Andreas Busch ist ein schöner Mann: Schmale, hochgewachsene Statur, markantes Gesicht, wohltemperierte Stimme. Er fügt sich auch in seiner Nebenrolle bestens in das Schauspieler-Ensemble, das für die Neuverfilmung des bayerischen Märchenkönigs zusammen getrommelt worden ist: Top-Stars wie Uwe Ochsenknecht (Prinz Luitpold von Bayern), Edgar Selge (Richard Wagner), Hannah Herzsprung (Kaiserin Elisabeth von Österreich, "Sisi") neben Nachwuchstalenten wie der 17-jährigen Paula Beer (Sophie Herzogin von Bayern) oder dem 28-jährigen Newcomer Sabin Tambrea, einem gebürtigen Rumänen, in der Titelpartie.

Andreas Busch spielt in dem Film einen Diplomaten an der Seite des bayrischen Kronprinzen Luitpold. Wie kommt einer zu diesem Part in der interessantesten Filmproduktion des Jahres? Der 32-Jährige schildert unverblümt das höchst kuriose Casting: "Eigentlich wurden von der zuständigen Komparsenagentur Statisten gesucht, um das komplette Cuvelliés-Theater zu füllen. Dann aber gefiel dem Chef von der Maske mein Profil so gut, dass er sagte ,Der sieht ja aus wie der junge Verdi' - und schon saß ich an der Seite von Uwe im Cuvilliés-Theater." An der Seite Ochsenknechts steht er während der insgesamt 70 Drehtage häufig am Set. "Oft haben wir nur geblödelt, um uns aufzulockern bei der Anspannung."

Andreas Busch ist ein Theaterenthusiast, das spürt man, auch wenn man ihm nur zwei Minuten gegenüber sitzt. Seine Leidenschaft für Literatur bricht in den letzten Jahren vor dem Abitur 1993 am Markgraf-Georg-Friedrich Gymnasium aus: Für seine Abschlussarbeit im Leistungskurs Deutsch beschäftigt er sich mit Jean Paul, dreht einen Videofilm über ihn, den er selbst synchronisiert. Theaterblut leckt er dann erstmals in Klaus Manns "Mephisto" auf der Naturbühne Trebgast. Bei der Inszenierung führt Peter Wagner Regie, der ihm nicht nur Freund und Mentor wird, sondern

auch sein erster Schauspiellehrer. Der Durchbruch seiner schauspielerischen Karriere gelingt ihm mit der Rolle des Gestapo-Offiziers in Volker Schlöndorffs Kinofilm "Der 9. Tag". In TV-Serien wie "Der Alte" oder "Dahoam is dahoam" ist er regelmäßig zu sehen.

Von der Opulenz der Ausstattung, den authentischen Requisiten, den tollen Frisuren und den aufwändigen Kostümen im neuen "Ludwig" schwärmt Andreas Busch auch ein Jahr nach Abschluss der Dreharbeiten: "Die Atmosphäre war gigantisch und ganz anders als bei anderen Drehs. Allein das Ankleiden dauerte Stunden. Meistens ging es von früh morgens bis spät in die Nacht."

Ein besonderes Aperçu hat er dazu noch auf Lager: die Plateauschuhe von Katharina Thalbach. "Sie ist gefühlte 1,50 Meter groß. Für die Rolle von Ludwigs Mutter muss sie 18 Zentimeter hohe Absätze tragen. Die Folge: Sie kann nicht gehen. Also sieht man sie im Film nur stehend."

Starke Impressionen fliegen ihm nur so zu: Die funkelnde Königsloge im Cuvilliés-Theater, die tausend Lichter im Spiegelsaal von Herrenchiemsee, Ludwigs goldene Kutsche vor der Berglandschaft. Überhaupt die Filmästhetik, die langsamen Kamerafahrten: "Die Bilderflut, die Schönheit der Landschaft und der Königsschlösser ist berauschend."

Auch von dem Regie-Gespann Sehr/Noëlle ist der frühere Kulmbacher angetan. Vor allem von seiner Sensibilität und von dem klaren Konzept des Historienfilms. Ludwig ist darin ein intelligenter, sensibler und kunstverliebter Weltverbesserer. "Ich denke, das stimmt. Geigen statt Gewehre - das ist seine Devise gewesen", meint Busch.