Der wahre Meister heilt mit einer Nadel, heißt es in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die Kunst der Akupunktur zu lernen, erfordert allerdings eine umfangreiche und aufwendige Ausbildung - ein wahrer Meister zu werden, um Leiden zu linden, braucht viel Zeit.

Geht's nicht auch einfacher? Das geht tatsächlich, sagt Laurent Richter. Der Heilpraktiker hat einen neuen Ansatz in der Akupunktur entdeckt - die "Handgelenk-Knöchel-Akupunktur" (kurz WAA nach der englischen Bezeichnung Wrist-Ankle-Acupuncture), die bislang in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist.

Richter möchte das ändern: Der Kulmbacher, der im Erstberuf als Krankenpfleger tätig war und seit 1998 als Heilpraktiker selbstständig ist, hat sich intensiv mit der TCM beschäftigt und sich unter anderem in China ausbilden lassen. Auf das WAA-Konzept wurde er durch ein Fachbuch aus den USA aufmerksam, in dem die von Professor Xinshu Zang ab 1965 in China entwickelte Methode und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten beschrieben wurden. "Es war die erste Veröffentlichung im Wesen zu diesem Thema."


Selbstversuch überzeugte

Richter studierte das Verfahren und testete es - zunächst an sich selbst, später auch mit Patienten. "Die Erfolge haben mich umgehauen", sagt er. "Als ich 13 Jahre alt war, habe ich mir den Unterschenkel gebrochen und hatte davon immer wieder Beschwerden. Ich habe mir die Nadel gelegt, sie nach drei Stunden rausgenommen - und die Schmerzen waren weg."

In der täglichen Praxis stellte sich heraus, dass die WAA vor allem bei funktionellen Störungen und in der Schmerztherapie sehr gute Dienste leistet. Laurent Richter möchte die Methode in Deutschland bekannt machen, damit möglichst viele Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten ihren Patienten noch besser helfen können. Deshalb hat er Pionierarbeit geleistet und das erste deutschsprachige Fachbuch zu diesem Thema geschrieben, das von der Mediengruppe Oberfranken - Fachverlage veröffentlicht wurde.


Behandlung tut nicht weh

Richter unterrichtet die Methode auch als Dozent bei Fortbildungen für Ärzte und Heilpraktiker. Was sind die Vorteile? "Die Technik ist leicht zu erlernen, denn sie beinhaltet nur zwölf Punkte. Diese liegen in der Nähe von Handgelenk und Knöchel, der Patient muss die Kleidung nicht ausziehen."

Gerade für schmerzempfindliche Menschen ist die WAA günstig, denn die Durchführung ist schmerzlos. "Wundheit, Taubheit oder Schmerz treten nicht auf. Der Patient kann die Nadeln ohne Beeinträchtigung tragen und dabei sogar Hände oder Beine bewegen." Wichtig ist schließlich auch, dass die Methode sicher ist. Die Nadeln gehen nicht in die Tiefe, sondern liegen unter der Haut. Organe, große Gefäße oder Nerven können nicht verletzt werden.

Die WAA ist kein Ersatz für die traditionelle Akupunktur, betont Richter: "Aber sie ist ein sehr guter Einstieg in die Materie und kann mit jeder anderen Heilmethode kombiniert werden.