Zum Auftakt der Pfingstferien hatten in Kauerndorf innerhalb des Ortes mehrere Autos geparkt - und dadurch ein Chaos ausgelöst. Der Verkehr kam erst ins Stocken, dann völlig zum Erliegen. Am Straßenrand versammelten sich einige Kauerndorfer, schauten dem Treiben zu und nutzten die Gelegenheit, um noch einmal auf die dringend notwendige Umgehung hinzuweisen.

Das Ereignis könnte jetzt Folgen haben. "Ja, uns ist bekannt, dass uns jetzt jemand angezeigt hat", kommentiert Reinhold Dippold aus Kauerndorf die aktuellen Ereignisse. Er betont jedoch, dass ihm die Anzeige noch nicht schriftlich vorliegt und er deshalb auch nur wenig dazu sagen kann. Doch der Kauerndorfer, der seit Jahrzehnten für eine Umgehungsstraße kämpft, stellt klar: "Das war keine Demonstration. Wenn wir eine Demonstration gewollt hätten, hätten wir die auch angemeldet. Das haben wir auch schon öfters so gemacht. Wir hatten auch keine Plakate. Keiner von uns."

Natürlich, räumt der Kauerndorfer ein, seien Bürger zusammengekommen, um zu schauen, was los ist. "Aber das kann uns keiner verbieten. Auch wenn ein Unfall ist, stehen die Kauerndorfer da am Eck", sagt Dippold, der keine Angst vor einem Nachspiel hat.

Vorwurf der Nötigung

Tatsächlich lautet die Anzeige auf Nötigung. "Aber ich weiß sowieso nicht, warum ich jemanden genötigt haben soll. Ich bin nur dagestanden. Ich habe nicht einmal geparkt", erklärt Dippold und wundert sich, dass ausgerechnet die vier Kauerndorfer, die im Presseartikel auf Nachfrage der Bayerischen Rundschau einen Kommentar zum Verkehrschaos abgegeben und bei dieser Gelegenheit noch einmal die Dringlichkeit der Umgehung bekräftigt hatten, jetzt rechtliche Folgen zu spüren bekommen sollen. "Aber wir befürchten gar nichts. Die Betreffenden werden auch sagen, warum sie dort geparkt haben", sagt Reinhold Dippold. "Aber sie müssten nicht einmal etwas zu dem Grund sagen."

Dass die Autofahrer warten mussten, bedauert Dippold. "Uns ist so etwas auch unangenehm", versichert er. Doch er macht noch einmal die Planungsdauer und die ständige Verzögerungstaktik beim Bau der Umgehung zum Thema. Derzeit fürchtet die Bürgerinitiative, dass der Bau der Umgehung in zwei Abschnitte geteilt wird - und dass Kauerndorf dann abgeschnitten ist und nie mehr eine Chance hat. Denn der geplante Tunnel ist immens teuer. "Wir haben immer mit Untersteinach Seite an Seite gekämpft. Wir möchten, dass die gesamte Maßnahme ein Projekt bleibt. Und man kann dieses Projekt, für das ohnehin acht Jahre Bauzeit veranschlagt sind, dann auch langfristig finanzieren", so Dippold.

Die Bürgerinitiative werde sicherlich in nächster Zeit mit geplanten Aktionen auf sich aufmerksam machen. Auch eine Pressekonferenz und ein Brief an das Verkehrsministerum seien vorgesehen, kündigt Dippold an und betont, dass man sich natürlich an die gesetzlichen Vorgaben halten werde.

Die Berichterstattung über die Blockade hat bei vielen Autofahrern - egal, ob sie nun betroffen waren oder nicht - Diskussionen ausgelöst. Keiner wollte so recht an einen Zufall glauben. So schrieb Susanne Engelbrecht auf der Internetseite www.infranken.de "Macht weiter". "Mezzie" kommentierte etwas schärfer: "Hoffentlich machen die Bürger weiter und lassen sich nicht entmutigen. Nur so geht's bei diesen Sturköpfen in der Politik. Für jeden Scheiss ist Geld da...".

Andere - wie "Elster" - verurteilten den Stau und die Parkenden: "Mit derartigen Blockaden lässt sich die Umgehung gewiss nicht erzwingen. Im Gegenteil. Wenn sich die Kauerndorfer mit ihren Blockaden weiterhin so derb anstellen, wird dort wohl eher eine Halteverbots-Zone eingerichtet als eine Umgehung gebaut."
Ob man nun an Zufall glaubt oder nicht - letztlich wird es auf die tatsächlichen Beweise ankommen.