Diese Mengen haben absolutes Großstadt-Niveau. Mal ist von 20 Kilogramm Haschisch die Rede, dann sogar von 35. Nach Auskunft aus dem Kommissariat 4 für Rauschgiftdelikte der Kriminalpolizei in Bayreuth erwartet die Justiz aber in Kürze noch eine ganz andere Hausnummer, was den Verkauf illegaler Substanzen anlangt: Dann geht es um einen Verdächtigen, der binnen Jahren umgerechnet 350 Kilogramm der Droge veräußert haben soll. Die Staatsanwaltschaft formuliere bereits an der Anklageschrift.

Der 28-Jährige aus dem Landkreis Bayreuth gilt als Hauptdrahtzieher dessen, was die Kripo "Kulmbacher Haschisch-Ring" nennt. Damit beziehen sich die Ermittler darauf, dass viele, die sich am Schneeball-System des Drogenhandels beteiligen, aus Kulmbach und der näheren Umgebung stammen. Mehrere Spuren führen auch in den Landkreis zur so genannten "Wirsberg Connection" sowie nach Stadtsteinach. Es soll sich um ein loses Netzwerk von Dealern handeln, die teilweise bereits seit 2006 mit dem Erwerb und Weiterverkauf von Rauschgift hohe Umsätze erzielten. Die kleinen und großen Abnehmer erwarben Haschisch und Marihuana in Mengen zwischen wenigen Gramm bis zu 20 Kilogramm und mehr.

Besagter Hauptdrahtzieher war, wie es die Kripo gegenüber der BR bestätigt, bereits verhaftet gewesen, ist aber noch auf freiem Fuß. Der zuständige Richter hatte den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt, unter anderem weil sich der Beschuldigte kooperativ zeigte und ankündigte, er werde im großen Stil "auspacken". Hier greift im Betäubungsmittelgesetz (BTMG) Paragraf 31, umgangssprachlich "Verräter-Paragraf" genannt - also eine Art Kronzeugenregelung. Diese habe das Gericht auf den geständigen Haupttäter angewendet. Zudem bestehe bei dem Mann keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr.

160 Beschuldigte verwickelt

Von diesem inneren Zirkel des Rings reichen die Ausläufer weiter bis nach Hessen (Frankfurt, Offenbach) sowie in die Bundeshauptstadt. In Berlin ernteten die Fahnder eine Cannabis-Großplantage ab. Die Bayreuther Kripo spricht von insgesamt 160 Beschuldigten, gegen die teils eigenständige Verfahren anhingen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Auf Grund von Hinweisen aus anderen Strafverfahren sowie akribischer Fahndung einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe beim Kommissariat 4 konnten die Beamten seit April 2012 den groß angelegten Drogen-Sumpf trockenlegen. Sechs Mitglieder der Szene sind bereits vor dem Landgericht Bayreuth verurteilt worden. Erst vor wenigen Tagen bekam ein 33-Jähriger, der früher im Kreis Stadtsteinach wohnte, die Quittung für sein illegales Tun: Er muss für den Besitz sowie den Handel mit Haschisch für sechs Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.

In diesem Zusammenhang greift auch die so genannte Verfall-Regel. Sie besagt, dass bei Rauschgiftdelikten nicht nur die Straftat an sich geahndet wird, sondern der Betroffene die Brutto-Summe aus dem illegalen Umsatz an den Staat abführen muss. Im Fall des ehemaligen Stadtsteinachers waren das umgerechnet 80 000 Euro. Sollte der Verurteilte nicht über das Geld verfügen, so ist der Staat berechtigt, auch an Immobilien oder Lebensversicherungen heranzugehen, um daraus die Summe zu generieren. Die Rede ist hier vom "erweiterten Verfall".



Die Gesetzeslage im Betäubungsmittelgesetz (BTMG)


Im Strafgesetzbuch wird bei illegalen Drogen wie folgt unterschieden:

§ 29
Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft.

§ 30 Mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren wird bestraft, wer Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt oder mit ihnen Handel treibt (siehe vorne) und dabei als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat, 2. im Falle des § 29a Abs. 1 Nr. 1 gewerbsmäßig handelt, 3.Betäubungsmittel abgibt, einem anderen verabreicht oder zum unmittelbaren Verbrauch überlässt und dadurch leichtfertig dessen Tod verursacht oder 4. Betäubungsmittel in nicht geringer Menge ohne Erlaubnis einführt. In minder schweren Fällen reicht die Strafe/Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.