Sportliche Schwimmer wollen zügig ihre Bahnen ziehen, Kinder planschen und toben, Jugendliche sich kopfüber ins Wasser stürzen und Genießer sich sanft auf dem Wasser treiben lassen. Viele Wünsche, wenig Platz im 25-Meter-Becken des Kulmbacher Hallenbades - und so sind Interessenskonflikte unvermeidlich. Ein neuer Belegungsplan sollte allen zu ihrem Recht verhelfen, doch es gab heftige Proteste, und so haben die Stadtwerke das Konzept wieder eingestampft.

Experiment war gut gemeint

"Wir wollten die Badegäste mit unserem Experiment nicht ärgern, sondern ihnen einen Gefallen tun", sagt Stadtwerke-Chef Stephan Pröschold. Anhand der von den Schwimmmeistern beobachteten Nutzungsgewohnheiten wurden zum Beginn der Hallenbadsaison im September während des öffentlichen Badebetriebs Zeiträume festgesetzt, in denen bestimmte Aktivitäten Priorität haben sollten. So sollten aktive Schwimmer während einiger Stunden in der Woche auf drei mit Leinen abgesperrten Bahnen die Gelegenheit haben, flott in unterschiedlichen Schwimmstilen unterwegs zu sein - ohne störenden "Kreuzverkehr". Zu anderen Zeiten, beispielsweise Samstag- und Sonntagnachmittag, sollten Familien mit Kindern das Vorrecht genießen und mit Badetieren und geöffnetem Sprungturm ihren Spaß haben.

Das Experiment war kurz: "Wir haben das 14 Tage probiert. Aber es gab deutliche Kritik." Gefallen haben die neuen Regelungen eigentlich nur den sportlichen Schwimmern, während sich ältere und ruhigere Schwimmer benachteiligt fühlten, und auch die Familien waren mit der Spielzeiten-Lösung nicht glücklich, denn während sich die Kinder austoben konnten, gab es für die Eltern kaum Platz, um selbst ein paar Bahnen zu schwimmen.
Für Stephan Pröschold ist diese Entwicklung kein Problem: "Es war ein Versuch, und wenn der nicht ankommt, kann man es ja wieder bleiben lassen", sagt er. Die Diskussion habe sogar ein positives Ergebnis: "Es ist tatsächlich so, dass uns die Leute gesagt haben, sie möchten statt starrer Regelungen lieber aufeinander Rücksicht nehmen und sich arrangieren."

Die Bayerische Rundschau hat sich im Hallenbad umgehört, wie die Badegäste das Experiment und die aktuelle Situation beurteilen. Theresia Bauernfeind ist Rentnerin und kommt seit 46 Jahren regelmäßig zum Schwimmen. Über die dritte abgetrennte Bahn für Sportler hat sie sich sehr geärgert. "Wir haben uns gewehrt", erklärt sie. Das Schwimmbad sei für diese Abgrenzung zu klein. "Wenn drei Bahnen abgeteilt sind, kann man in dem restlichen Bereich nur noch sehr schlecht schwimmen." Diese Meinung vertritt auch Emma Bauer.

Die Rentnerin kommt seit 19 Jahren drei Mal in der Woche ins Kulmbacher Hallenbad. Dominik Zapf, der die Schwimmerbahnen gerne nutzt, ist anderer Meinung. Der Schüler findet mehr Platz für die Sportschwimmer sinnvoll. Zumindest wünscht er sich, bei nur einer Bahn diese etwas breiter zu machen. "Die Brustschwimmer sind meist langsamer. Und dann kommt man sich schon in die Quere."

Länger öffnen am Abend?

Nicht nur der Belegungsplan sorgte für Diskussions- und Zündstoff unter den Badegästen, sondern auch die Öffnungszeiten des Hallenbades sind ein Thema. Die Kulmbacher FDP bittet in einem Antrag an den Stadtrat darum, zu prüfen, ob die Öffnungszeiten stärker den Bedürfnissen von Berufstätigen angepasst werden können, beispielsweise durch eine Verlängerung der Öffnungszeiten am Wochenende.

Das befürwortet auch Gudrun Dunkel. Mit den jetzigen Öffnungszeiten hätten Berufstätige kaum die Möglichkeit, schwimmen zu gehen.
Kristina Nalecinski ist davon betroffen und muss deshalb meist auf das Schwimmvergnügen verzichten: "Abends nach der Arbeit ist die Zeit zu kurz", sagt die Kulmbacherin. Sie würde gerne das Frühschwimmen nutzen, doch der Zeitraum ist ihr zu begrenzt. Nur zwischen 6.30 und 8 Uhr können Frühaufsteher ihre Bahnen ziehen. Andrea Groppweiß ist dagegen mit den Öffnungszeiten des Hallenbades zufrieden. "Morgens mehr Zeit wäre schön, aber sonst ist es in Ordnung."

Morgens mehr Zeit fürs Frühschwimmen, abends länger offen für Berufstätige - diese Wünsche würde Stephan Pröschold zwar gerne erfüllen, doch in der Praxis ist das nicht machbar. "Wir müssen das Bad allen Schulen fürs Schulschwimmen zur Verfügung stellen, und um alle unterzubringen, brauchen wir alle Vormittage von Montag bis Freitag, montags sogar den ganzen Tag. Auch die Vereine müssen ihre Trainingszeiten bekommen." Längere Öffnungszeiten am Abend sind eine Kostenfrage. Samstag und Sonntag bis 20 Uhr statt bis 18 Uhr zu öffnen, würde für Personal und Energie rund 15 000 Euro kosten. "Um dieses Geld bei drei Euro Eintrittspreis wieder hereinzuwirtschaften, müssten 78 Gäste pro Abend zusätzlich kommen", sagt Pröschold und weist darauf hin, dass schon bei den aktuellen Öffnungszeiten der jährliche Zuschussbedarf für das Bad mindestens 500 000 Euro beträgt.

Öffentlicher Badebetrieb

Montag bis Freitag 6.30 bis 8 Uhr, Dienstag von 13 bis 18 Uhr, Mittwoch 14.30 bis 21 Uhr, Donnerstag 13 bis 14.30 Uhr Mutter/Kind, bis 20 Uhr alle, Freitag 13 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 9 bis 18 Uhr.