Wenn Bäckermeister Ralf Groß an die Lebensmittelpreise denkt, kommt ihn das Grausen. "Der Preis für das Getreide ist derzeit so niedrig, dass die Bauern keines mehr anbauen können", prangert er an. Beim Dinkelanbau gebe es schon echte Engpässe. Aber auch der Roggen werde immer weniger. "Und der größte Weizenproduzent ist China", warnt Groß. Als Vorsitzender der Bäckerinnung kritisiert er, dass mit Lebensmitteln spekuliert wird. "Man spielt damit nicht, hat jeder einmal gelernt." Deshalb versuche er seit Jahren vehement, die heimischen Bäcker dafür zu gewinnen, dass sie sich mit den Landwirten und dem letzten Müller im Landkreis - Dirk Partheimüller, der die Partheimühle in Stadtsteinach betreibt, an einen Tisch setzen und einen Vertrag abschließen. Jetzt hat das Unterfangen geklappt.

26 Euro werden garantiert

Zwar kamen nur vier von 18 Mitgliedern der Innung, doch für Ralf Groß setzt dieses Quartett ein Zeichen. Er selbst, Reinhard Müller aus Kasendorf, Fritz Dumler aus Kupferberg und Heinrich Herz aus Marktleugast garantieren in Zukunft den Landwirten einen Preis von 26 Euro für den Doppelzentner Weizen. Ein Jahr lang, egal, wie sich der Markt entwickelt. Aktuell liegen die Preise bei 20 Euro. "Das sichert den Landwirten ein Auskommen. Und man muss sich mal überlegen, das billigste Mehl kostet 25 Euro pro Doppelzentner", sagt Groß.

Die vier Bäcker nehmen Dirk Partheimüller eine garantierte Menge zum garantierten Preis ab. Das schenkt allen Beteiligten Sicherheit. "Und vor allem bleibt die Wertschöpfung bei uns", sagt Groß.

Doch warum ist es so wichtig, dass das Mehl aus der Region kommt? "Dann, weiß ich, was drin ist. Aber wenn das Mehl aus China kommt, weiß ich nicht, wie es angebaut wurde und was gespritzt worden ist", warnt Groß. Schon jetzt werde das Getreide der Supermarktware in China oder Russland angebaut, im Ostblock vermahlen, mit tschechischen Lkw nach Deutschland transportiert. "Die Wertschöpfung, die uns bleibt, ist die 400-Euro-Kraft, die die Waren im Supermarkt einräumt", warnt Groß vor dieser Entwicklung.

"Viele Bäcker haben Angst, dass ihnen die Kunden wegbleiben, wenn sie das Brötchen einen Cent verteuern", sagt Groß und hofft, dass die Käufer in Zukunft mit den Füßen abstimmen - dass ihnen Regionalität und Lebensmittelsicherheit etwas wert sind. Persönlich nimmt Groß rund 10 000 Euro Mehrkosten in Kauf. Doch die Idee ist ihm das wert. Denn tatsächlich wirkt sich der Mehlpreis nur minimal auf die Produkte aus. Wenn der Doppelzentner zehn Euro teurer wird, kostet das Brötchen einen Cent mehr.

"Brot ist Vertrauenssache"

"Brot ist unser Grundnahrungsmittel. Brot ist Vertrauenssache", sagt Groß. "Und was machen wir, wenn bei uns keiner mehr Getreide anbaut und wir vom Getreide aus Russland abhängig sind. Dann fressen wir Fensterkitt?", zeigt der Innungsvorsitzende die Gefahr sehr drastisch auf.

Die vier Bäcker, die jetzt für ein Jahr gemeinsam mit den Landwirten und dem Müller die Allianz schmieden, hoffen natürlich, dass in Zukunft auch die anderen Bäcker mitmachen.

"Das ist eine prima Initiative. Die passt zur Genussregion. Natürlich müssen Lebensmittel einen Wert haben", sagte Landrat Klaus Peter Söllner. Auch der stellvertretende Obmann des Bauernverbands, Gerhard Reif, begrüßt die Mehlallianz, die erste in Deutschland. "Es ist ein guter Weg, dass sich jetzt Landwirte und Bäcker über die Partheimühle an einen Tisch setzen", betonte er.

"Das Getreide, das wir verwenden, wird im Umkreis von 50 Kilometern in der Region angebaut", birgt Dirk Partheimüller für Qualität. "Weizen ist noch da, aber Roggen ist schon ziemlich leer", charakterisiert er die Marktentwicklung. Und beim Dinkel herrsche derzeit ein Notstand am Markt.