Fehlende Rechtssicherheit, hohe Kosten, schwere Planungsbedingungen: Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder zwischen ein und drei Jahren bereitet den Kommunen Kopfzerbrechen. Denn was auf die Städte und Gemeinden ab 1. August 2013 (ab da gilt die Regelung) zukommt, kann keiner genau sagen.

Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) brachte es am Freitag im Kreisausschuss auf den Punkt: "Wir kommen an die Grenzen der finanziellen Leistungsfähigkeit. Obwohl die Kinder immer weniger werden, gibt es Steigerungen im Millionenbereich. Es besteht ein Rechtsanspruch - und die Kommunen wissen nicht, wie sie das bezahlen sollen. Wir sind familienfreundlich, aber langsam wird es selbst für die sparsamste Kommune eng."

Wenn Eltern auf Recht pochen?

Aber nicht nur die Finanzen machen Kopfzerbrechen. Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) stellte fest, dass nicht einmal klar ist, wen Eltern verklagen müssten, wenn sie auf ihr Recht pochen: den Kreis oder die Kommune. Auch wisse man nicht, was Eltern zugemutet werden kann, um ihr Kind in einer Krippe unterzubringen: "Können Sie auch in die Nachbargemeinde fahren?" Und: "Muss jede Gemeinde die Betreuungsquote exakt erfüllen?" Diese Fragen sollen in einem Schreiben dem zuständigen Ministerium zugesandt werden.

Dabei sieht es Söllner zufolge im Landkreis gut aus, was die Krippenplätze betrifft. "Seit 2008 wurde hier viel getan." In den Einrichtungen würden sogar Babys unter einem Jahr aufgenommen, obwohl der Rechtsanspruch erst mit Vollendung des ersten Lebensjahrs beginne. Rechne man die unter Einjährigen heraus, liege man bei 50 Prozent und damit weit über der angestrebten Betreuungsquote.

Jugendamtsleiter Klaus Schröder wies darauf hin, dass seine Behörde versuche, den aktuellen Bedarf an Krippenplätzen zu ermitteln. "Aber das ist schwer, weil das Elternverhalten unkalkulierbar ist."

Damit sprach er Gerhard Schneider (CSU) das Wort. Der Himmelkroner Bürgermeister bezeichnete den Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz zwar als einen Fortschritt in der Kinderbetreuung, aber für die Kommunen sei das nicht planbar. "Baue ich jetzt eine Krippe, die dann ein Jahr später leer steht? Wir fühlen uns mit dem Gesetz allein gelassen."

Landratsamtsjurist Jürgen Meins warnte davor, Überkapazitäten zu schaffen. Sollte es Probleme geben, dann bat er darum, dass sich die Betroffenen an ihn oder Jugendamtsleiter Schröder wenden.

Auf Antrag von Wolfgang Hoderlein (SPD) hatte Jugendamtsleiter Schröder den aktuellen Stand der Betreuungseinrichtungen im Landkreis ermitteln lassen (Zahlen siehe unten). Hoderlein regte an, in einer Bürgermeisterdienstbesprechung auszuloten, inwieweit die Kommunen miteinander kooperieren können.

Wirsbergs Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) kritisierte noch das Kinderbildungsgesetz, dass die Einrichtungen mit Bürokratie überhäufe.

Damit die Eltern einen Überblick über die Betreuungseinrichtungen erhalten, hat der Landkreis eine Seite auf seiner Homepage erstellen lassen, auf der die Kindergärten und Horte sowie deren Träger recherchiert werden können. Die Seite geht zum Jahreswechsel online.

Im Landkreis gibt es eine externe Krippe (0-3 Jahre) mit 40 Plätzen sowie 42 Kindergärten (3-6 Jahre) mit insgesamt 27 Krippengruppen.

Insgesamt sind es 2920 Kindergartenplätze und 337 Krippenplätze.

Sechs Horte (6-14 Jahre) bieten 240 Plätze.

Zwei "Netz für Kinder"- Gruppen (2-12 Jahre) haben 30 Plätze.

Von 2008 bis 2012 wurden 369 Krippenplätze neu geschaffen. Bis nächstes Jahr sollen noch 60 dazu kommen.