Im Film "Amy und die Wildgänse" sind sie die heimlichen Hauptdarsteller: 16 herzallerliebste Kanadagans-Küken, denen ein 14-jähriges Mädchen als Ersatzmutter mittels Ultraleicht-Flugzeug das Fliegen beibringt. So possierlich die Vögel im Hollywoodstreifen sein mögen, so wenig beliebt machen sich die Einwanderer aus dem Norden Amerikas weitab heimatlicher Gefilde an der Kulmbacher Kieswäsch: Dutzende der Tiere haben dort das perfekte Lebensumfeld gefunden. Sehr zum Leidwesen von Besuchern sowie den Mitarbeitern des städtischen Bauhofs, die die Hinterlassenschaften entfernen müssen.

Und davon gibt es reichlich auf den Liegeflächen. "Mal abgesehen davon, dass das Wetter ohnehin nicht zu Baden einlädt: Hier würde ich mein Handtuch nicht ausbreiten." Monika Alsmann aus Bad Staffelstein sagt das mit gerümpfter Nase. Die 54-Jährige ist auf Verwandtenbesuch in Kulmbach und wollte an der Kieswäsch spazieren gehen. "Ich wäre gern am Wasser entlang gelaufen, aber das tue ich mir nicht an, über den ganzen Dreck zu steigen."

In der Tat ist es angebracht, staksend wie der Storch im Salat Meter für Meter voran zu trippeln; auch die Sandgrube mit der Kinderrutsche und dem Klettergerüst bleibt nicht verschont und wird zur Vogeltoilette.

In Sicht- und Hörweite schnattern die Verursacher auf der kleinen Insel inmitten des Sees. Zwei Kanadagänse balgen sich um ein auf der Wasseroberfläche treibendes Stück Brot. Der Rest der Sippe putzt sich das Gefieder, scharrt in der Erde oder döst in der nicht vorhandenen Mittagssonne. Gut 30 Exemplare der bundesweit größten Wildgans-Art lassen es sich gut gehen am Oberauhof.

Aus dem Zoo ins ganze Land
Als Ziervogel für Parkanlagen und Zoos war die Kanadagans vor mehr als 300 Jahren nach Europa gelangt. Über die Jahrhunderte hinweg fanden ausgebüxte Tiere zueinander, gründeten Kolonien und wurden bei uns heimisch. Die Population ist nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland in den vergangenen Jahren erheblich angewachsen. Das Federvieh mit dem markanten weißen Fleck am schwarzen Hals hat im Laufe der Zeit auch immer mehr die Scheu vor Menschen verloren. So kommt es nicht selten vor, dass die Tiere sich an Leute heranmachen, die picknicken, und um Futter betteln.

Und das Gefutterte irgendwann und überall loswerden. "Das ist in der Tat ein Riesenproblem", sagt Oberbürgermeister Henry Schramm. Zuständig für die Sauberkeit der Außenanlagen an der Kieswäsch ist der städtische Bauhof "Die Mitarbeiter machen so oft und so gründlich wie möglich sauber. Wenn aber so ein Vogelschwarm einfällt, dann steht man dem nahezu machtlos gegenüber." Ein Ausscheidungskampf also im allerwörtlichsten Sinn, der schwerlich zu gewinnen ist. "Immerhin verschonen die Vögel das Freibad", gewinnt Schramm der Federvieh-Kolonie noch etwas Positives ab.

Schonzeit verkürzt
Abhalten lassen sich die fliegenden Gäste kaum. In Städten wie Köln oder Duisburg haben die Verantwortlichen an den Uferzonen von Badeseen Zäune installiert; sie sollen den flugunfähigen Jungtieren und ihren Eltern den Weg zum Wasser versperren, um eine zu starke Verunreinigung des Wassers durch den Kot zu verhindern. Überlegt wird auch, ob gezielt die Gelege geräubert werden sollen. Und sogar die verstärkte Jagd wollen Behörden als Abwehrmaßnahme nicht länger ausschließen.

Aus dem bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten erging jüngst eine Mitteilung an die Jagdpächter, wonach es eine geänderte Schonzeit für die Kanadagans gibt. Hans-Dieter Ernst, der ein Jagdgebiet am Weißen Main betreut, zitiert aus der Mitteilung. "Demnach ist die Gans schon zum 1. August zum Abschuss freigegeben und darf bis 15. Januar bejagt werden." Er selber beobachte bisweilen bis zu 30 Exemplare der Gattung in seinem Revier. "Als Plage empfinde ich die Vögel bei mir nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Gänsescharen gerade für Landwirte den Getreideanbau nicht gerade erleichtern, weil das Saatgut weit oben auf der Speisekarte stehen dürfte."