Eine Demonstration für den Frieden soll die Aktion "Lichter gegen Hass" am kommenden Sonntag werden. Einer der Initiatoren ist Stefan Ludwig, der Geschäftsführer der Evangelischen Jugend Kulmbach. Er erläutert im Interview, warum diese Aktion nötig ist.

"Lichter gegen Hass": Was muss man sich darunter genau vorstellen? Stefan Ludwig: Wir wollen gemeinsam ein Zeichen für (sozialen) Frieden setzen. Ganz konkret wollen wir mit möglichst vielen Menschen ein Licht des Friedens entzünden, das von Person zu Person weitergegeben wird. Am Ende haben wir hoffentlich mehrere hundert kleine Lichter, die als Symbol und als Zeichen für mehr Mitmenschlichkeit und Liebe angesehen werden können.

Wie kam es zu der Idee, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen? Die Tendenz, dass immer mehr Hass, Respektlosigkeit, Feindschaft und Hetze in unserer Gesellschaft Einzug halten, ist leider nicht neu. Bisher wurde das immer mehr oder weniger so hingenommen. Aber die Tatsache, dass sich immer mehr Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Hass und Hetze gegenüber anders Denkenden breit macht, hat uns zu der Einsicht gebracht, dass wir hier ein Gegenzeichen setzen müssen. Natürlich spielt der Anschlag in Halle vor wenigen Wochen auch eine nicht unerhebliche Rolle. Schnell kam dann die Idee auf, auch hier in Kulmbach ein Zeichen des Friedens, der Nächstenliebe, der gegenseitigen Achtung und der Toleranz zu setzen.

Wer ist Veranstalter? Veranstaltet wird diese Friedensaktion vom evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirk Kulmbach und dem katholischen Seelsorgebereich Kulmbach, jeweils zusammen mit den beiden Jugendverbänden, der evangelischen und der katholischen Jugend.

Jedoch verstehen wir uns als Kirche nicht als exklusive Vermittler dieser Botschaft. Vielmehr sollten sich alle anwesenden Personen als Veranstalter verstehen, die durch diese Aktion ihre Meinung und ihr Statement nach außen tragen.

Was ist geplant? Die Aktion beginnt um 17 Uhr in der Kirche "Unsere Liebe Frau". Hier wird es eine Begrüßung, eine kleine Andacht und einige persönliche Statements geben.

Anschießend bildet sich eine Menschenkette von der katholischen Stadtpfarrkirche bis hinüber zur Petrikirche. Alle Menschen werden Kerzen in der Hand haben. Schweigend wird ein kleines Kerzenlicht vom Beginn der Kette bis zum Ende der Kette weitergegeben. Die Veranstaltung wird anschließend in der Petrikirche ihren Abschluss finden.

Wer ist eingeladen, teilzunehmen? Wir wollen ausdrücklich jeden einladen, der dieses Thema für genauso wichtig hält wie wir. Wir wollen Menschen dazu einladen, sich zu beteiligen, die sich ebenfalls starkmachen wollen für eine friedliche Gesellschaft. Und für eine Gesellschaft die eben nicht geprägt ist von Hass, Angst, Hetze, Beleidigungen, Rassismus und vielem mehr. Sondern eben von Liebe, Zusammenhalt, gegenseitiger Achtung, Respekt, Toleranz und Frieden.

Wendet sich die Veranstaltung nur an evangelische und katholische Christen oder sind auch Angehörige anderer Religionen willkommen? Ich denke, das Thema unserer Veranstaltung ist kein ausschließlich christliches Thema. Nein! Es ist ein Thema, das uns alle etwas angehen sollte, ganz egal welcher Religion man zugehörig ist. Unsere oben genannten Wünsche (Liebe, Zusammenhalt, gegenseitiger Achtung, Respekt, Toleranz und Frieden) sind per se erst einmal weltliche oder universelle Themen. Daher freuen wir uns natürlich auch über eine Beteiligung von Menschen anderer Religionen. Gemeinsam wollen wir ein Zeichen für Frieden setzen, und das geht nur, wenn alle - so unterschiedlich wie wir auch sein mögen - gemeinsam Hand in Hand unsere Botschaft für Frieden in unserer Gesellschaft nach außen tragen.

Welche Hoffnungen setzen die Veranstalter in die Aktion? Können Lichterketten und Ähnliches wirklich unsere Welt verändern? Zuallererst hoffen wir, dass sich viele von unserer Aktion angesprochen fühlen. Wir hoffen, dass viele Menschen in Kulmbach ähnlich denken wie wir. Wir dürfen den Hetzern, den Hassverbreitern, den Angstmachern und Radikalisten nicht den Platz überlassen. Die Mehrheit unserer Gesellschaft steht nämlich für Frieden und Zusammenhalt. Dies gilt es, jetzt nach außen zu zeigen.

Klar: Natürlich kann eine Lichterkette die Welt nicht verändern. Aber wir haben die Möglichkeit, in unserer kleinen Region etwas zu bewegen. Auch eine Montagsdemo - die schließlich zum Ende der DDR geführt hat - begann in einem kleinen Kreis. Wir können hier und jetzt ein Zeichen setzen. Lasst uns das gemeinsam tun, und lasst uns gemeinsam zeigen, dass wir einstehen für eine friedliche, weltoffene und von Liebe geprägte Gesellschaft. Ich werde auf jeden Fall mein Licht anzünden. Ich hoffe, viele andere auch.