Im Ernstfall würde das Einsatzstichwort "Unfall mit Gefahrgut-Lkw, Gefahrgut tritt aus" selbst erfahrende Feuerwehrdienstleistende in höchste Alarmbereitschaft versetzen. Am Wochenende probten zehn angehende CSA-Träger (Träger von Chemikalienschutzanzügen) im Feuerwehrzentrum in Kulmbach ein Horror-Szenario.

Mit dabei waren Feuerwehrmänner aus Thurnau, Lanzendorf, Kulmbach, Rothwind-Fassoldshof, Mainleus und Kasendorf. Die einzige Frau der Truppe war Sabine Kohl, Mitglied der Feuerwehr Lanzendorf.

Obwohl draußen sommerliche Temperaturen herrschten, mussten die angehenden CSA-Träger noch langärmlige Pullover und lange Hosen unter den schweren Anzügen tragen. "Es ist Vorschrift, dass man unter den Anzügen diese Sachen anhat. Außerdem klebt der Gummi sonst auf der Haut", erklärte Ausbilder Jörg Geyer.

Nach einem anspruchsvollen Theorie-Teil ging es in einer ersten Station darum, Ausdauer zu beweisen. In voller Montur liefen die Feuerwehrleute um den Block und kamen schon dabei an die Leistungsgrenze oder überschritten diese. Denn im Inneren der Anzüge herrschten mehr als 75 Prozent Luftfeuchtigkeit. Doch die Prüfung wurde noch anspruchsvoller. Denn das Unfallszenario, das die Prüfer ausgearbeitet hatten, erforderte höchste Konzentration von den Feuerwehrlern.

Ein Lkw sei verunglückt. Der Fahrer war nicht auffindbar. Zu allem Überfluss lief auch noch eine unbekannte Flüssigkeit aus. Und die Ladefläche brannte.

"Wir wissen nicht, was der Laster geladen hat. Wir müssen erst einmal die Papiere suchen", sagte Dominik Brückner. Eine Verständigung mit seinem Partner - Stefan Than von der Feuerwehr Kulmbach - war nur über Funk möglich. Denn die Chemieschutzanzüge sind so dicht, dass sich die beiden Feuerwehrmänner, selbst wenn sie nebeneinanderstehen, nicht verstehen könnten.

Beide kletterten ins Führerhaus des Lastkraftwagens. Doch so sehr die beiden auch suchten, die Fahrzeugpapiere waren schwer zu finden. "Es ist so, dass die Papiere im Führerhaus sein müssen. Wo sie die Fahrer hinlegen, bleibt jedem selbst überlassen. Im Ernstfall oder wenn der Lkw sich überschlagen hat, kann das ein ganz schönes Durcheinander sein", erklärte Jörg Geyer vom Ausbildungsteam. "Es ist sehr wichtig, dass man weiß, was der Lkw geladen hat. Denn die Chemieschutzanzüge halten zwar einige aus, aber manche Sachen eben nicht so lang", sagte Stefan Than. Deswegen wäre im Ernstfall oberste Vorsicht geboten.

Tatsächlich gab es im vergangenen Jahr keinen solchen Chemieunfall für die heimischen Wehren. "Aber man muss vorbereitet sein", so Geyer.

Im Prüfszenario hatte der Brummi einen echten Gefahrgut-Cocktail an Bord: Ammoniak, Essigsäure und Methanol.

Die angehenden Chemieschutzanzugträger konnten das Auslaufen der Flüssigkeit stoppen. Es handelte sich um Methanol. Das ist ein chemisches Ausgangsprodukt, das leicht entzündlich ist.

Die Einsatzkräfte kämpften sich durch die verqualmte Ladefläche und beförderten den verunglückten Fahrer, der bewusstlos auf der Ladefläche lag, ins Freie.

"Wichtig ist, dass die Feuerwehrmänner die verschiedenen Schritte in der richtigen Reihenfolge absolvieren", erklärte Jörg Geyer den Ablauf der Prüfung.

Die Probanden indes wollten nach der Übung nur eins: Luft.

Folgende Feuerwehrdienstleistende haben die CSA-Ausbildung absolviert:

Danny Czajarek (Feuerwehr Thurnau), Sabine Kohl, Stefan Böhner (Lanzendorf), Stefan Than (Kulmbach), Pascal Knorr (Rothwind-Fassoldshof), Dominik Brückner (Mainleus), Steffen Guth, Tobias Prüfer, Kai Bergner und Heiko Rödel (Kasendorf).