Wenn ein verdienter, langjähriger und inspirierender Dirigent wie Heimo Bierwirth nach zehn Jahren sein Abschiedskonzert gibt, dann kann das Motto nur heißen: "The best off". Das Beste aus seiner erfolgreichen Aera zu präsentieren. Eben eine fein zubereitete Mixtur aus Blasmusik, Filmmusik, Klassikern und Rock, von den Beatles bis zu John Williams und Klaus Kofler.

Und das war auch eine Hommage an den Dirigenten, "an diese wunderbare Zeit zusammen mit dem "Goldstück", wie es eine Klarinettistin treffend ausdrückte. Entsprechend gerührt zeigte sich Heimo Bierwirth am Abend in der Schulturnhalle und versprach, die Konzerttätigkeit in Thurnau nicht zu vergessen. "Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagte er, "weil mit Andreas Friesner ein kompetenter Nachfolger gefunden werden konnte".

Und das kann man nur bestätigen, denn der Neue machte mit seinem dezidierten Auftritt deutlich, dass er die großen Fußstapfen, die Bierwirth hinterlässt, ausfüllen kann. Ein fast dreistündiges Hörerlebnis goutierten die vielen Zuhörer, das erinnerungswürdig bleibt. Mit einem imponierenden, klangstarken und homogenen Ensemble, in tonaler Wucht und zarter Harmonie agierend. Das in kongenialem Verständnis Akzente setzt und sich in verschiedenen Genres zielsicher bewegt. Oft den symphomischen Charakter betonend in wunderschönen Sequenzen, die sich zeitweise wie ein Mantel der Liebe und des Friedens über das Publikum ausbreitete. Die Präsenz der Blasmusik, raffiniert arrangiert, ließ keine Wünsche offen: Mit einer Beatles-Liedfolge als Höhepunkt. Authentisch, zündende Dynamik und ebenso warmer Sound.Wie in der damaligen Zeit flogen dem scheidenden Dirigenten aus dem Orchester Kuscheltiere und Wäschestücke zu, wieder so eine Liebeserklärung. Später jubilierende Klarinetten, klangreine Trompetenstöße und purer Hörnerklang, dazu ein furioses Schlagzeug: Das 45 Interpreten umfassende Orchester wuchs über sich hinaus.

Ob bei der großartig intonierten Themamelodie "Oregon", dem schwungvollen "Second waltz" oder der monumentalen Suite "Tirol 1809". Letztere gerierte zu einem machtvollen Epos an musikalischer Ausdruckskraft und präziser Taktgenauigkeit. Damit bot das Hauptorchester einen weiteren markanten Glanzpunkt in einem Konzert, vor dessen Qualität man sich verbeugen durfte und das den Ausruf "Chapeau" zuließ.

Der neue Dirigent verbuchte ebenso publikumswirksame Auftritte. "Blood Sweat and Tears" mit den sonoren Tubatönen, den Soli auf Querflöte und Klarinette und den swingenden Rhythmen, brachte das Blut zum Pulsen ob des mitreißenden Bläserergusses. Schließlich steigerte sich das Orchester zum Finale nochmals zur Höchstform mit "Lord of the Dance", vielleicht auch beflügelt von der Positano-Reise per Flug am nächsten Tag, wo es im Rahmen der Partnerschaft als musikalischer Botschafter auftritt.

Gemeinsam mit dem Jugendorchester intonierte man noch melancholisch "Wir ruhen alle in Gottes Hand" und "Ciao, d'Amore". Dabei hielten die Musiker den liebevollen Gruß "Ciao, Heimo" aus kunstvollem Pappmaché hoch. Schöner hätte man die Zuneigung nicht ausdrücken können.

Zu Beginn des Konzerts gab ein hoffnungsvoller Nachwuchs Proben seines schon erstaunlichen Könnens. Ganz ohne Lampenfieber trat das Jugendorchester auf. Es reift heran, um später ins Hauptorchester zu wechseln. Besonders gelungen der Asia Rock "Easy Pop Suite", ein Hörgenuss. Bürgermeister Martin Bernreuther meinte, Heimo Bierwirth habe in Thurnau einen "Wahnsinnsjob"gemacht, ist der Vater des Kulturpreises des Landkreises Kulmbach, den der Musikverein Thurnau erhalten hat. Und Unternehmer und Musik-Förderer Hans Schwender schloss sich den Lobeshymnen und den vielen Geschenken an, überreichte Thurnauer Töpferkunst. Heimo Biewirth wird sein letztes Herbstkonzert unvergessen bleiben. "So viel Ehre hätte ich nicht erwartet", gestand er.