Dumm nur, wenn sich in der Diskussion erst Unschärfen und dann faktische Fehler einschleichen, die aber weiter tradiert werden: sei es in der medialen Berichterstattung oder im Schlagabtausch der Parteien. Noch dümmer ist es, wenn Vertreter der Politkaste, die es besser wissen müssten, in das gleiche Horn stoßen.

Beispiel: Edmund Stoiber und die vielfach kolportierte Gurkenkrümmung. Ausgerechnet einer, der sieben Jahr regelmäßig als Brüsseler Spitzenbeamter tätig war, rekurrierte bei seinem Besuch in Kulmbach just auf dieses corpus delicti als Beleg dafür, dass die bei vielen verhasste EU in den hintersten Winkel des täglichen Lebens eingreife, und zwar - da gibt er den Kritikern Recht - bevormundend.

Bloß: Der "Gurkenkrümmungsparagraf" taugt eben genau dafür nicht! Zur Wahrheit gehört: Ja, der Vorläufer der EU, die Europäische Gemeinschaft, hatte 1988 in einer fünfseitigen Verordnung unter anderem auch den Krümmungsgrad für Gurken geregelt. Auf zehn Zentimetern Länge darf es eine Abweichung von der Geraden von maximal zehn Millimetern geben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Anstoß dazu kam - genau: vom Handel. Der wollte verbindlich geregelt haben, wie viele Gurken in einer standardisierten Einheitskiste Platz finden. Ware mit Normgewicht und -größe lässt sich leichter verpacken/transportieren.

Als die EU die Verordnung schließlich 2009 kippte (jaja, liebes Volk, die gibt es offiziell längst nicht mehr!), wollte wer davon nichts wissen? Genau: der Handel. Aber nicht nur der. Der Bauernverband, der bei Inkrafttreten der Verordnung noch auf die Barrikaden gegangen war und den Todesstoß für seine Erzeugnisse drohen sah, setzte sich für die Beibehaltung der Normen ein.

Und so lebt die Verordnung Nr. 1677/88 fort: als untote Karteileiche, über die Ammenmärchen kursieren. Da krümmt sich die Gurke wieder, nur diesmal vor Schmerzen...