Zwei Mal im Jahr organisiert der Kulmbacher Kunstverein eine hochwertige Ausstellung in den Räumlichkeiten der Sparkasse - dieses Mal hat man sich für den preisgekrönten Skulpturenkünstler Claus Tittmann entschieden.

"Archaisch ist das Wort, das sich mir beim Betrachten von Claus Tittmanns Arbeiten aufdrängt", sagte Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold bei der Vernissage am Donnerstagabend in der Hauptgeschäftsstelle. Die Skulpturen Tittmanns wirkten wie aus verschiedenen, uralten Kulturen, sie erzählten Geschichten, die von elementar Menschlichem handeln.


Skulpturen als Geschichtenerzähler


"Den Werken gelingt, was Kunst glücken sollte: Etwas beim Gegenüber anzustoßen, einen kulturellen Prozess im Kopf des Betrachters auszulösen", sagte Dippold. Und tatsächlich scheinen die zahlreichen Skulpturen, Grafiken und Reliefs eine Rolle als Geschichtenerzähler einzunehmen.

Aluguss, Bronzeguss oder Keramik sind die Werkstoffe des Künstlers Tittmann, in denen er seine Gestalten zum Leben erweckt, ihnen trotz des starren Materials eine Aura verleiht. "Pferd in Bewegung", "Eine feste Burg" oder "Tierträger mit Hüterin" lauten einige der Skulpturentitel, oft ergänzt durch passende Grafiken oder Tuschezeichnungen. Eine Skulptur mit dem Namen "Kassandra" ist unverkäuflich. Sie ist die Urform aus Ton, die Claus Tittmann einst aus dem 1000 Grad heißen Ofen geholt und in den Armen gehalten hat. "Das gibt man nicht so leicht her", sagte der Künstler.


Praktikum bei Stüdemann


Der gebürtige Leipziger hatte in München Maschinenbau studiert und in dem Beruf gearbeitet, was ihm aber nicht genügte, ebenso wenig wie das grafische Arbeiten "so nebenbei". "Mit über 30 Jahren machte er daher ein Praktikum bei dem damals schon hochbetagten Günther Stüdemann, einem Berliner, der 1939 nach Thurnau gekommen war und die dortige Töpferei in die Moderne führte", erzählte Günter Dippold.

Danach erlernte Claus Tittmann an der Staatlichen Fachschule für Keramik in Landshut von Grund auf das Handwerk, holte sich Inspirationen auf einer Japanreise und machte sich mit der fernöstlichen Keram-Tradition vertraut. Seit über 40 Jahren ist Claus Tittmann inzwischen in Berndorf bei Thurnau mit seinem Atelier ansässig und ist Teil der Thurnauer Tradition geworden.

"Als OB kann man nur sehr dankbar sein, dass man eine solche Künstlerfamilie in Kulmbach hat", sagte Henry Schramm. Er bezeichnete die Sparkasse als einen Ort der Begegnung, als ein Haus für die Menschen, das für die Region etwas tue. Wahrlich passten sich Tittmanns Werke in den Ausstellungsraum der Sparkassenhalle sehr gut ein, dominierten seine Skulpturen den weißen Raum, machten ihn zu einem kleinen Museum.


"Gegenstände für den geistigen Gebrauch"


"Lange haben Gefäße seine Arbeit bestimmt", ergänzte Günter Dippold, "heute scheint er in den Formen bisweilen an Objekten orientiert, wie wir sie aus den Vitrinen archäologischer Museen kennen." Claus Tittmann sei von Gebrauchsgegenständen für den Haushalt zu "Gegenständen für den geistigen Gebrauch" übergegangen.

"Er ist ein Großer, der da im kleinen Berndorf sitzt und wirkt", schloss Dippold, "ich halte es für gut, dass jüngere Arbeiten Claus Tittmanns auch einmal hier zu sehen sind, hier in Kulmbach, an einem öffentlichen Ort, wo es üblicherweise ums Geld geht und nicht um die hehre Kunst." Ein Ort, an dem die Kunst von Claus Tittmann jedermann zugänglich gemacht wird.


Finissage am 25. November


Die Ausstellung "Claus Tittmann - Skulptur, Relief, Grafik" ist in den Räumlichkeiten der Sparkasse Kulmbach-Kronach zu den üblichen Geschäftszeiten sowie in den Ausstellungsräumen des Kulmbacher Kunstvereins in der Oberen Stadtgalerie bis zum 30. November zu sehen. Die Finissage findet am 25. November um 11 Uhr in der Oberen Stadtgalerie statt.

Die Öffnungszeiten der Oberen Stadtgalerie: Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.kunstverein-kulmbach.de.