"Die werden aus Brettern geschnitten und geschliffen." Eigentlich ist die Anfertigung der Schindeln nicht die Aufgabe des 52-jährigen Stadtsteinachers. Seine Frau Monika (51) ist für die Dacheindeckung zuständig. Während er konstruiert, schleift sie ein paar Meter weiter in der Werkstatt an einer Maschine. Allein in diesem Jahr hat sie schon Tausende und von Schindeln gefertigt. Jede einzelne wird abgeschliffen und gebeizt. "Je nach Schleifung bekommen sie ganz unterschiedliche Farben, das macht sie so schön", weiß Monika Kotschenreuther.

Auch für sich selbst haben die Kotschenreuthers eine riesige Krippe gebaut: Sie ist zwei mal drei Meter groß und besteht nicht nur aus dem Stall, sondern aus einer richtigen Landschaft - mit einem Jäger, mit Rehen und anderen Waldtieren. Auch Hasenställe, Backöfen oder Brunnen konstruiert das Ehepaar.

Die Krippen aus der Stadtsteinacher Hobbywerkstatt werden aus Holz aufgebaut und dann verputzt. "Zur Zeit bauen wir das Haus meiner Mutter um, da haben wir richtigen Putz übrig. Aber ich habe auch schon Putz aus Sägespänen gemacht", verrät Günter Kotschenreuther seine Tricks. Seine Krippenwerkstatt hat er in der Garage in der Hammergrundstraße eingerichtet. Dort stellt er winzig kleine Lagerfeuer und Rechen mit eingesetzten Zinken her. Er baut Werkzeuge für die verschiedenen Figurengrößen.

Die Krippen sind Wunschanfertigungen oder eben Fantasiegebilde nach eigenen Vorstellungen. "Man sieht irgendwo Krippen, holt sich Anregungen und setzt die dann irgendwann auch um", berichtet Kotschenreuther, der heuer eine riesige orientalische Krippe gebaut hat. "Die ist auch aus Holz und wurde verputzt. Und die Kuppeln sind aus Styrophor", erklärt er. Bei einer anderen Krippe hat er sogar Wasser aus der Dachrinne in einen Brunnen fließen lassen. "Das ist Heißkleber, der da runterrinnt", lacht der 52-Jährige.

Im Sommer keine Ideen

Für Leute, die keinen Platz haben, baut er winzig kleine Krippen fürs Fensterbrett oder für den Tisch aus kleinen Birkenscheiben. Auch Wurzelkrippen hat er in seinem Repertoire. "Aber ich kann erst im Oktober anfangen. Im Sommer habe ich einfach keine Ideen, wie man so eine Krippe bauen könnte", berichtet der Hobbykonstrukteur.

Sein Anspruch ist es, nie eine Krippe doppelt zu bauen. "Jede ist eine Einzelanfertigung", ist er sich mit seiner Frau einig, die er längst mit dem Krippenbau-Virus infiziert hat. Mehr noch: Die ganze Verwandtschaft ist begeistert. Sogar aus Südtirol schleppen Familienangehörige Moos und Flechten an. Solche Dinge braucht man immer, um die Krippen zu verkleiden, um weihnachtliches Flair zu zaubern.

"Die größe Krippe, die ich je gebaut habe, ist für 35 Zentimeter große Figuren", erzählt Kotschenreuther und ist sich sicher, dass er bis Weihnachten noch alle Hände voll zu tun hat. Nach seiner Arbeit bei der Firma Rewe verzieht er sich in seine Werkstatt, dann wird gebaut, geklebt, gehämmert. "Vor allem, wenn ich die erste Schicht bis 17 Uhr habe, kann ich noch richtig viel machen."

Kotschenreuthers Krippen sind auf dem Stadtsteinacher Weihnachtsmarkt und jeden Sonntag in der Ausstellung in Marienweiher zu bewundern.