Landauf, landab wird über Klimaschutz, Kohleausstieg und CO 2 -Reduzierung gesprochen. Ein Unternehmen in Kulmbach redet nicht nur, sondern tut etwas. Energas, der Spezialist für regenerativ betriebene Blockheizkraftwerke, organisiert den Kohleausstieg in Ulm. "Damit ist die Fernwärme Ulm GmbH deutlich früher dran als die Bundesregierung", sagt Energas-Geschäftsführer Peter Mertel.

Mit dem Ulmer Geschäft ist es dem jungen Unternehmen gelungen, den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land zu ziehen: über 20 Millionen Euro Auftragswert. Mertel: "Das gesamte Projekt wird von Kulmbach aus abgewickelt."

Umzug vor einem Jahr

Die Geschäfte der erst 2013 gegründeten Kulmbacher Niederlassung haben sich gut entwickelt. "Die Erfolgsgeschichte geht weiter", erklärt Mertel, der mit seiner Mannschaft vor einem Jahr in das neue Firmengebäude in der E.-C.-Baumann-Straße 20a mit Büros und Lager für Ersatzteile umgezogen ist.

Dort hat man zwischen Max-Rubner-Institut und Fachschule für Lebensmitteltechnik eine Baulücke geschlossen und 1,75 Millionen Euro investiert. Beim Neubau wurde - natürlich - auf CO 2 -Minimierung geachtet. So gibt es auf dem Dach auch eine Photovoltaikanlage. "Der ökologisch erzeugte Strom treibt eine Wärmepumpe an. Und damit betreiben wir die Raumklimatisierung durch Kühldecken und die Fußbodenheizung im Winter", so Mertel.

Die Fernwärme Ulm GmbH (FUG) hat in der baden-württembergischen Großstadt mit 125.000 Einwohnern eine Marktabdeckung von 50 Prozent. Versorgt werden private Haushalte, Gewerbe und das Universitätsklinikum. "Sie wollen ihre Kohlekessel abschalten und durch ein hochmodernes Gaskraftwerk ersetzen. Wir haben den Auftrag, als Generalunternehmer ein schlüsselfertiges Kraftwerk mit Gebäude, Leitungen und hochwertiger Abgasreinigung zu liefern", sagt der Energas-Geschäftsführer.

"Das sind Brummer"

Kernstück der Anlage in dem 30 x 30 Meter großen Neubau sind zwei Jenbacher-Motoren. Sie haben eine Gesamtleistung von 20.000 Kilowatt elektrisch (kWel). Mertel: "Ein Motor mit 20 Zylindern und 500 Liter Hubraum wiegt 150 Tonnen. Das sind Brummer."

Die Anlage, so der Geschäftsführer, läuft nur während der Heizperiode. Die Wärme gehe ins FUG-Netz, der Strom ins öffentliche Netz.

Ein Grad Abweichung erlaubt

Anspruchsvoll, so der Experte weiter, ist "die Wärmeauskoppelung auf hohem Niveau". Es gebe zwei Wärmeschienen: 110 Grad für die normale Fernwärme und 185 Grad für das Krankenhaus, um Geräte und Instrumente mit Dampf zu sterilisieren. Dabei sei nur maximal ein Grad Abweichung zulässig.

Derzeit befindet sich das Projekt in der Planungs- und Genehmigungsphase. Am Jahresende soll laut Mertel mit dem Bau begonnen werden. 2021 sei die Fertigstellung geplant.

Der Geschäftsführer geht davon aus, dass Energas in Kulmbach weiter wachsen wird. Das neue Gebäude ist mit 25 Mitarbeitern voll belegt. "Wir haben aber eine Erweiterungsmöglichkeit", sagt er: Das Gebäude kann aufgestockt werden. "Das werden wir auch brauchen, wenn's so weitergeht."

Zahlen + Fakten

Energas Das Unternehmen wurde 2006 in Ravensburg gegründet. Seit 2013 besteht die Niederlassung in Kulmbach. Energas ist mit 90 Mitarbeitern in ganz Süddeutschland tätig. Die Motoren beziehen die Spezialisten für gasbetriebene Blockheizkraftwerke vom österreichischen Hersteller GE Jenbacher in Tirol. Jahresumsatz 2018 waren es über 50 Millionen Euro. Klimaschutz Energas ist ökologisch ausgerichtet. 80 Prozent der Anlagen werden mit Biogas betrieben. Kunden Energas arbeitet für die Industrie, für Energieversorger, Krankenhäuser oder Kläranlagen. Zu den Kunden zählen unter anderem BMW oder Ireks in Kulmbach und die Gemüsefarm Feulersdorf.