Es wird wohl im Mai des vergangenen Jahres gewesen sein, als Harald Stark von Alexander Matthes, dem Braumeister der Kulmbacher Kommunbräu, gefragt wurde, ob er sich vorstellen könnte, an einer Ausstellung zum Thema "200 Jahre Limmersmühle - 20 Jahre Kulmbacher Kommunbräu" mitzuwirken. Da Mühlen schon immer sein besonderes Interesse weckten, ist Stark die Entscheidung nicht schwer gefallen: Er sagte zu.

Nachfolgend schildert Stark seine Nachforschungen, die ihn mehr und mehr begeisterten: "Erste Literaturrecherchen ergaben, dass über die Kulmbacher Mühlen bisher wenig geschrieben wurde. So habe ich angeregt, in der Ausstellung nicht nur die Limmersmühle, sondern auch die übrigen Mühlen im Kulmbacher Altstadtbereich vorzustellen. Diesmal war es Alexander, der nicht lange überlegte und zusagte.

Der Main: Fluch und Segen

Die weiteren Nachforschungen führten mich ins Stadtarchiv, wo sich herausstellte, dass es in Kulmbach einst fünf Getreidemühlen gegeben hat, die von zwei Umständen miteinander verbunden sind. Zunächst lieferten für alle fünf Mühlen die Fluten des Weißen Mains die Antriebskraft. Der Main war für die Müller Fluch und Segen zugleich. Wenn er im Frühjahr oder nach ergiebigen Regenfällen Hochwasser führte, wurden ihre Wohn- und Arbeitsstätten überflutet. Wenn im Sommer infolge der Trockenheit das Wasser immer weniger wurde, reichte es oft nicht mehr aus, um die Mahlwerke in Gang zu setzen. Argwöhnisch beäugten die Müller einander oder andere Nutzer des Mainwassers; und oft kam es zu Streitigkeiten.

Zudem waren alle Kulmbacher Mühlen Kastenlehen. Die Anwesen und Güter innerhalb der Stadtgrenzen unterstanden verschiedenen Lehensherren. Zwar war der größte Teil des Grundbesitzes stadtlehenbar, doch gab es in Kulmbach auch Lehen verschiedener Adelsfamilien und kirchlicher Institutionen. Die sogenannten Kastenlehen gehörten dem Markgrafen, sind jedoch nicht mit den Mannlehen und Ritterlehen zu verwechseln, die unmittelbar vom markgräfliche Lehenhof verliehen wurden. Die Besitzer von Kastenlehen hatten sich in Lehensangelegenheiten an das Kastenamt zu wenden.

Mit Freude konnte ich feststellen, dass der heimatforschende Pfarrer Johannes Schlund die Lehenbücher bereits in den 1920er Jahren ausgewertet hatte und die Abschriften im Stadtarchiv vorhanden sind.

Ein dritter gemeinsamer Umstand, der zumindest vier der Kulmbacher Mühlen miteinander verbindet, ist ihre erste urkundliche Erwähnung im ältesten Landbuch der Herrschaft Plassenburg, das 1398 aufgezeichnet wurde. Dieser im Bamberger Staatsarchiv aufbewahrte Band beschreibt alle in der Herrschaft Plassenberg gelegenen burggräflich-nürnbergischen Güter mit ihren Abgaben. Darunter auch die Reynmüle, die Dyzenmüle, die Grefenmüle und die "mule hinter der purge". Bei Letzterer handelt es sich um die später sogenannte Costermühle; die genau gegenüber von ihr gelegene Wiesenmühle ist erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts entstanden.

Die Namenspaten

Auffallend ist, dass die Mühlen im Lauf der Zeit meist mehrmals ihren Namen wechselten; einige waren geteilt und hatten verschiedene Besitzer. Oft standen die Müllerfamilien Pate bei der Namensgebung.

So wurde aus der Rheinmühle zuletzt die Fischersmühle, aus der Dyzenmühle von 1398 später die Klostermühle und schließlich die Beckenmühle. Die Eichmühle in der Sutte ist in älteren Aufzeichnungen als Sandmühle bekannt und mit der 1398 genannten Grefenmühle identisch. Schließlich gab es noch die Wiesenmühle oder Bauernmühle und die Coster- oder Trappersmühle, aus welchen die heutige Limmersmühle wurde.

