Lebloser Körper am Beckenboden
Es ist ein Spaziergänger in der Oberen Buchgasse, der am Sonntag gegen 8 Uhr zuerst die schreckliche Entdeckung macht, die ganz Kulmbach bewegen wird. Von diesem beliebten Spazierweg aus ist nicht nur das Freibadgelände, sondern auch das Springerbecken mit dem ellipsenförmigen Zehn-Meter-Sprungturm einsehbar. Der Mann sieht einen Fuß auf dem Boden des abgelassenen Beckens, als Teil eines regungslosen Körpers. Er alarmiert die Polizei. Kurze Zeit später wird der Badebetrieb eingestellt. Auf dem Freibadgelände wimmelt es nur noch von Einsatzkräften - neben Polizei auch Feuerwehr, BRK und Bergwacht.



Männer kletterten auf Sprungturm
Den ersten Ermittlungen der Kripo Bayreuth vor Ort zufolge hatten sich zwei junge Männer, ein 20-Jähriger aus Bayreuth und ein 24-Jähriger aus der Gemeinde Himmelkron (Landkreis Kulmbach) im Lauf der Nacht oder frühmorgens illegal Zugang zum Freibadgelände verschafft.

Dann sind sie laut Polizeisprecher trotz bereits abgebauter Treppen oder Leitern auf einen der beiden Sprungtürme geklettert. Beim Sprung ins abgelassene Becken zogen sie sich dann tödliche Verletzungen zu. Einer der beiden war beim Eintreffen der Rettungskräfte bereits tot, bei dem zweiten wurde eine Wiederbelebung versucht, doch auch für ihn kam den Angaben zufolge jede Hilfe zu spät.

Bleibt die Frage nach dem Warum. Was hat dazu geführt, dass die Kulmbacher Bergwacht inmitten des Freibads zwei Leichen bergen muss? Jürgen Stadter: "Die Ermittlungen sind noch am Anfang." Auch für Suizid gebe es keine Anhaltspunkte - derzeit zumindest.


Bei der Stadt Kulmbach herrscht Trauer
Nach dem tragischen Unglück im Kulmbacher Freibad, bei dem zwei junge Männer ihr Leben verloren haben, herrscht bei Stadt und Stadtwerken große Trauer. OB Henry Schramm und Stadtwerkeleiter Stephan Pröschold waren unmittelbar nach der Alarmierung der Rettungskräfte am Unglücksort.

Oberbürgermeister Schramm äußerte sich: "Ich bin zutiefst schockiert und betroffen. Es ist unfassbar, dass zwei Menschen auf so tragische Weise ihr Leben lassen mussten. Dieses Unglück ist kaum in Worte zu fassen. Unsere Gedanken sind jetzt bei den Familien und Freunden der beiden jungen Männer."

Auch Stadtwerkeleiter Stephan Pröschold und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Freibads hat der tragische Vorfall zutiefst mitgenommen: "Die Kollegen sind erschüttert und bestürzt. Unser Dank gilt auch den Rettungskräften, Ärzten und Notfallseelsorgern, die sich gekümmert haben."

Aus Pietätsgründen und wegen der anhaltenden Ermittlungen der Kripo Bayreuth bleibt das Freibad am Sontnag und auch noch am morgigen Montag geschlossen.

Baufälliger Sprungturm
Der Turm mit Sprungbrettern auf bis zu 10 Metern Höhe im Kulmbacher Freibad ist seit der Saison 2015 aus statischen Gründen gesperrt. Ein Abriss stand im Raum. Die Sprunganlage ist 43 Jahre alt, sie wurde 1972 in Betrieb genommen.