Unser Leser Rainer Greibel aus Kulmbach meint: Ein zweites Kulmbacher Wiesenfest tue ich mir nicht mehr an!

Das Bierfest gehört auf den alten PlatzWie immer hatte ich ab dem letzten Juliwochenende Urlaub genommen, um als Kulmbacher neun Tage mein Bierfest genießen zu können. Die Stadt wie jedes Jahr mit Fahnen und den Fässern am Rathaus herausgeputzt, einzig das Festzelt an alter Stelle fehlte.

Das Brauereigelände als einzig möglicher und einmaliger Ersatzort, kein Problem. Das Ergebnis hatte leider mit meinem seit 30 Jahren geliebten Bierfest nichts gemein. Das Gelände unübersichtlich groß und nachts relativ schlecht beleuchtet, was das Finden alter Bekannter, die man nur zum Bierfest trifft, unmöglich machte. Der Platz selbst gespickt mit Stolperfallen, wie Bordsteinen und Hackschnitzelfeldern.

Noch viel schlimmer, was bitte hat Würzburger Bier auf einer Kulmbacher Bierwoche verloren? Gibt es nächstes Jahr eine Scherdel- oder Sternquellecke? Auf dem Bierfest sind nur Kulmbacher Biere erlaubt, und der Name Kulmbacher Bierwoche kommt von der Stadt und nicht von der Brauerei. Aber am schlimmsten, der Aufbau von Hüpfburgen, womit das Fest endgültig zu einem gewöhnlichen Volksfest degradiert wurde. Da sind Karussell und Ponyreiten nicht mehr weit.

Das Bierfest war weltweit einmalig, weil es eben dies alles nicht gab und sich alles nur ums Bier drehte. Einziger Gewinner des diesjährigen Festes - aufgrund der Besucherzahlen und Einnahmen - ist die Brauerei.
Klarer Verlierer die Stadt Kulmbach, die nicht nur neun Tage zur Geisterstadt wurde, sondern auch Millionen in einen Tiefgaragenumbau versenkt hat, den nun niemand mehr braucht. Bei aller Euphorie für das neue Gelände sollte man aber bedenken, dass die diesjährigen Rahmenbedingungen (Ferien, Monatsanfang und schönes Wetter) äußerst günstig waren. Was wäre bei schlechtem Wetter gewesen? In der Stadt konnte man sich wenigstens unterstellen und trotzdem eine Maß genießen und dabei manch netten Menschen kennenlernen. Auch dies machte neben der einmaligen Lage in der Stadt das Flair des alten Geländes aus.

Es käme doch auch keiner auf die Idee, traditionelle Feste, wie das Forchheimer Annafest aus Sicherheitsgründen oder Profitgier an einen anderen Ort zu verlegen, da dann der ursprüngliche Charakter verloren ginge. Das Bierfest gehört zu Kulmbach, wie die Burg und auch zurück an seinen alten Platz. Ein 2. Kulmbacher Wiesenfest werde ich - auch wenn es weh tut - nicht mehr besuchen.

Und Markus Hopfenmüller aus Mainleus schreibt: Bierfest ist nichts für kleine Kinder

Zu den vielen Meinungen rund um das Bierfest 2017 habe ich ein weiteres Thema, das aus meiner Sicht diskutiert werden sollte. Ob nun das Bierfest im nächsten Jahr wieder auf dem Zentralparkplatz stattfindet oder nicht, und ob es in diesem Jahr auf dem Gelände der Kulmbacher Brauerei schöner war, ist mir seit dem letzten Bierfestsonntag schon fast egal.

Ich fand das Verhalten einiger junger Eltern unmöglich, die der Meinung waren, sich nach 20 Uhr mit ihren ein- oder zweijährigen Kindern vor die Bühne stellen zu müssen. Jeder normal denkende und gebildete erwachsene Mensch sollte wissen, dass das für die kleinen Würmer kein Spaß ist. Wenn die Eltern nicht zur Bühne, sondern in die Augen ihrer Kinder geschaut hätten, wäre ihnen aufgefallen, das diese alles andere als glücklich waren.
Mir ist dies aus wenigen Metern Entfernung aufgefallen. Als dann noch ein angetrunkener Mann (bestimmt nicht absichtlich) einen kleinen Jungen umgerannt hat und dieser mit voller Wucht auf den Hinterkopf gefallen ist, musste ich kurz das Zelt verlassen und beim Vorbeilaufen an der Bühne einigen den Scheibenwischer zeigen. Wäre das Festbier nicht so köstlich gelungen, hätte ich mich wegen des Vorfalls noch gerne vor dem Zelt übergeben!

Ich selbst habe drei Kinder (6, 9, 18 Jahre), aber wenn abends ab 19 Uhr im Bierzelt die musikalische Vollgasbespaßung losging, sind entweder meine Frau oder ich mit den Kindern nach Hause gegangen und haben sie dahin gebracht, wo Kleinkinder hingehören - ins Bett.

Ich kann mir nur vorstellen, dass diese Eltern auf nichts verzichten wollen. Nur schade, dass dies auf Kosten der Gesundheit der eigenen Kinder geschieht. Ich empfehle allen, beim nächsten Kinderarztbesuch mal nachzufragen, ob ich mit meiner Einschätzung übertreibe. Wer es in Zukunft nicht lassen kann, sollte sich zumindest einen ruhigeren Ort im Festzelt suchen, aber bitte nicht direkt vor der Bühne!