Wer sich von Kulmbach auf der schmalen Landstraße nach Kasendorf bewegt, dem offenbart sich gleich am Ortseingang ein Grund, weswegen diese Kommune zu den finanzkräftigsten des Landkreises zählt: Aus dem Gewerbegebiet ragen Quader aus Glas und Stahl, verziert mit dem Schriftzug Alpha Innotec. Der Entwickler von Wärmepumpen hat jüngst erst expandiert. Der kleine Betrieb war mit einer Hand voll Angestellter gestartet, mittlerweile beschäftigt das Unternehmen allein am Hauptsitz in Kasendorf etwa 500 Frauen und Männer.

Für den Bürgermeister ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Und das den Gemeinde säckel vortrefflich füllt. "2012 war ein Jahr mit besonders hohen Gewerbesteuereinnahmen - bedingt durch die gute Konjunktur und Nachzahlungen", sagt Steinhäuser. Kasendorf gehört zu den Gemeinden, die auf gesunden Beinen stehen. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei erstaunlich niedrigen 222 Euro pro Einwohner (2516 sind es aktuell). "Auch 2013 kamen wir ohne Nettoneuverschuldung aus, und die Verbindlichkeiten konnten wir auf unter 600 000 Euro zurückführen."

Der aktuelle Vermögenshaushalt wird laut Berechnungen des Kämmerers ein Volumen von etwa 3,9 Millionen Euro aufweisen. "Das klingt zunächst gut", sagt Steinhäuser - und schiebt ein "aber" nach: "Aber zum Jahreswechsel mussten wir etwa 800 000 Euro Gewerbesteuer zurückerstatten, so dass sich die Einnahmen hier für das laufende Jahr und die zu zahlende Kreisumlage fast die Waage halten."

Millionen auf der hohen Kante

Von Kasendorfs Finanzstärke profitiert auch der Landkreis. 1,29 Millionen werden wohl 2014 fällig, 2015 könnten es sogar 1,9 Millionen sein. "Da der Gewerbesteueransatz dann erneut deutlich unter zwei Millionen liegen dürfte, werden wir sogar an unsere Reserven müssen." Insofern kann das Gemeindeoberhaupt froh sein, etwa drei Millionen Euro auf der hohen Kante zu wissen. "Uns wird ja bisweilen der Vorwurf gemacht, wir würden das Geld horten. Das Polster ist aber nötig, denn die Gewerbesteuer ist sehr volatil. Nicht dass wir noch wegen der Kreisumlage einen Kredit aufnehmen müssen."

Steinhäuser steht an der Schwelle zu seiner dritten Amtszeit ("meine letzte") zugleich vor der Herausforderung, finanzielle Großprojekte schultern zu müssen. Jüngst hat ihn Pfarrer Stefan Lipfert überrascht mit der Ankündigung, dass der Kindergarten "Arche Noah" einer Generalsanierung bedürfe. Darin untergebracht sind drei Kiga-Gruppen, eine Krippen- sowie zwei Hortgruppen. "Das wird durchaus teuer für uns", sagt Steinhäuser und zitiert Finanzminister Markus Söder: "Der hat im Bezug auf die Neuregelung des Länderfinanzausgleichs gesagt, dass es nicht sein darf, dass der Fleißige bestraft wird. Nur: Bei uns passiert das andauernd. Wegen unserer Steuerkraft bekommen wir bei der Dorferneuerung keinen Zuschuss, und bei der Kindergartensanierung rechnen wir nur mit minimaler Förderquote." Steinhäuser rechnet vor: 800 000 Euro dürfte der Kiga-Umbau kosten; damit blieben an der Gemeinde 400 000 Euro hängen. Steinhäuser weiß aber auch: "Die Sanierung ist relativ akut, es muss zügig begonnen werden." Die Auslastung des Kindergartens ist sehr gut, und gerade für junge Familien ist ein solches Angebot ein wichtiger Faktor bei der Wohnortwahl.

