Die Tage des Kaufplatzes sind gezählt: Der Abbruch des heruntergekommenen Gebäudekomplexes steht unmittelbar bevor. Vor Weihnachten freilich werden die Abriss-Bagger nicht mehr anrollen. Mit Rücksicht auf den Handel in der Innenstadt hat man den Termin um wenige Wochen nach hinten geschoben.

Das hat die Stadt Kulmbach gestern mitgeteilt. Ursprünglich sollte mit den Abbrucharbeiten schon in zwei Wochen begonnen werden. Schilder an der Zufahrt hatten darauf hingewiesen, dass die Parkdecks nur noch bis Ende Oktober zur Verfügung stehen.

Diese Entscheidung wurde rückgängig gemacht. "Wir haben etliche Gespräche geführt und in Abstimmung mit den Händlern in der Innenstadt entschieden, die Abrissarbeiten nicht in der Vorweihnachtszeit vorzunehmen", begründete Oberbürgermeister Henry Schramm im Gespräch mit unserer Zeitung diesen Schritt.

Parkdecks bleiben vorerst offen

Man gehe davon aus, dass die Arbeiten Lärm, Schmutz und vor allem viel Lkw-Verkehr mit sich bringen, so der OB weiter. Das wolle man weder den Einzelhändlern in der Innenstadt noch den Kunden in der Vorweihnachtszeit zumuten.

Die Parkdecks im Kaufplatz bleiben nun also bis Weihnachten geöffnet. Erst nach den Feiertagen soll dann der Abbruch erfolgen.

Befürchtungen von Händlern in der Innenstadt, dass zwei parallel laufende Baustellen womöglich zu einer besonderen Belastung führen könnten, sind mittlerweile übrigens gegenstandslos geworden. Das Bauunternehmen, das auf dem Gelände der ehemaligen Mälzerei Müller in der Pestalozzistraße einen Wohnkomplex errichten will, hat offensichtlich keine Eile, so dass die Abrissarbeiten auf dem Kaufplatz-Gelände längst beendet sein dürften, bevor sich in der Pestalozzistraße tatsächlich etwas tut.

Wohnungen am Wasser?

Wie es danach weitergeht? Darüber gibt es noch keine Klarheit. Möglich wäre eine Wohnbebauung und eine Öffnung des Geländes zum Main hin, der unmittelbar neben dem Kaufplatz-Grund (noch) in einem wenig attraktiven Betonbett fließt.

Gedankenspiele, dort eventuell ein Gebäude für die Universität zu errichten, sind mittlerweile vom Tisch. Die waren ohnehin nur der "Plan B", der nun hinfällig ist, weil sich abzeichnet, dass der Uni-Campus, wie ursprünglich geplant, auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs errichtet werden kann.

Einmal hochmodern

Mit dem Abriss des Betonklotzes, der mittlerweile annähernd 40 Jahre auf dem Buckel hat, verschwindet ein markantes Gebäude aus dem Stadtbild, das zwar heutigen Ansprüchen an eine gelungene Architektur nicht mehr entspricht, das aber bei der Eröffnung im Jahr 1980 als hochmodernes Einkaufszentrum galt, in dem die Kulmbacher erst mals unter einem Dach parken, einkaufen und in einem damals sehr beliebten Restaurant auch essen gehen konnten.

Die Blütezeit des Einkaufszentrums dauerte nur wenige Jahre. Mit dem Auszug der "Bilka"-Filiale, die dem Kaufplatz seinen volkstümlichen Namen gab, begann schon 1996 der Niedergang.

Kaufplatz: Geschichte und Gegenwart