Ein Blick auf die Besitzer zeigt, dass viele der Mühlen gar nicht in den Händen von Müllern, sondern von markgräflichen Beamten waren, die sie von Pachtmüllern bewirtschaften ließen. Die Klostermühle beispielsweise kam 1627 in den Besitz des Plassenburger Festungskommandanten Hans Christoph Muffel von Ermreuth. Die Coster- und die Wiesenmühle befanden sich seit 1667 im Besitz des bekannten Kulmbacher Orgelmachers Matthias Tretzscher.

Markgraf Friedrich I. dankte dem Feuerwaffenspezialisten Hermann Eulenschmid und dessen Söhnen für ihre vielfältigen Dienste im Gießen von Kanonen, Herstellen von Schießpulver und die Einweisung der markgräflichen Truppen in den Gebrauch der neuen Waffen, indem er sie 1425 mit der "Mule czu Culmbach, hintter der Burck ob der steynern Brucken" belehnte. Vis á vis dieser Mühle hatte Eulenschmidt dem Markgrafen eine Pulvermühle errichtet. Im Bundesständischen Krieg war diese 1553 zerstört worden.

Nach dem Wiederaufbau 1586 durch den von Eger nach Kulmbach gerufenen Pulvermacher Matthes Lang wurde sie bis 1712 in landesherrlicher Regie betrieben. Dann verkaufte Markgraf Georg Wilhelm die Pulvermühle an den bisherigen Kulmbacher Pulverinspektor Conrad Liebmann. Die Pulvermühle ist mehrmals in die Luft geflogen. Bei der letzten Explosion 1844 fanden zwei Arbeiter den Tod. Danach wandelte der Pulverfabrikant Friedrich Christian Püttner seinen Betrieb in eine Zementfabrik und ein Werk zur Verarbeitung von Farbhölzern um.

Und noch in eine weitere wichtige Quelle wollte ich im Staatsarchiv Bamberg einen Blick werfen: In die um 1780 entstandene Partikulargüterbeschreibung des Amtes Kulmbach. Ähnlich wie in dem knapp 400 Jahre älteren Landbuch von 1398 sind darin alle markgräflichen Besitzungen im Kulmbacher Umland beschrieben - nur detaillierter und ausführlicher.

Für die Bearbeitung der technischen Belange und die Beschreibung der ab 1871 als Kunstmühle arbeitenden Limmersmühle konnten wir den Müllermeister und Mühlenhistoriker Andreas Ehrhardt gewinnen. Zusammen mit Alexander Matthes und Hans-Hermann Limmer durchforstete er das Archiv der Limmersmühle und konnte dabei manch überraschende Entdeckung machen.

Ich begab mich im Kulmbacher Stadtarchiv und im Landschaftsmuseum Obermain auf die Suche nach Fotos und anderen Abbildungen der Mühlen, die von Alexander Matthes, der sich dabei als gewiefter Fotograf zu erkennen gab, reproduziert wurden. Auf die Ergebnisse unserer Bemühungen kann man gespannt sein.

Das Programm

14. Februar: 19 Uhr offizielle Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Saal der Kommunbräu.
15. Februar: Tag der offenen Tür, ab 11 Uhr geführte Ausstellungsrundgänge. Ab 20 Uhr spielt das "Freie Fränkische Bierorchester"
16. Februar: Ausstellungsrundgänge.
Kulinarisch Passend zum Jubiläum gibt es "Lieblingsspeisen aus Müllermeisters Küche".
Dauer: Die Ausstellung wird über das Jubiläumswochenende hinaus zu sehen sein.

Die Ausstellung:

Informationen und historische Fotos zum Thema "200 Jahre Limmersmühle - 20 Jahre Kommunbräu" werden auf insgesamt 22 Tafeln und in Vitrinen präsentiert.

Die Themenblöcke der Ausstellung Die Geschichte des Weißen Mains als Kraftspender für Kulmbach.

Die Mühlen - früher und heute

Die Mühlentechniken - u.a. die Entwicklung haltbaren Mehls und die besondere

Innovationskraft und Vorreiterrolle der Familie Limmer

Die Familie Limmer - vom Handwerker bis zum Kommerzienrat

Königlicher Kommerzienrat und Ehrenbürger Hermann Limmer

Die Wasserkraftnutzung in der Kommunbräu

20 Jahre Kommunbräu - die Rückkehr der Limmersmühle ins Kulmbacher Leben und ihre Bedeutung für Wirtschaft, Architektur und Gastronomie
be