Wenn das Geld fließen soll - wo dann einsparen? Womöglich bleibt die Ortsumfahrung Döllnitz auf der Strecke. Mal wieder. "Da haben sich die großen Hoffnungen zerschlagen, dass der Freistaat baut." Wenn die Maßnahme für 3,4 Millionen unter kommunaler Sonderbaulast liefe, wäre die Gemeinde mit geschätzten 800 000 Euro dabei.
Wo es keinen Aufschub geben kann, ist beim Abwasser, sagt der 54-Jährige. "Größere Maßnahmen sind bereits gelaufen. Tätig werden müssen wir bei der Abwasserbeseitigung in Azendorf. Hier ist uns signalisiert worden, dass da Ertüchtigungsbedarf besteht. Dafür werden wir einen sechsstelligen Betrag aufwenden müssen."

Bliebe als Möglichkeit, die Einnahmeseite zu stärken. Aber selbst in einer so prosperierenden Gemeinde wie Kasendorf ist der Kampf um neue Gewerbegebiete ein Kampf gegen Windmühlen. "Geeignete Flächen wären vorhanden - aber die wollen die Eigentümer nicht verkaufen. Grund und Boden steht derzeit höher im Kurs als Geld." Steinhäuser habe jüngst erst mit Eigentümern über Grundstücke im Industriegebiet verhandelt. "Die Fläche könnte der Markt gut gebrauchen zur Bevorratung oder für Firmen, die sich neu ansiedeln wollen."

Quo vadis Dorfladen?

Ein weiterer neuralgischer Punkt in der kommunalen Entwicklung: ein Dorfladen. Die Infrastruktur bekümmert Steinhäuser. "In Sachen Industrie sind wir gut aufgestellt, aber das Einkaufen im Ort lässt zu wünschen übrig." An einem Lebensmittelgeschäft im kleineren Stil werde gearbeitet "Von einer Art Supermarkt brauche ich gar nicht erst anfangen." Die Kommune arbeite seit längerem mit dem Institut für Nahversorgung zusammen. "Das hat sich darauf spezialisiert, tragfähige Dorfladen-Konzepte zu entwickeln."
Das wird eine wichtige Aufgabe sein für den neuen Gemeinderat. Die Zusammenarbeit mit den Ratsmitgliedern bezeichnet der Bürgermeister als sehr gut. "Es gibt keine Fraktionen, wir können völlig frei arbeiten. Jeder kann unabhängig entscheiden, egal auf welcher Liste er steht. Wir müssen zum Glück da keinerlei Parteiproporz wahren."

"Habe länger überlegt"

Trotz des guten Arbeitsumfelds hat sich Bernd Steinhäuser länger überlegt, ob er nochmals antritt. "Da spielen ganz pragmatische Gründe eine Rolle", sagt er und zählt auf: "Eine Gemeinde im Ehrenamt zu führen, ist eine Aufgabe, die immer schwieriger und zeitintensiver geworden ist. Ich arbeite hauptberuflich als Verwaltungsbeamter bei der Stadt Bayreuth im Rechnungsprüfungsamt. Seit Beginn meiner Bürgermeistertätigkeit habe ich dort Stunden reduziert, um täglich zumindest am Nachmittag im Rathaus sein zu können. Jetzt die Gelegenheit wahrzunehmen, bei der Stadt Bayreuth beruflich nochmals einen Schritt nach vorne zu tun, wäre sicherlich eine reizvolle Option gewesen."
Als Kriterien, warum sich der 54-Jährige letztlich für das Ehrenamt und die Kandidatur entschieden hat, zählt Steinhäuser auf: "Der Umstand, dass ich keinen Gegenkandidaten habe, die gute und harmonische Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Marktgemeinderats und letztlich auch viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben meine Entscheidung dahingehend beeinflusst."


"Schwarzes Ross": Sorgenkind steht direkt vor der Rathaustür