18. September 2005, Tag der Bundestagswahl - und einer besonderen Abstimmung: Soll Ködnitz aus der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast ausscheren und sich Kulmbach anschließen? Mitten in seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister sieht sich Stephan Heckel plötzlich einer Frage mit weitreichender Konsequenz gegenüber.



Stimmen die Bürger zu, würde er über kurz oder lang nicht mehr benötigt. Vor neun Jahren macht die kleine Wohngemeinde im Landkreis damit bayernweit Schlagzeilen, denn ein solches Vorgehen wäre eine Premiere im Freistaat. Sogar die "Süddeutsche" widmet den "Kengstern" einen großen Artikel, als es zum Bürgerentscheid kommt. Überschrift: "Schafft sich Ködnitz selber ab?"

Turbulente Phase
Das Ergebnis ist bekannt: Eine deutliche Mehrheit der Bürger lehnt die Eingemeindung ab - die Kommune bleibt eigenständig, Stephan Heckel im Amt. Jetzt kandidiert er ein drittes Mal. "Es waren mitunter turbulente Zeiten damals, als ich Nachfolger von Gottfried Ehrensperger wurde. Ich denke aber, wir haben gezeigt, dass wir als Gemeinde bestehen können." Der 55-Jährige spricht davon, es mache ihm nach wie vor Spaß, mit vielen Engagierten in den Vereinen wie im Gemeinderat tätig zu sein. "Deswegen habe ich gar nicht weiter überlegt, ob ich nochmals antrete." Für den CSU-Vertreter wird es bereits die zweite Abstimmung ohne Gegenkandidat. "Ich kann nicht sagen, dass es mir lieber wäre, einen zu haben", sagt Heckel und schmunzelt. "Ich sehe es als eine Art Vertrauensbeweis und weiß zu schätzen, dass sich die Mehrheit der Bürger offenbar gut durch mich vertreten fühlt."

Als Wohngemeinde attraktiv sein
Was er in den nächsten sechs Jahren angehen will? "Klar ist, dass unsere wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt sind. Ködnitz muss vorrangig als Wohngemeinde, als Lebensmittelpunkt für Familien attraktiv bleiben." Laut Zensus liegt die Einwohnerzahl bei knapp unter 1600. "Brenzlig wird der Rückgang dann", so Heckel, "wenn größere Leerstände entstehen und Immobilien verfallen. Dann kommt man in die Situation, dass ein Ort nach außen hin ein unattraktives Bild abgibt."

Wer Familie anlocken oder halten will, braucht Angebote wie eine Kinderbetreuungseinrichtung am Ort. "Der Kindergarten ist deswegen eine Herzensangelegenheit von mir. Da hat die Gemeinde zusammen mit der Kirchengemeinde und dem Betreiber ,Die Kita' einiges erneuert und umgestaltet. Auch in der Kinderkrippe ist viel passiert, das Angebot wird gut angenommen, und auch die Qualität der Betreuung ist ansprechend." Dazu kommt das für den Bürgermeister "imponierende Engagement" von Eltern und Angehörigen, ohne das Vieles nicht möglich wäre.

Den Löwenanteil für den Kiga-Unterhalt zahlen Land und Kommune. "Wir reden für die Gemeinde von rund 300.000 Euro an Aufwendungen, wobei die Hälfte vom Land erstattet wird. Einen Kindergarten der Finanzen wegen in Frage zu stellen, das wäre für mich ein fatales Signal - denn dann habe ich aufgegeben."

Zu einer prosperierenden Gemeinde tragen auch die Gewerbetreibenden bei. "Sinnvoll ist, bestehende Gebiete auszulasten, da neue wegen der topografischen Lage schlicht nicht ausgewiesen werden können", gibt Heckel zu bedenken. Die hiesigen Unternehmen seien gut aufgestellt und blickten in gut gefüllte Auftragsbücher.

Gesunde Betriebe sind nicht zuletzt ein Finanzpfeiler für eine ausreichende Steuerkraft der Gemeinde. "Die Gewerbesteuer schwankt um die 150.000 Euro", sagt Heckel. Nicht die Welt im Vergleich mit Kommunen wie Kasendorf oder Himmelkron. "Dadurch gibt es für uns natürlich mehr Schlüsselzuweisungen als Ausgleich. Ich wäre froh, unsere Steuerkraft wäre so groß, dass es ohne Zuweisungen ginge. Und auch die sind ja nicht immer gleich. Da tun schon 50.000 Euro weniger gleich richtig weh." Größter Brocken bei den Ausgaben ist die Kreisumlage: Ködnitz führt für das laufende Jahr über eine halbe Million Euro ab.

Fortschreiten soll der Ausbau des schnellen Internets - in einer Flächengemeinde wie Ködnitz mit an einer Perlenschnur aufgereihten Orten kein einfaches Unterfangen, weiß auch der Bürgermeister. "Das erste Ausbaupaket des Freistaats haben wir genutzt und eine deutliche Verbesserung für Kauerndorf und Fölschnitz erreicht."

DSL für den Hauptort erst 2015
Aber: Rangen und der Hauptort Ködnitz haben davon bislang nicht profitiert. Insofern hofft Heckel auf einen erweiterten Nachschlag. "Mittlerweile soll bis zu einer Million Euro pro Kommune bereitstehen. Wir wollen die Förderung nutzen und haben ein Büro beauftragt. Das soll die notwendigen Verfahrensschritte abarbeiten." Für den CSU-Mann gehört ein akzeptabler Internetanschluss mittlerweile zur Daseinsvorsorge, sei also eigentlich Aufgabe des Staates. "Für mich muss schnelles Internet überall bis allerspätestens 2016 umgesetzt sein, lieber noch 2015. Heuer klappt es nicht mehr, allein das Förderprozedere kostet Zeit."

