Zwei Erwachsene, die mit bis zu vier Kindern für 18 Euro einen ganzen Tag lang quer durch einen Großteil der Metropolregion Nürnberg touren? Hört sich für Bahnkunden interessant an, ist aber nicht mit einer Fahrkarte der Deutschen Bahn, sondern nur mit dem Tagesticket des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) möglich - und das kann man an den Bahnhöfen im Landkreis Kulmbach nicht lösen. Während der Landkreis Lichtenfels dem VGN am 1. Januar beigetreten ist, hat sich Kulmbach bis dato aus Kostengründen nicht zum Anschluss durchringen können. "Das darf nicht sein", sagt der frühere Kulmbacher Stadtrat und Bahnfahrer Volker Wack, der sich wie so mancher Pendler wünscht, dass Kulmbach nicht weiter Niemandsland im Strecken- und Tarifverbund des VGN bleibt.

In Deutschland die Nummer drei

Es sei ein Armutszeugnis, meint Wack, der in Lichtenfels den politischen Willen sieht, den ÖPNV zu fördern, in Kulmbach jedoch nur Lippenbekenntnisse ausmacht. Dabei biete der VGN "ein Angebot, das vielen den ÖPNV erst schmackhaft machen würde." Nicht nur in preislicher Hinsicht. Nicht zu unterschätzen sei der Nutzen, den man aus der Marketingoffensive des VGN ziehen könnte, der der flächenmäßig drittgrößte deutsche Verkehrsverbund ist. Volker Wack: "Davon würde vor allem der Tourismus in der Region profitieren."
Dabei ist dem Landkreis Lichtenfels der Beitritt mit Blick auf die Kosten leichter gefallen. Dort müssen 2015 gerade mal 200 000 Euro bezahlt werden, Kulmbach hätte, so heißt es aus dem Landratsamt, im ersten Jahr über 900 000 Euro aufbringen müssen.

Ausgleichszahlungen

"Man kann die Zahlen nicht einfach so vergleichen, weil jeweils andere Fahrgastzahlen und Pendlerströme zugrunde liegen", sagt VGN-Pressesprecher Manfred Rupp, nach dessen Worten die Gebietskörperschaft Ausgleichszahlungen leisten muss. Mit dem Geld müssten Mindereinnahmen ausgeglichen werden, die entstünden, da die Einnahmen über den VGN-Ticketverkauf nicht alle Kosten decken, die der ÖPNV in der Region verursacht. Anfangs seien zudem Investitionen für die Tarifumstellung zu tragen, so für die Ausstattung der Haltestellen. Diese würden im ersten Jahr zu Buche schlagen.

Die Kostenfrage

Für den Landkreis Kulmbach hätten sich Rupp zufolge zu Beginn nicht wie vom Landkreis angegeben Kosten von 900 000 Euro, sondern von 781 724 Euro ergeben, für das Folgejahr 369 593 Euro. Längerfristig hätten sich diese bis 2030 auf die Zweckverbands umlage von rund 48 000 Euro reduziert. Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass vor allem Pendler und Vielfahrer vom VGN profitieren, während die, die im Nahverkehrsraum unterwegs sind, eher mit steigenden Preisen rechnen müssten.

Keine Strukturhilfe gewährt

Den Vorwurf Wacks, dass der Beitritt politisch nicht gewollt sei, weist Landrat Klaus Peter Söllner vehement zurück. "Ich stehe dazu, dass die Metropolregion und die VGN-Region am Ende das gleiche Gebiet werden", sagt Söllner, der daran erinnert, dass sich die Kreisräte 2013 einstimmig gegen den Anschluss ausgesprochen haben. "Weil es im Haushalt nicht darstellbar war". Der Beitritt hätte zur Folge gehabt, dass man die Kreisumlage um zwei Prozentpunkte hätte erhöhen müssen. Die Bitte, Kulmbach über eine außerordentliche Strukturhilfe den Anschluss zu ermöglichen, habe der Freistaat abgelehnt.

Nicht nur die Politik ist gefragt

Wie Michael Beck, der sich im Landratsamt mit dem Öffentlichen Personennahverkehr befasst, betont, sei die Beitrittsfrage keine alleinige Sache des Landkreises. "Wir müssen dabei natürlich auch konzessionsrechtliche Aspekte und Rechte der Verkehrsunternehmer beachten." Sollte die Politik den Beitritt beschließen, könnten private Busunternehmer den Anschluss noch verhindern. Und der Beitrittswille der Firmen ist, wie Beck durchblicken lässt, nicht groß.

Gespräche laufen weiter

Der Zug ist Landrat Klaus Peter Söllner zufolge aber noch nicht abgefahren. Man sei im Gespräch mit dem Verkehrsverbund und habe die dritte Erweiterungsrunde im Blick, deren Vorarbeiten für 2016 und 2919 geplant seien. Da müssten die Rahmenbedingungen neu berechnet werden. Söllner: "Wenn es dann finanziell darstellbar wäre, könnten wir dem Anschluss wieder näher treten."

Ein Zahlenbeispiel

Kurzfristig ist mit dem Anschluss nicht zu rechnen. Und so wird Volker Wack weiter über ein "unattraktives ÖPNV-Angebot" klagen. Einige Zahlenbeispiele schmerzen nicht nur ihn: So kostet die Fahrt mit der Bahn von Kulmbach nach Bayreuth für Erwachsene 8,10 Euro. Wer von Bayreuth weiter nach Nürnberg will, muss für die wesentlich längere Strecke "nur" 10,80 Euro berappen. Nach Bayreuth fährt man mit dem Bahntarif, von Bayreuth nach Nürnberg mit dem Ticket des Verkehrsverbundes.