Am 30. September 1972 hat die Kulmbacher Stadtpolizei ihren letzten Tag: Vor 40 Jahren müssen die Stadt polizisten ihren blauen Rock aus- und die grüne Uniform der Landespolizei anziehen. Durch die Verstaatlichung verliert die Stadtverwaltung ihr Polizeiamt und 50 Mitarbeiter.

Ein Jahr nach Kriegsende geht die US-Militärregierung daran, das Polizeiwesen zu reorganisieren. Auch in Kulmbach. "Es war eine gesetzesfreie, schwierige Zeit", erinnert sich Alfred Illing (91), der letzte Chef der Stadtpolizei, an die Anfänge. Sein Stellvertreter Rudolf Wiesel (91) berichtet, dass man 1946 Polizisten gesucht hat: "Wer entnazifiziert war, konnte vom Stadtrat eingestellt werden. Wir haben zuerst zivil getragen, nur durch die Armbinde als Polizisten erkennbar. Vom Polizeidienst hatte von uns keiner eine Ahnung."

Illing, Wiesel und ihre Kollegen sollen, so ihr Auftrag, "für Ruhe, Ordnung und öffentliche Sicherheit sorgen". Doch dazu stehen ihnen nicht viele Hilfsmittel zur Verfügung. Anfangs gerade mal zwei Fahrzeuge, ein US-Jeep und ein Motorrad, und noch keine Waffen. "Erst 1947 haben wir amerikanische Karabiner bekommen", sagt Wiesel.

Immer zwei Polizisten sind als Doppelstreife zu Fuß unterwegs, erläutert er. "So haben wir nachts um eins auch die Einhaltung der Sperrstunde kontrolliert. Dabei konnten wir entscheiden, ob ein Wirt länger offen lassen durfte. Eine Stunde hat zwei Mark gekostet."

Keine Sonderrechte für den OB


Die Stadtpolizei ist angesehen in Kulmbach. "OB Murrmann hat immer von seiner Truppe gesprochen, er ist stolz auf seine Polizei gewesen", erklärt Illing. Doch Sonderrechte hat es für ihn nicht gegeben. Wiesel: "Wenn er mit seinem VW Käfer falsch geparkt hat, hat auch der Helm einen Strafzettel gekriegt. Dann ist er zu uns reingekommen und hat seine zwei Mark bezahlt."

Anfang der siebziger Jahre, als die Reformpläne durchsickern, wird in Kulmbach kontrovers diskutiert. Im Stadtrat gibt es eine Gruppe, vor allem bei der SPD, die die Stadtpolizei behalten will. Im Mai 1971 findet sich schließlich eine Stadtratsmehrheit, die sich mit 17 gegen acht Stimmen für die Verstaatlichung ausspricht. Man hofft, dadurch 900 000 Mark Personalkosten einzusparen.

Gedenktafel am Rathaus


Am Montag wird am Rathaus eine Gedenktafel enthüllt (11 Uhr). Sie soll an die Stadtpolizei und an ein spannendes Kapitel Stadtgeschichte erinnern.

Mehr über die Kulmbacher Stadtpolizei lesen Sie am Wochenende in der Bayerischen Rundschau.