere Herausforderung, die sich nicht so nebenbei bewerkstelligen lasse. "Die Lehrer in den Regelschulen sollen diese Schüler ja auch im normalen Unterricht möglichst individuell betreuen, ohne alle anderen Mitschüler zu vernachlässigen."
Schmidt stellt den Lehrkräften ein sehr gutes Zeugnis aus bei der Bewältigung dieses Spagats. "Die Lehrer sind hochmotiviert und tun ihr Bestes, aber mit schulischen Bordmitteln allein ist das so nicht länger leistbar." Insofern sei der Vorstoß des Landkreises ein wichtiges Signal ins zuständige Kultusministerium in München.

Stabsstelle bearbeitet Anfrage

Aus dem war zu erfahren, dass das Landkreis-Schreiben an die zuständige Stabsstelle für schulische Begleitung junger Asylsuchender und Flüchtlinge weitergeleitet wurde. Eine Antwort dürfte in den nächsten Tagen erfolgen, teilte Ministeriumssprecher Ludwig Unger gestern auf BR-Anfrage mit. Man sei dankbar für jeden Hinweis aus den Kommunen, was die verbesserte Betreuung der Flüchtlinge anlangt. "Der Freistaat hat bayernweit mittlerweile 340 spezielle Übergangsklassen eingerichtet - 100 mehr als im Vorjahr", so Unger. Das Angebot nutzten 5500 Kinder und Jugendliche.
Ziel sei es, dass die Schulpflicht für diese Kinder möglichst sofort greift, sobald sie mit ihren Familien einen festen Aufenthaltsort gefunden haben. "Es sollen nicht Monate ins Land gehen, denn das wiederum verzögert die Integration der Menschen nur", begründet Unger.