Wer einen Bürgermeister- oder Gemeinderatskandidaten näher kennenlernen will, der muss eine Wahlveranstaltung besuchen? Nicht mehr unbedingt nötig. Wer mehr über Ziele und vielleicht auch Privatleben erfahren möchte, kann sich auch im Internet informieren. Wie das Beispiel der Marktgemeinde Marktleugast zeigt.

Dass Postwurfsendungen, Plakate zu Wahlveranstaltungen und gedruckte Werbebotschaften in den Medien nach wie vor zur Wahlwerbung gehören, ist für die Parteien selbstverständlich. Am wichtigsten ist ihnen aber der persönliche Kontakt.

Ausführlich diskutiert
Was vor allem der amtierende Bürgermeister Norbert Volk so sieht. Volk, der von den Freien Wählern nicht mehr nominiert worden ist und sich mit der neu gegründeten Wählergemeinschaft Marktleugast trotzdem erneut um das höchste Ehrenamt in der Gemeinde bewirbt, hat das Thema Internet-Präsenz ausführlich mit seinen politischen Weggefährten diskutiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass "sich in einer Gemeinde wie Marktleugast jeder kennen sollte". In einer Großstadt, so seine Meinung, kommt dem Internet da schon eine größere Bedeutung zu.

Er habe mittlerweile von jungen Leuten zwar das Angebot bekommen, dass für ihn eine Homepage oder ein Facebook-Auftritt eingerichtet wird. "Aber wir haben bisher davon Abstand genommen." Denn: "Meine Wahlwerbung dauert nicht drei Monate, sondern sechs Jahre", sagt der Bürgermeister(kandidat). Und: "Momentan ist mir der persönliche Kontakt 1000 Mal lieber als das Internet. Wir Kandidaten von der Wählergemeinschaft Marktleugast sind lieber allzeit präsent."

Themen und Termine
Sein Mitbewerber Reiner Meisel, den die Freie Wähler an Volks Stelle nominiert haben, sieht das ähnlich, gibt den Internet aber schon wesentlich mehr Bedeutung. Die Freien Wähler Marktleugast verfügen über eine eigene Homepage, und die Kandidaten präsentieren sind auch im sozialen Netzwerk Facebook. Bei Michael Schramm, der die Wahlwerbung organisiert, laufen laut Meisel die Fäden zusammen. Über die Internet-Kanäle werden Termine, aber auch Themen veröffentlicht.

"Es ist ganz wichtig, dass man diese Möglichkeiten nutzt", sagt Reiner Meisel. Dass die Freien Wähler nur einem Modetrend folgen würden, das sieht der Kandidat nicht: "Wir können auf diese Weise vor allem die Jugend erreichen. Für die ist das doch heute Standard."

Genau das hat auch die Marktleugaster CSU für ihre Wahlwerbung als bedeutend definiert. Bürgermeisterkandidat Franz Uome und seine Gemeinderatskandidaten haben bereits Mitte vergangenen Jahres die Kanäle festgelegt, auf denen sie ihre politischen Ziele transportieren und mit dem Bürger in Kontakt treten wollen.

Zusätzlich zu den herkömmlichen Werbeträgern geht die CSU ganz breit aufgestellt in den medialen Wettbewerb. Täglich, so erklärt Franz Uome, gibt es auf seiner eigenen Facebook-Seite und natürlich auf der der Marktleugaster CSU neueste Meldungen, Termine und sogar Kandidatenvorstellungen. Markus Suttner als Facebook-Beauftragter und Daniel Schramm als Internet-Betreuer kümmern sich darum, dass Inhalte optisch passen und die Technik funktioniert.

Besser, intensiver, jederzeit
"Facebook und Internet sind einfach sehr wichtig, weil wir dadurch junge Menschen besser, intensiver und jederzeit erreiche", betont Franz Uome, dem insbesondere an Facebook das Schneeballsystem der Nachrichtenverteilung imponiert.

Die regelmäßigen Treffen des CSU-Wahlwerbeteams seit April vergangenen Jahres haben aber noch eine andere Idee hervorgebracht, auf deren Realisierung die Marktleugaster Christsozialen besonders stolz sind: einen dreiminütigen Werbefilm, der über die CSU-Homepage, Facebook oder YouTube abzurufen ist. Der Kulmbacher Karl-Ernst Reichel, selbstständiger Film- und Videoproduzent, hat den Streifen professionell gefertigt und die thematischen Aussagen, die im Film von Franz Uome, Daniel Schramm (LQN), Marc Hartenberger (Familie), Markus Suttner (Energiewende) und Oswald Purucker (Fremdenverkehr) getroffen werden, in Filmsequenzen samt Musik arrangiert.

Der Kostenfaktor
Was eine solche Produktion kostet? Franz Uome möchte sich dazu nicht äußern, betont aber, dass der CSU-Ortsverband finanziell unbeteiligt blieb. Um das Budget habe er sich gekümmert.

Ob sich der Aufwand - bis alle Szenen gedreht waren, waren zahlreiche Termine mit Karl-Ernst Reichel notwendig - gelohnt hat, ist für Franz Uome keine Frage. "Ich habe bisher sehr positive Rückmeldungen bekommen."