Ein Kulmbacher Aktionsbündnis unterstützt die inzwischen 14-jährige Ofeliya Guliyeva, die vor vier Wochen mit ihrer Mutter in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Aserbaidschan abgeschoben worden ist. Der Fall der Schülerin, die das Caspar-Vischer-Gymnasium besuchte und als hochtalentierte Pianistin gilt, sorgte für großes Aufsehen in Kulmbach. Das Aktionsbündnis, so Johannes Max, will erreichen, dass die Abschiebung rückgängig gemacht wird.

Ofeliya habe berichtet, dass Polizeibeamte mit einem Schlüssel in die Wohnung eingedrungen sind. Sie hätten die Mutter aufgefordert, das Nötigste zusammenzupacken Für ihren siebenjährigen Sohn brauche sie keinen Koffer, das erledige schon der Vater, so die knappe Antwort. Mutter und Tochter sollten sollten zügig das Haus verlassen. Der Sohn und der Vater würden gleich nachkommen.
Die Bitte, sich vom Sohn und Bruder verabschieden zu dürfen, so Ofeliya, sei ihnen verweigert worden. "Erst später erfuhren wir, dass wir alleine abgeschoben werden."


Bruder ist herzkrank

Sahib Guliyeva, sieben Jahre alt und herzkrank, so das Aktionsbündnis, sei von seiner Mutter getrennt worden, die das alleinige Sorgerecht hat. Johannes Max: "Artikel 6 des Grundgesetzes regelt, dass Ehe und Familie unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung stehen und Kinder nicht willkürlich von ihren Eltern getrennt werden dürfen." Genau dies sei hier geschehen.

Johannes Max kritisiert die Zentrale Abschiebebehörde (ZAB) in Bayreuth: "Sie hat die Abschiebung veranlasst und einfach ignoriert, dass Sahib nun keinen Sorgeberechtigten mehr in Deutschland hat. Aufgrund der grundrechtswidrigen Abschiebung muss jetzt vor dem Familiengericht ein Verfahren stattfinden, um einen Sorgeberechtigten für Sahib zu bestimmen. Familie Guliyeva lebte bereits seit acht Jahren in Deutschland und war gut integriert."

Weiter stellt das Aktionsbündnis fest: "Sahib ist in Kulmbach geboren, Ofeliya lebte mehr als die Hälfte ihres Lebens hier. Aserbaidschan ist für beide Kinder ein fremdes Land, zu dem sie keinen Bezug haben. Ofeliya sang im Bayreuther Zamirchor, ging ins Caspar-Vischer-Gymnasium und hatte gute Noten. Die hochbegabte Pianistin wurde vor einem Jahr mit dem Ruckdeschel-Preis ausgezeichnete. Sie träumte davon, Musik zu studieren."

ln Aserbaidschan erwarte Ofeliya ein Leben am Rande der Gesellschaft und eine geringe Schulbildung. Eine Förderung ihres musikalischen Talents sei nicht möglich.


Verstoß gegen Grundgesetz und UN-Kinderrechtskonvention

,,Was sich die Zentrale Abschiebebehörde Bayreuth geleistet hat, ist nicht nur ein schwerer Verstoß gegen das Grundgesetz, sondern auch gegen die UN-Kinderrechtskonvention", erklärt Alexander Thal, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats. Der Flüchtlingsrat und das Aktionsbündnis fordern, dass Ofeliya und ihre Mutter sofort nach Kulmbach zurückgebracht werden und alle Familienmitglieder ein Bleiberecht bekommen, das ihnen die Ausländerbehörde längst hätte erteilen können.

"Die Welt verliert mit der Abschiebung Ofeliya Guliyevas eine hochbegabte Pianistin. Wir fordern deshalb die ZAB auf, Ofeliya und ihre Mutter bis Weihnachten zurückzuholen", so Johannes Max.