Das Urteil unseres Testers

Ein gelungener und gut organisierter Gottesdienst in der Buchauer Pfarrkirche St. Michael. Schade daher, dass nicht einmal zehn Gläubige den Weg in den Gottesdienst gefunden haben, ein künftiger Konfirmand war darunter. Kein Wunder, dass der Autor dieser Zeilen vor der Feier von der Mesnerin angesprochen und von der Pfarrerin auch persönlich begrüßt und kurz befragt wird. Als Gast fühlt man sich in der Kirche wahrgenommen im positiven Sinn und auch willkommen. Pfarrerin Claudia Jobst, die an dem Sonntag durch zwei Gehhilfen gehandicapt ist, feiert den Gottesdienst dennoch mit ihrer Gemeinde und wird nur beim Abendmahl unterstützt.

Die Berwertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Die Begrüßung durch Pfarrerin Claudia Jobst war herzlich und einladend. Sie ging gleich zu Beginn auch auf das Thema des Gottesdiensts ein, das sich wie ein roter Faden durch die Feier zog - suchen und finden. Obwohl sie auch ohne Lautsprecher gut zu verstehen ist, steht die Pfarrerin in aller Regel vor dem Mikrofon, das gut ausgesteuert ist und alles in ausgezeichneter Weise vernehmbar macht.

2. Musik

Zunächst einmal: es gibt zwei Liederbücher für die Gemeinde. Das evangelische Gesangbuch wird durch ein buntes Heftchen mit dem Titel "Kommt, atmet auf" unterstützt. Die Orgelbegleitung war in Länge und Lautstärke angemessen - und trotz des geringen Besuchs des Gottesdiensts wurden die Gläubigen zum Mitsingen angeregt.

3. Lesungen

Die Lesung aus Lukas 15, 1 bis 7, ist gut zu vernehmen und erreicht alle Gottesdienstbesucher. Der Zuschnitt der Kirche erlaubt es, von jeder Position aus, alles gut zu hören.

4. Predigt

Pfarrerin Jobst bemüht sich, einen weiten Bogen zu spannen, ausgehend von der rhetorischen Frage, wozu man die Bibel brauche. In ihr, so die Predigt, werde anhand vieler Aussagen deutlich, dass Gott ganz anders sei als wir Menschen. Da sie sehr viel in ihrem Text unterbringen will, fehlt dem Zuhörer an manchen Stellen die Klammer, die den Zusammenhang gewährleistet. Von dem kritischen Bezug auf die Wirtschaft über den Brief von Paulus an Timotheus bis zur Aussage über Gottes Barmherzigkeit ist ein gedanklicher weiter Weg. Dies führt letztlich auch dazu, dass die Predigt sehr viel Raum im Gottesdienst einnimmt.

5. Kommunion/Abendmahl Das Abendmahl wird in klassischer Weise gefeiert. Die Gläubigen, die im Halbkreis am Altar stehen, erhalten zunächst das Brot und dürfen anschließend nacheinander aus dem Weinkelch trinken.

6. Segen

Pfarrerin Jobst erteilt den Segen in klassischer Weise. Am Ende wünscht sie den Gottesdienstbesuchern persönlich noch einen schönen Sonntag. Weil sie zu dem Zeitpunkt auf Gehhilfen angewiesen ist, verzichtet sie auf eine persönliche Verabschiedung an der Kirchentüre.

7. Ambiente

Die Kirche steht mitten im Dorf und ist gut erreichbar. Sie hat keinen allzugroßen Kirchhof, der aber auch nicht nötig ist. Es gibt zwei Eingänge, die auch offen sind und benutzt werden. Sofern die Gläubigen zu Fuß kommen, gibt es keine Probleme, wer mit dem Fahrzeug vor Ort ist, muss sich an den Straßenrand stellen, was aber auch problemlos möglich ist.

8. Kirchenbänke

Die Kirchenbänke sind alle mit weichen Kissen ausgestattet, das Sitzen ist sehr angenehm. Darüber hinaus sind an den Rückseiten Haken angebracht, an denen man einen mitgebrachten Schirm oder ähnliches aufhängen kann, ohne dass es stört. Die Kniebänke sind ungepolstert, werden aber ohnehin allenfalls zum Aufsetzen der Füße benötigt - eine ausreichende Beinfreiheit ist jedenfalls gegeben.

9. Beleuchtung

Die Kirche wirkt hell und freundlich. Die sechs Fenster in vergleichsweise geringer Höhe sorgen dafür, dass das Gotteshaus gleichmäßig mit Außenlicht versorgt ist. Dazu kommen die Lampen an den Wänden, die für zusätzliche Beleuchtung sorgen, allerdings für den Innenraum einer Kirche fast ein wenig profan wirken. Zum Gottesdienst brennen auf dem Altar sechs Kerzen, die eine festliche Stimmung schaffen.

10. Sinne

Der Innenraum der Kirche ist auf den Altar ausgerichtet, der im Mittelpunkt steht und von dem auch nichts ablenkt. Ein kleines Kirchenfester oberhalb des Kanzelaltars unterstreicht diese Wirkung allenfalls. Beeindruckend ist die dreiseitig umlaufende doppelstöckige Empore, die optisch ebenfalls auf das Zentrum des Gotteshauses hinführt. Der Taufstein nimmt sich hier ebenso zurück wie die Dreifaltigkeitsgruppe in der Mittelnische. Sehr angenehm ist die Temperatur in der Kirche: nicht zu kühl, aber auch nicht zu warm. In der Kirche nimmt man den "typischen Kirchengeruch" wahr, dennoch wirkt die Luft frisch.

Warum ein Gottesdiensttest

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten.

Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.