Wegen des Erwerbs und Handels mit Haschisch in nicht geringer Menge sowie der Beihilfe zu dieser Straftag verurteilte das Landgericht in Bayreuth einen 30-jährigen Arbeiter aus Kulmbach zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Der Mann war aktives Mitglied des "Kulmbacher Haschischrings", der während des vergangenen Jahres immer wieder die Justiz beschäftigt hat.

Von den ursprünglichen Vorwürfen gegen den 30-jährigen ist allerdings nicht viel übrig geblieben. War die Anklage zunächst noch von 42 Einzelfällen des Erwerbs und des Weiterverkaufs von satten 30 Kilogramm Haschisch mit einem Umsatz im sechsstelligen Bereich ausgegangen, listet das Urteil nur mehr sieben Einzelfälle des Handels und 24 Fälle der Beihilfe auf.

Geschäfte mit dem Bruder

Der Grund dafür: Einige Zeugen hatten ausgesagt, dass sie mit dem Bruder des Angeklagten, nicht aber mit dem Angeklagten selbst ihre Geschäfte gemacht hatten. Der Bruder, ein 28-jähriger Mann aus dem Landkreis Kulmbach, ist bereits Ende Oktober des vergangenen Jahres zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er soll den Angeklagten, der ohnehin an einer schweren Erkrankung leidet, ganz schön im Griff gehabt haben.

"Gewinn praktisch verraucht"

Ursprünglich war es aber schon der Angeklagte selbst, der bereits 2007 mit Haschischgeschäften begonnen hatte. Sein Ziel war es damals, seinen Eigenkonsum zu finanzieren. Von 100 Gramm pro Woche, später von 500 Gramm pro Monat war die Rede. Etwa ein Drittel davon verbrauchte der Angeklagte selbst. Groß verdient will er dabei nicht haben. "Den Gewinn hab ich praktisch verraucht", sagte er vor Gericht.

Insgesamt waren es 2007 und 2008 rund fünf Kilogramm, die er von einem anderweitig bereits verurteilten Großdealer aus Bindlach erhalten hatte. 2008 kam es dann zu einem großen Einschnitt, weil der Angeklagte zu einer mehrere Monate dauernden Behandlung in das Bezirkskrankenhaus musste. Während dieser Zeit hatte der jüngere Bruder die Drogengeschäfte erfolgreich weitergeführt.

Nur noch Lieferdienste

Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus übernahm der Angeklagte dann mehr oder weniger nur noch Lieferdienste im Auftrag seines Bruders. Mit der Organisation der Drogendeals will er nichts mehr zu tun gehabt haben. Genau aus diesem Grund wurde dann später auch ein Teil der noch in der Anklage aufgelisteten Vorwürfe eingestellt.

Das Brüderpaar hatte im Wesentlichen zwei Abnehmer: Ein 30-jähriger und ein 32-jähriger, beide Männer aus Kulmbach und beide aufgrund der Drogengeschichten mittlerweile zu zwei Jahren und vier Monaten, beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Staatsanwältin Sibylle Zwanzger hatte auf eine Bewährungsstrafe zu zwei Jahren plädiert. Für sie stand fest, dass der eigene Bruder den Angeklagten ganz maßgeblich in die Sache mit hineingezogen hatte. Verteidiger Hilmar Lampert aus Bayreuth plädierte auf ein Jahr und vier Monate mit Bewährung. Seiner Ansicht nach war ein Teil der Taten bereits verjährt, was sich später auch als richtig herausstellen sollte.

Neben der Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ordnete vorsitzender Richter Michael Eckstein den Verfall von 10.000 Euro an. Dieser Betrag wird als die Summe angenommen, die der Angeklagte letztlich mit seinen Drogengeschäften und Kurierdiensten erwirtschaftet hat.

Hauptgrund für die Bewährung ist, dass der Angeklagte sozial eingeordnet lebt, einem Beruf nachgeht und familiär eingebunden ist. Er konsumiert nachweislich seit fast fünf Jahren keine Drogen mehr und hat seine Abhängigkeit aus eigener Kraft besiegt.