Das Urteil unseres Testers

Keine Überraschung: Vor allem ältere Gläubige sind beim klassischen Gottesdienst mit Abendmahl anzutreffen. Für die Jugend und junge Familien gibt es separate Angebote. Bei unserem Besuch ist Pfarrer Martin Fleischmann eingeteilt, der einen sympathischen und souveränen Auftritt hat. Hauptpfarrer Wolfgang Oertel hält zudem extra Biker- und Männergottesdienste.

Was gibt es zu kritisieren? Bis auf die etwas lange Dauer des Gottesdienstes mit 75 Minuten eigentlich nichts. Und das war der großen Zahl der Gläubigen geschuldet, die das Abendmahl in Empfang nahm.

Nachbesserungsbedarf hat dagegen die Homepage, die sich Untersteinach mit Stadtsteinach, Rugendorf und Guttenberg teilt. Wann ist wo Gottesdienst? Schwer herauszufinden. Der Internet-Auftritt ist sehr unübersichtlich und sollte überarbeitet werden. Der gedruckte Kirchenbote "Pfarrei aktuell" zeigt, wie es geht.

Angesichts der Gottesdienstzeit von 10.15 bis 11.30 Uhr bietet es sich an, danach essen zu gehen, statt selbst zu kochen. So kommt kein Stress auf.

Die Bewertungen im Einzelnen

1. Einstieg

Mit Orgelspiel und "im Namen des Vaters..." begrüßt Pfarrer Martin Fleischmann die rund 50 Gläubigen. Die Akustik im Gotteshaus ist so gut, dass er dabei auf ein Mikrofon verzichtet und dennoch perfekt zu verstehen ist. Er gibt schon in der Begrüßung vor, was an diesem Sonntag 75 Minuten im Mittelpunkt des Gottesdienstes stehen wird: das Thema Versöhnung, was später durch das Gleichnis vom verlorenen Sohn auch den Schwerpunkt der Predigt bildet.

2. Musik

Mit Heiner Beyer sitzt ein im Landkreis bekannter Organist und Chorleiter am Instrument. Er verleiht dem Gottesdienst mit seinem Spiel eine ganz besondere Note. Wo sonst kann man beim Abendmahl modernere Kirchenlieder hören, teils leicht beschwingt im Walzertakt verpackt? Ein außergewöhnlicher Aspekt, der die Zusammenkunft kurzweiliger macht und ein wenig an Kaffeehausmusik erinnert.

3. Lesungen

Die Lesung nimmt eine Lektorin vor. Sie trägt "Das Gleichnis vom verlorenen Sohn" ruhig und gut verständlich vor, verzichtet auf dramaturgische Elemente.

4. Predigt

Wie ein roter Faden zieht sich "der verlorene Sohn" durch den Gottesdienst. Pfarrer Martin Fleischmann gelingt es, die Beziehung zwischen Vater, Söhnen und Brüdern von allen Seiten zu beleuchten. In seinem sehr lebensnahen Vortrag, in dem sich jeder wiederfinden kann, zeigt er, dass es immer verschiedene Sichtweisen gibt, die die Handlung und Entscheidungen von Menschen nachvollziehbar machen. Durch seine bildreiche Sprache schafft es der Pfarrer, das Geschehen in die heutige Zeit zu übertragen. Sein fränkischer Zungenschlag verleiht der Predigt besonderen Charme. Als junger Pfarrer könnte er seine Botschaft sogar noch lockerer vermitteln. Diese Freiheit hätte er.

5. Kommunion/Abendmahl

Das Abendmahl wird ganz traditionell zelebriert. Es gibt nur wenig Besonderheiten: Statt Rotwein, der das Blut Jesu Christi verkörpert, wird Weißwein gereicht. Und der ist leider etwas warm. Die Gläubigen, die das Abendmahl empfangen, müssen nicht zwangsläufig vom Kelch trinken, sondern haben die Möglichkeit, die Hostien in den Wein zu tauchen. Aus hygienischen Gründe eine angenehme Alternative. Die Verbeugung der Herren und der Knicks der Damen als Ehrerweisung Christus zum Abschluss der Darreichung ist in anderen Gotteshäusern oftmals nicht mehr üblich, in Untersteinach dagegen eine Selbstverständlichkeit und eine sehr schöne Geste.

6. Segen

Pfarrer Fleischmann spricht den aronitischen Segen und verabschiedet die Gemeinde persönlich am Ausgang per Handschlag. Zuvor hat er die Gläubigen zum Kirchencafé eingeladen.

7. Ambiente

Der Innenraum wirkt nicht nur ob seiner Größe sehr heimelig. Die beigen Farbtöne sorgen für eine warme Atmosphäre in dem etwa 380 Gläubige fassenden Kirchenraum. Die dicken Mauern der ehemaligen Wehrkirche vermitteln schon beim Betreten ein Gefühl der Sicherheit. Die Kombination aus schlichter Ausstattung und gotischen Elementen ist etwas außergewöhnlich.

8. Kirchenbänke

Das Sitzen ist relativ angenehm. Auf allen Bänken befinden sich weiche Auflagen. Trotz der geraden Rücklehnen wird es nicht unbequem. Die Beinfreiheit ist mehr als ausreichend. Auf den Kniebänken gibt es dagegen keine Auflagen, sie dienen eher als Fußschemel. Knien musste sich im Gottesdienst ohnehin niemand. Der Blick auf den Altar und die Kanzel ist gut möglich und schafft Nähe.

9. Beleuchtung

e nach Sitzplatz sind die Lichtverhältnisse unterschiedlich. Durch die klaren Sprossenfenster dringt an vielen Stellen ausreichend Helligkeit in das Gotteshaus. Zusätzlich sorgen Lampen für eine dezente Beleuchtung. Wer sich aber an einem ungünstigen Platz gesetzt hat, der hat Schwierigkeiten, die Texte aus dem Gesangbuch einwandfrei lesen zu können.

10. Sinne Schon beim Betreten des Kirchenensembles wird man angenehm überrascht: Das ganze Gelände, auf dem sich auf engstem Raum Kirche, Friedhof, Pfarrhaus, Kantorat und Kriegerdenkmal befinden, kann man ohne Frage als Kleinod bezeichnen. Auf das Gelände gelangt man durch einen Torbogen, eine Mauer vermittelt Schutz. Die Bepflanzung im Außenbereich ist stimmig. Man findet schnell zur Ruhe. Dieses Gefühl setzt sich im Kircheninneren fort.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten.

Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.