Dass Erzbischof Ludwig Schick ausgerechnet am Tag einer Kircheneinweihung Geburtstag hat, ist eine Sache. Doch dass der Erzbischof, der am 22. September 64 Jahre alt wird, sage und schreibe 14 Jahre älter ist als eine Kirche, bei der er das Pontifikalamt hält, ist mehr als ungewöhnlich. Die Kulmbacher St. Hedwigskirche feiert am Wochenende ihr 50. Einweihungsjubiläum.

Roswitha Jersch (64) erinnert sich noch genau daran, wie die Situation früher war. "Ich war noch in der Jugendgruppe in der Ulf, denn damals gab es noch keine katholische Kirche hier in der Siedlung. Wir sind früher immer durch die ganze Stadt bis zu Unserer Lieben Frau gelaufen", erzählt sie. Heute wohnt sie gleich gegenüber der Kirche, in dem Haus, in dem auch das Pfarrbüro untergebracht ist. Sie engagiert sich in allen Bereichen. Und sie hilft sogar als Mesnerin aus. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihres Vaters. "Als wir hier eine Kirche bekommen haben, war das wirklich etwas Besonderes", schwärmt Roswitha Jersch noch heute. Es war für sie selbstverständlich, dass sie mit Thomas Seidel an der Erstellung einer Chronik mitgewirkt hat. Denn viele erinnern sich heute nicht mehr, wie es früher war - ohne Kirche.

Die Entstehung der St. Hedwigskirche in Kulmbach hat viel mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu tun. Denn während vor dem Krieg gerade einmal 2000 Katholiken in Kulmbach heimisch waren, explodierte die Zahl durch die vielen Heimatvertriebenen aus Schlesien, Böhmen, Mähren und Jogoslawien geradezu. Vor fünfzig Jahren waren es plötzlich mehr als 7000 Katholiken. Und so kam der damalige Stadtpfarrer, Geistlicher Rat Dekan Johann Popp, auf die Idee, in der Siedlung eine zweite katholische Kirche zu bauen.


Bauverein wurde gegründet

1956 wurde der Kirchenbauverein St. Augustinus gegründet. Der erwarb ein Grundstück, allerdings ein anderes. Das wurde dann drei Jahre später gegen das Grundstück, auf dem heute die Kirche steht, eingetauscht.
Schon im Jahr 1961 entstand der westliche Anbau der Kirche. Dieser wurde von den Hünfelder Oblaten als Knabenkonvikt übernommen. Dreißig junge Männer lebten dort. Sie besuchten das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium und wollten dann Priester und Missionare werden.

1962 wurde der Kirchenneubau genehmigt - und noch im gleichen Jahr war die Grundsteinlegung. Schon von Anfang an war klar, dass die Kirche der heiligen Hedwig geweiht werden sollte. Denn die war nicht nur Landespatronin der Schlesier, sondern stammt auch aus dem Geschlecht der Grafen von Andechs-Meran - und die waren immerhin Herren der Plassenburg.


Der erste Gottesdienst

Am 5. Oktober 1962 wurde Richtfest gefeiert. Und am 13. Juli 1963 fand bereits der erste Gottesdienst in der neuen Kirche statt - mit Stadtpfarrer Johannes Krauser. Eingeweiht wurde die Kirche allerdings erst am 22. September durch Erzbischof Josef Schneider. An diesem Tag wurden auch die Reliquien in das Grab des Altars gelegt.

Dass dieser denkwürdige Tag gebührend gefeiert werden muss, darauf freut sich der amtierende Pfarrer Thomas Wagner schon sehr. Kurioserweise entspricht Wagner genau der "Zielgruppe", für die einst die Kirche gebaut worden ist. Wagners Mutter Martha kommt aus dem heute polnischen Heinrichau, sein Vater aus Weißwasser im heutigen Tschechien - aus Mährisch-Schlesien. "Das ist ein schöner Zufall", lacht der Pfarrer. Doch seine Verbundenheit zu St. Hedwig ist ohnehin groß. Schon seit 2003 ist Pfarrer Thomas Wagner in der St. Hedwigsgemeinde. Heute betreut er 2700 Katholiken weitere 1500 in Neudrossenfeld und 300 in Motschenbach.


Fassade instand gesetzt

Rechtzeitig zum Jubiläum wurde die Betonfassade der Kirche instand gesetzt. Kostenpunkt: 35 000 Euro. "Wir haben auch die Drainage neu gemacht. Aber das war erst der erste Bauabschnitt", so Wagner.

Wenn man den heutigen Pfarrer befragt, was ihm besonders an der schlichten St. Hedwigskirche gefällt, dann ist es sicherlich die strahlende Reliquie. Aber vor allem ist es die lebendige Gemeinde. "Wir haben sehr viele ehrenamtlich Tätige in vielen Bereichen. Wir haben einen Chor mit 45 Mitgliedern, sogar Evangelische singen mit. Und teils nehmen die Leute lange Anfahrtswege in Kauf", freut sich Wagner immer wieder über das rege Gemeindeleben. Es gibt eine Seniorengruppe und Besuchsdienste, eine Jugendgruppe und 35 Ministranten. Zum Jubiläum wünscht sich der Pfarrer nur viele, viele Menschen, die mit der Kirche feiern.

Das Programm

Freitag, 20. September

19.30 Uhr Spieleabend im Pfarrsaal

Samstag, 21. September
18 Uhr meditatives Abendlob als Taizé-Gebet
19 Uhr bunter Abend im Pfarrsaal mit Schülern des Musikinstitutes Pianissimo. Iris und Christian Kastner sowie Jürgen Treppner alias Viktor Bleibtreu sorgen für musikalische Umrahmung.

Sonntag, 22. September
10 Uhr Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick. Der St. Hedwig Chor und das Kronacher Kammerorchester gestalten die Messe festlich aus.
12 Uhr Das Zwölfuhrläuten aus St. Hedwig wird Bayern 1 übertragen. Mittagessen mit Musikbegleitung der Akkordeonfreunde. Überreichen und Verkauf der Geburtstagstorte zugunsten der Familienstiftung "Kinderreich" des Erzbischofs.

14 Uhr bunter Nachmittag rund ums Pfarrzentrum mit Darbietungen der Treble Tappers, der Stöpselgarde des Kulmbacher Faschings-Komitees mit Hüpfburg, Spielstraße.
18 Uhr Feierliches Vesper-Gebet mit Abt Maximilian Heim