Ortsumgehung bleibt ein Thema
Die Ortsumgehung Kauerndorf bleibt auch in Stephan Heckels dritter Amtsperiode ein Thema. "Wir haben einen neuen Bundesverkehrsminister und neue regionale Abgeordnete - wir werden das Gespräch suchen." Die Gemeinde dürfe nicht auf ewig hingehalten werden. Die CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner habe sich die Akten kommen lassen. "Sie ist bemüht, Lösungen zu suchen - auch wenn das bei der Kostenlage extrem schwierig werden dürfte."

Unwetterschutz: mit Rückhaltebecken gegen die Wassermassen
"Ich kenne keinen Ködnitzer, mich eingeschlossen, der das schon erlebt hat." Bürgermeister Stephan Heckel schüttelt den Kopf, als er auf das Starkregen-Ereignis vom vergangenen Sommer zu sprechen kommt. Die Melange aus Wasser, Ästen, Gestein und Sand hatte sich in den Abend- und Nachtstunden des 20. Juni ihren Weg in Richtung Tal-Ortschaften gebahnt. In Ködnitz schoss gegen 21.30 Uhr eine braune Flutwelle vom Veitsgrabenweg Richtung Ortsmitte. Binnen Minuten füllte sich die Staatsstraße zusehends, stand schnell einen halben Meter unter Wasser.

"Das Wasserwirtschaftsamt rechnet künftig öfter mit solchen Vorkommnissen, daher müssen wir vorsorgen", sagt Heckel. Plan war, ein Gutachten für die gesamte Gemeinde zu erstellen. "Wir hatten zur Anhörung auch die Waldbesitzer am Veitsgraben eingeladen, wo das Unwetter starken Ausschwemmungen zur Folge hatte. Die Gemeinde hatte vor, den Veitsgrabenweg so weit auszubauen, dass er tatsächlich auch taugt für die Bewirtschaftung der Wälder. In diesem Schritt wollten wir den Weg durchziehen bis nach Pinsenhof und hinauf nach Heinersreuth." Der Bürgermeister ergänzt, dass dabei der Bau von Regenrückhaltebecken hätte eingeplant werden können - mit der entsprechenden Förderung. Zu Heckels Bedauern hätten etliche Grundstückseigentümer die Notwendigkeit der Maßnahme nicht so gesehen. "Andernorts hat sich gezeigt, wie wichtig Pufferzonen für den Ernstfall sind." Durch den Bau einer solchen Anlage beim Tierheim, geschaffen im Zuge der Kanalbaumaßnahme am Rangen, habe sich die früher schwierige Wasser-Situation bei der Schreinerei Popp verbessert. "Im Veitsgrabenweg wäre auch ein Modell mit Staustufen denkbar."

Radewegebau bleibt ein Dauerbrenner
Wenn nicht gerade "Autofreier Sonntag" im Weißmaintal ist und die Radfahrer bedenkenlos die volle Breite der Straße nutzen können, ist die Radwege-Anbindung der Gemeinde Ködnitz suboptimal. Was den Ausbau bis nach Trebgast angeht, so hofft Bürgermeister Stephan Heckel auf das ILE-Programm, wobei das Kürzel für "Integrierte Ländliche Entwicklung" steht. "Wir sind da mit im Boot und wollen die Trasse soweit ausbauen, dass sie von Radlern genutzt werden kann."

Andere Nadelöhre lassen sich wohl auf Dauer nicht verbreitern. Die Rede ist von den Streckenabschnitten zwischen Ebersbach und Fölschnitz (siehe Foto) sowie der Abschnitt zwischen Fölschnitz und Kauerndorf. "Die Engstellen gerade in den Kurven sind für Fahrradfahrer natürlich eine Gefahrenquelle. Dass aber neben der Staatsstraße einmal ein separater Radweg verläuft - das können wir auf Dauer abhaken. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es zu einem bestandsnahen Ausbau der Straße kommt. Es wurde ja erst vor etwa drei Jahren neu asphaltiert. "

Eine Ausweichroute funktioniere bei Fölschnitz nur entlang des Sportplatzes und weiter bis zur Forstlasmühle, eventuell mit einer neuen Brücke dazwischen. Heckel: "Ich würde einen separaten Übergang bevorzugen, nicht den Weg über den Edelmann-Steg."

Runter mit den Schulden
Zum 31. Dezember 2013 sank die Verschuldung der Gemeinde laut Stephan Heckel unter die Zwei-Millionen-Euro-Grenze. "Bei meinem Amtsantritt 2002 waren es noch 2,27 Millionen. Wir tilgen aktuell 125.000 Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 1223 Euro." Zupass kommen die Niedrigzins-Phase und die weiterhin stabile Konjunktur. Was aber, wenn sich die Zeiten ändern? "Es bereitet mir schon Kopfzerbrechen, wenn der Freistaat um jeden Preis seine Schulden reduziert", sagt Heckel. Schuldenabbau ist sicher richtig. "Das kann und soll man tun, wenn es konjunkturell prima läuft. Aber wenn nicht, muss man den Mut haben, ins Säckel zu greifen und den Kommunen Handlungsspielräume zu öffnen." Die Konsequenz wäre sonst: neue Darlehensaufnahme - aber zu welchen Konditionen? "Jedes Prozent mehr haut ins Kontor."