1200 Mitglieder: Das ist eine stolze Zahl und die Kreisgruppe Kulmbach im Bund Naturschutz gehört damit zu den größten Vereinen in der Region. In der nächsten Woche treffen sich die Mitglieder zur Hauptversammlung, bei der auch der Umweltpreis verliehen werden soll. Im Vorfeld haben wir mit Karlheinz Vollrath, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe, über die aktuellen Herausforderungen im Naturschutz gesprochen. Herr Vollrath, wenn Sie zurückblicken auf das vergangene Jahr - wie fällt die Bilanz aus? Karlheinz Vollrath: Wir waren auf verschiedenen Gebieten sehr aktiv. Besonders emsig waren wir in Himmelkron, wo wir mit Unterstützung des Landesverbandes versucht haben, die Erweiterung des Gewerbegebietes an der B 303 zu verhindern. Die Ortsgruppe Himmelkron hat sich hier enorm engagiert und Beachtliches geleistet. Es ist für uns ein großer Erfolg, dass es jetzt im Mai einen Bürgerentscheid geben wird. Welche Herausforderungen stellen sich 2019? Unsere Kreisgruppe gibt sich jedes Jahr ein Motto. Heuer ist das "Baut Stadt - schafft lebenswerte Zukunft". Was genau kann man sich darunter vorstellen? Wir wollen Kulmbach, vor allem die Innenstadt, attraktiver machen. Wir wünschen uns mehr Vielfalt, was die Geschäfte angeht, und natürlich sind auch die Radwege ein Thema. Es geht um viele Details. Zum Beispiel um die eine oder andere Bauruine wie die ehemalige Franken-Garage in der Mittelau, die verfällt, und wo die Ratten rumlaufen. Wir wünschen uns auch nach der Schließung des "Kaufland" einen Lebensmitteldiscounter für die Innenstadt, damit die Menschen nicht erst weite Wege mit dem Auto fahren müssen, um einkaufen zu können. Auch das Gaststätten-Sterben wird uns beschäftigen. Dabei wollen wir gerne mit der Stadt Kulmbach zusammenarbeiten. Auch der Bahnhof? Der Bahnhof natürlich auch! Der ist unattraktiv und dreckig, und wenn man Besuch von auswärts hat, der mit dem Zug kommt, ist das schon fast peinlich. Die letzte gründliche Sanierung war, als ich als Schüler mit dem Zug von Neuenmarkt nach Kulmbach gefahren bin. Das ist einige Jahrzehnte her. Ist auch der Uni-Campus ein Thema für den Naturschutz? Aber natürlich! Wir freuen uns, dass junge Leute nach Kulmbach kommen und wollen die Stadt attraktiv für junge Leute machen. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass die nicht mangels anderer Möglichkeiten alle mit dem Auto kommen. Da geht es um Radwege, um ein stimmiges Konzept für den Busverkehr - und vor allem um den dringend notwendigen Beitritt zum VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg). Wo sehen Sie außerdem Handlungsbedarf - abseits des Jahres-Themas? Die großen Umgehungsstraßen werden uns weiterhin beschäftigen. In Untersteinach erfolgen gerade ganz gewaltige Eingriffe in die Natur, und die Frage stellt sich schon, ob das in dieser Dimension notwendig ist. Die Umgehung von Melkendorf entlastet den Ort merklich, aber die Verkehrsführung ist nicht ganz stimmig.Wir müssen deutlich machen: Wir brauchen nicht noch mehr Straßen für noch mehr Autos, sondern ein Verkehrskonzept, das den Leuten Lust darauf macht, auf den ÖPNV umzusteigen. Das sind viele Themen und viele Aufgaben. Kann das die Kreisgruppe alles stemmen? Wir freuen uns zwar über die stolze Zahl von 1200 Mitgliedern, aber letztlich sind darunter nur 30 bis 40 "Macher", also Leute, die wirklich aktiv sind. Und was machen die "Macher" im Detail? Das geht in den nächsten Tagen mit der Amphibienaktion an. Wir sind am 5. Mai beim autofreien Sonntag im Weißmaintal mit einem Informationsstand dabei. Und wir haben wieder eine ganze Menge Angebote für Kinder und Familien in der Umweltschule "Schlönz". Wie kann man sich in der Kreisgruppe denn aktiv einbringen? Zum Beispiel beim Amphibienschutz. Da bauen wir in den nächsten Tagen die Zäune auf, die dann auch kontrolliert werden müssen. Dazu sind viele Helfer nötig. Wir brauchen auch Menschen, die sich in der Umweltschule "Schlönz" engagieren - bei Pflegearbeiten oder bei Veranstaltungen. Und natürlich wäre es schön, wenn sich junge Leute fänden, die im Vorstand mitarbeiten wollen.

Termin Die Hauptversammlung der Kreisgruppe Kulmbach im Bund Naturschutz findet am Donnerstag, 14. März, um 19.30 Uhr in der Kulmbacher Kommunbräu statt.

Programm Neben den Regularien steht auf dem Programm ein kurzer Vortrag von Ronja Endres vom Landesverband über die Bedeutung der EU. Außerdem wird, wie in jedem Jahr, der Umweltpreis der Kreisgruppe verliehen. gey