Immer wieder ist der so genannte Pflege-Tüv in der Diskussion. Erst vor kurzem haben Versorgungsverbände die Frage gestellt, ob das aktuelle Prüf- und Bewertungssystem aussagekräftig ist. Außerdem geht es um die Frage, ob die Noten, die Gutachter Pflegeheimen geben, gerechtfertigt sind.

In der Wohnanlage Mainpark hilft man bettlägrigen Bewohnern fürsorglich bei der Körperpflege. Andere Senioren werden zur Kaffestunde gebracht, notfalls auch im Rollstuhl, so wie Annemarie Horn . Ein paar Räume weiter findet eine "Erinnerungsstunde" statt: Betagte, teils demenzkranke Bewohnerinnen werden mit Gegenständen an früher erinnert. Heute dürfen sie erzählen, was man alles zum Kaffeekochen benötigte und wann es Bohnenkaffee gab. Fürsorge, Gemeinschaft, aber auch eine spontane Umarmung: Pflege ist eben mehr, als nur beim Waschen zu helfen.


Nüchterne Zahlen

Nüchterne Zahlen dagegen findet man im erst kürzlich veröffentlichten Transparenzbericht zur Qualitätsprüfung in Pflegeeinrichtungen für das Jahr 2014. Erstellt hat ihn der Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen. Laut Heike Franzen-Krapoth erfolgt die Untersuchung der Heime nach bestimmten Kriterien. Dazu gehören zum Beispiel der Umgang mit demenzkranken Bewohnern, hauswirtschaftliche und hygienische Gegebenheiten und natürlich die Zufriedenheit der Bewohner. Die Ergebnisse der einzelnen untersuchten Bereiche ergeben die Gesamtnote für das Heim.

Diese Form der Benotung stößt auf Kritik. So meint Ulrike Mascher, Präsidentin des VdK Deutschland, das System sei in einigen Bewertungspunkten zu subjektiv, die Notenberechnung in manchen Fällen unklar.

Karl-Heinz Kuch, Geschäftsführer des Diakonie-Verbundes Kulmbach, hält die guten Noten für die Kulmbacher Einrichtungen für gerechtfertigt: "Unsere Heime sind nun mal Ausnahmeeinrichtungen." Allerdings bemängelt er Grundsätzliches. Es werde zu viel Zeit für die Dokumentationspflicht verbraucht, die von der reellen Pflegezeit abgehe. "Dies geht zu Lasten der zu Pflegenden", sagt Kuch.


Zu viel Bürokratie

Der selben Ansicht ist VdK-Kreisgeschäftsführer Alexander Wunderlich. Er befürchtet, dass der Mensch bei aller Bürokratie ins Hintertreffen gerät. Dies sei jedoch nicht wünschenswert, da die Pflege mit ihren hohen Qualitätsstandards nach wie vor im Vordergrund stehen müsse. "Die Einrichtungsträger haben einen Ruf zu verlieren", so Wunderlich, der zudem zu bedenken gibt, dass die erhobenen Daten aus einer Stichprobe stammen und eine Momentaufnahme darstellen. Transparenzberichte, die auf eine längerfristige Dokumentation zurückgehen, hält er für zielführender.

Der Bezirksverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) äußert sich in einer Pressemitteilung von Anfang Februar etwas anders. Hier ist man der Meinung, dass Pflegenoten allein kein Garant für Qualität in den Heimen sind. Es wird gefordert, dass ein wissenschaftlich erarbeitetes System, das laut Awo schon seit 2011 existiert, das bisherige Prüfungsvorgehen ablösen soll. Bei diesem System geht es darum, die Pflegequalität selbst konkreter zu erfragen. Zudem soll verstärkt auf Selbstverwaltung gesetzt werden.


Auch AOK sieht, dass Reform nötig ist

Dies könnte wiederum die Probleme mit sich bringen könnte, die Diakonie und VdK anprangern: dass diese Verwaltungszeit von der Pflegezeit abgezogen werden muss. Insgesamt fordert die Awo, dass externe Qualitätsprüfungen und Veröffentlichungen neu ausgearbeitet werden sollten.

Bei der AOK Bayern ist man ebenfalls der Meinung, dass eine Reform nötig ist. In einem fachlichen Artikel werden die bisherigen Noten als "nicht aussagekräftig" bezeichnet.

Stattdessen schlägt die Krankenkasse ein Verknüpfungsmodell vor. Darin sollen aus dem Heim erhobene Informationen mit denen externer Qualitätsprüfungen kombiniert werden. Die Essenz soll das interne Qualitätsmanagement der Heime positiv beeinflussen. Zudem sollen diese Ergebnisse, für jeden verständlich, öffentlich gemacht werden.

Eine eindeutige und hundertprozentig sichere Lösung gibt es demnach nicht. Noch nicht.


Alle Noten auf einen Blick

Die Endnoten der Kulmbacher Einrichtungen beim Transparenzbericht 2014 (ohne Ortsangabe Kulmbach):

Karl-Herold-Seniorenwohnanlage (Arbeiterwohlfahrt): 1,1

Seniorenwohnanlage Mainpark (Diakonie): 1,1

Evangelisches Wohnstift (Diakonie): 1,2

Heiner-Stenglein-Senioren- und Pflegeheim (Arbeiterwohlfahrt): 1,2

Senioreneinrichtung Schützenstraße (Arbeiterwohlfahrt): 1,2

Alten- und Pflegeheim St. Marien Stadtsteinach (Caritas): 1,2

Bürgerhospital (Arbeiterwohlfahrt): 1,9

Seniorenwohnpark Rosengarten Neuenmarkt (Arbeiterwohlfahrt): 1,6

ProSeniore Residenz Wirsberg: 1,9

SeniorenDorf Kirschenallee Thurnau (Arbeiterwohlfahrt): 1,2

Julius-Flierl-Seniorenheim Marktleugast (BRK): 1,2