"Das dauert noch ein bisschen." Eine konkretere Prognose zum ersten Schneefall möchte der Leiter der Untersteinacher Straßenmeisterei nicht abgeben. Angesichts von Temperaturen bis an die 20-Grad-Marke Ende Oktober ist die Zurückhaltung von Werner Meingast aber auch zu verstehen. Abgesehen davon: Die Salzlager sind längst gefüllt, die Pflüge überholt und einsatzbereit, der Winterdienst könnte binnen zwanzig Minuten ausrücken.

Genau so lange dauert es im Normalfall, bis ein herkömmlicher Lastwagen zum Winterdienstfahrzeug aufgerüstet ist. Die Montage von Räumschild, Streusalzbehälter und Computertechnik für die Bedienung ist den Männern der Straßenmeisterei Untersteinach längst in Fleisch und Blut übergegangen. Stattdessen sind sie derzeit immer noch mit Mähwerk und anderen Arbeitsgeräten unterwegs, um die Straßen und die angrenzenden Bankette in Ordnung zu halten.

"Im vergangenen Jahr um diese Zeit hatten wird schon den ersten Schnee", erinnert sich Meingast, der für den Winterdienst insgesamt fünf eigene und sechs Räumfahrzeuge von Subunternehmern zur Verfügung hat. Aber heuer geben die Wetterdienste und die drei Glättemeldeanlagen der Straßenmeisterei in Kupferberg, Kirchleus und Fernreuth bei Hollfeld bislang Ruhe.

Die Winterdienstspäher

Den drei so genannten Winterdienstspähern unter den 26 Mitarbeitern der Straßenmeisterei kann es nur recht sein, wenn sie nachts um zwei Uhr noch schlafen können und nicht die aktuelle Straßenlage erkunden müssen, ehe die Räumfahrzeuge um drei Uhr ausrücken.

Verschlossen sind auch noch die Hallen in Untersteinach sowie die Depots Thurnau und Hollfeld, in denen die Straßenmeisterei des Staatlichen Bauamts Bayreuth momentan 2500 Tonnen Streusalz lagert. Auch wenn sich der Winter noch Zeit lässt - "das wird wohl nicht reichen", meint Werner Meingast, dessen Männer in heftigen Wintern auch schon bis zu 5000 Tonnen Salz ausbringen mussten.

Beruhigend ist es vor diesem Hintergrund, dass Versorgungsengpässe wie noch vor einigen Jahren durch die Erweiterung von Lagerkapazitäten ausgeschlossen werden können, wie Geschäftsführer Robert Stölzel vom Salzkontor Oberfranken in Kulmbach bestätigt.

300 Kilometer Strecke

Rund 300 Kilometer Bundes- und Staatsstraße im Kreis Kulmbach und Teilen der Kreise Hof und Bayreuth sind es, die die Räumdienste der Straßenmeisterei von drei Uhr morgens bis spät in die Nacht von Schnee und Eis freihalten wollen. 30 bis 40 Kilometer lang ist ein sogenannter Umlauf eines Fahrzeuges. "Der dauert zweieinhalb bis drei Stunden", erklärt Meingast.

Für den Winterdienst einsatzbereit sind auch die Männer in der Kreisstraßenmeisterei Leuchau, wie stellvertretender Leiter Hans-Günther Dörfler bestätigt. Sie kümmern sich um 194 Kilometer Kreisstraßen und rund 50 Kilometer Gemeindestraßen.

Vier eigene und drei angemietete Fahrzeuge stehen dort zur Verfügung. Neu im Fuhrpark ist ein Schneepflug mit Streugerät im Wert von 115 000 Euro, der erst dieser Tage in Dienst gestellt wurde, wie Baurat Dieter Geißler vom Landratsamt bei der Vorbesprechung des Winterdienstes erläuterte.

Appell an die Autofahrer

Was Geißler den Autofahrern mit auf den Weg in den Winter gibt, deckt sich mit dem, was Werner Meingast sagt: "Die Streu- und Räumdienste können nicht an jeder Stelle zur gleichen Zeit sein. Die Verkehrsteilnehmer haben die Eigenverantwortung, gerade im Winter ihre Geschwindigkeit den gegebenen Straßenverhältnissen anzupassen."

In den Gemeinden sind die Vorbereitungen für den Winterdienst ebenfalls unter Dach und Fach. Marktleugast hat alle Geräte überprüft und gegebenenfalls reparieren lassen, wie Verwaltungsleiter Michael Laaber erklärt. Das Streusalz ist bestellt und liegt im Salzkontor Oberfranken in Kulmbach auf Abruf bereit. 320 Tonnen wurden geordert. Das sind 30 Tonnen weniger, als im vergangenen Winter insgesamt verbraucht wurden.

37 000 Euro für Streusalz

Bürgermeister Norbert Volk (Freie Wähler) sieht dem ersten Schnee gelassen entgegen. Die Prioritäten seien für die Räumdienste festgelegt, die Zufahrten zu Altenheim, Schule und Kindergarten nach wie vor vorrangig. Dass Marktleugast weiterhin vom Freistaat mit einer Winterdienstpauschale für besonderen Aufwand unterstützt wird, freut das Gemeindeoberhaupt natürlich. Allein für Streusalz wurden zuletzt 37 000 Euro ausgegeben. "Da können wir wirklich jeden Cent gebrauchen."

Seinem Pressecker Kollegen Siegfried Beyer (CSU) geht es nicht anders. Trotzdem wurde der Nachbargemeinde bei der Umstellung der Bewertungskriterien die Pauschale ersatzlos gestrichen. Seitdem fehlen Presseck 10.000 Euro in der Winterdienstkasse. Bei einem durchschnittlichen Gesamtaufwand von gut 100 000 Euro keine Kleinigkeit.