Wie die Zeit verrinnt: Vor 25 Jahren ist das wunderschöne Dorfschulmuseum nach umfangreichen Renovierungsarbeiten eröffnet worden. Es ist ein wahres Kleinod, was hier der Nachwelt erhalten wurde, doch der "Spiritus Rector" dieser einzigartigen Einrichtung und Vorsitzende des Vereins Dorfschulmuseum Ködnitz, Günter Wild, ist etwas in Sorge, dass es nach ihm nicht mehr so weitergeht wie bisher.

"Lesen, Schreiben, Rechnen, Rohrstock", mit diesen Schlagwörtern wird die dörfliche Schulgeschichte in Ködnitz nacherlebt. In dem 1860/61 errichteten Sandsteingebäude am Ortseingang dokumentiert der Verein Dorfschulmuseum auf zwei Stockwerken das Leben in einklassigen Landschulen, wie es bis 1969 üblich war.

Günter Wild hatte in der Karwoche mit einigen Kindern aus der Gemeinde den Unterricht früherer Zeiten wieder aufleben lassen und für eine Viertelstunde Schule gespielt: "Vor 25 Jahren ist das Museum eröffnet worden, aber die Schule ist schon 160 Jahre alt", erzählte er. Der Unterrichts begann jeden Tag mit einem Gebet, weshalb die Kinder aufgefordert wurden, die Hände zu falten: "Wie fröhlich bin ich aufgewacht, wie hab` ich geschlafen, so sanft die Nacht, hab` Dank dem Himmel oh Vater mein, dass Du hast wollen bei mir sein. Behüte mich auch diesen Tag, dass mir kein Leid geschehen mag. Amen." Günter Wild setzte sich ans Klavier und begleitete die Kinder.

Mit Iris Gotthardt verfolgte eine Mutter dem Unterricht, die 1980 noch in diesem Schulhaus eingeschult wurde: "Es war eine recht schöne Zeit, und ich hatte es auch nicht weit, denn mein Elternhaus steht gegenüber", erinnerte sie sich. Auch Dritter Bürgermeister Heinz Mösch zählt zu den Ködnitzern, die hier unterrichtet wurden: "Rechts vorne war die 1. Klasse, ganz hinten die 8. Klasse. Es lief geordnet ab, denn jede Klasse bekam ihre Aufgaben. Wenn einer nicht aufgepasst hatte, dann musste er sich übers Pult legen und bekam den Rohrstock zu spüren."


Schwierige Geburt

Mit seinem Ansinnen, in "Kengst" ein Schulmuseum einzurichten, stieß Günter Wild 1985 beim Gemeinderat nicht gleich auf Begeisterung. Das Gremium sei der Meinung gewesen, ein Museum gehöre in die Stadt und niemals auf ein Dorf. Wild: "Doch einige Gemeinderäte meinten, dass die Idee gar nicht so verkehrt ist."

Altbürgermeister Hans Nützel erinnerte sich an die damaligen Diskussionen: "Man hat gemerkt, dass kein großer Befürworterkreis da ist. Trotzdem habe ich zum Ende meiner Amtszeit versucht, durchzusetzen, dass wir in dem Schulhaus ein Museum einrichten. Aber das wurde abgelehnt worden. Unser Günter Wild hat natürlich nicht nachgelassen. Bei meinem Nachfolger Gottfried Ehrnsperger ist es dann gelungen, 1990/91 ist wohl die Entscheidung für ein Dorfschulmuseum gefallen."

Wenig später wurde der Verein Dorfschulmuseum aus der Taufe gehoben, der die Einrichtung ideell und finanziell unterstützt. Bürgermeister Stephan Heckel-Michel weiß aber, dass der Fortbestand des Dorfschulmuseums alles andere als selbstverständlich ist: "Das Ehepaar Günter und Luise Wild ist die tragende Säule unseres Dorfschulmuseums, und es wird eine schwierige Aufgabe, den Fortbestand zu gewährleisten, da sind wir uns alle einig. Wir hoffen natürlich, dass unser Ehepaar Wild das Museum noch möglichst lange betreuen kann."

Die Gemeinde komme für den jährlichen Unterhalt des früheren Schulhauses mit maximal 5000 Euro auf. Dies sei ein überschaubarer Betrag, weil daneben auch die ehrenamtliche Arbeit vom Verein geleistet werde.

Immerhin: Mit Barbara Semlinger ("Wir müssen versuchen, weiterhin Leute zu finden") und Kerstin Zimmermann ("Als Geschichtslehrerin ist es für mich selbstverständlich, mitzumachen") hat Günter Wild schon zwei Mitstreiterinnen, wenn es darum geht, Unterrichtsstunden zu halten. "Unser Museum lebt einzig und allein davon, dass es die Schule wieder lebendig werden lässt."