Der Samstag vor dem zweiten Advent ist im Kalender aller Blasmusikfreunde vorgemerkt: Denn an diesem Datum lädt das Sinfonische Blasorchester Kasendorf alljährlich zum großen Galakonzert ein. Die Kasendorfer nennen es bescheiden "Herbstkonzert". Doch Outfit der Musiker und das Programm sind echte Highlights und hätten eigentlich den Begriff "Gala" verdient.

Die Kasendorfer Musiker verzichten bewusst auf ein vorweihnachtliches Programm, wollen stattdessen anspruchsvolle Musik ohne Jahreszeitenbezug bieten. In diesem Jahr haben die Musiker besonders hart geprobt. "Ja, wir haben ein bisschen öfter geprobt", sagt Dirigent Thomas Eschenbacher nach dem tosenden Schlussapplaus. Und das hatte auch seinen Grund. Vor der Turnhalle der Kasendorfer Schule stand ein weiß-blauer Übertragungswagen des Bayerischen Rundfunks. Das Studio Franken hat ein Team aus Nürnberg nach Kasendorf beschickt, um das gesamte Konzert mitzuschneiden. Alle Instrumente wurden mit Tonabnehmern versehen. Kein falscher Ton würde verborgen bleiben.

Als Auftakt hatte Dirigent Thomas Eschenbacher das wunderschöne Stück "Schloss Orth" aufgelegt. Die Komposition von Fritz Neuböck kennen nahezu alle Blasmusiker. "Schloss Orth" ist ein Werk zum Träumen. Vor den Augen der Zuhörer erscheint der legendäre "Lacus Felix" - wie der Traunsee im Salzkammergut genannt wird. Inmitten des Sees hebt sich die malerische Silhouette des Schlosses ab. Die Musiker illustrieren heitere Geschäftigkeit, doch plötzlich verfinstert sich die Stimmung. Hochwasser, ein Brand, das Seeschloss wird zerstört. Das Saxophon illustriert die Untergangsmelodie und verzaubert. Doch - wie könnte es sein - es gibt ein Happy-End. Und am Ende tanzen die Bediensteten einen mitreißenden Volkstanz. Dirigent Thomas Eschenbacher steppte vor seinen Musikern und nahm mit dieser Showeinlage dem Lampenfieber seinen Stachel.

Das wohl anspruchsvollste Werk des Abends war "Tirol 1809" von Sepp Tanzer. Das Werk bestand aus drei Teilen - dem Aufstand, dem Kampf um den Berg Isel und dem Sieg. Es knüpfte an den Aufstand der Südtiroler mit dem legendären Freiheitskämpfer Andreas Hofer an. Historisch allerdings nahm sich Sepp Tanzer viele Freiheiten. So kämpften die Südtiroler in seinem Musikstück gegen die Franzosen, nicht gegen die Bayern. Und am Ende stand ein Sieg, keine Niederlage.

Musikalisch begeisterte das äußerst diffizile Stück durch Feinheiten. So konnten Musikkenner traditionelle Alpen-Volkslieder heraushören. Die Musiker bauten Trompetensignale ein und irgendwo erklang der Choral "Wach auf, du deutsches Land". Als musikalisches Motiv tauchte die Marseilleise auf - doch am Ende siegten die Tiroler und spotteten mit einem Grandioso über die Angreifer. Besonders schön waren ein filigranes Cantabile im dritten Satz, das das Sinfonische Blasorchester geradezu lyrisch darbot.

Doch nicht nur Geschichtliches hatten die Musiker auf Lager. Mit Hoagy Carmichaels "Star Dust" und der legendären "Game-of-thrones"-Melodie eroberten die Musiker auch die Herzen der jüngeren Zuhörer. Bei "Star Dust" begeisterte Elke Höhn mit lupenreinem Sopran. Einen weiteren hörenswerten Auftritt hatte Elke Höhn bei der Zugabe "Ich gehör nur mir" aus dem Musical Elisabeth.

Gute Unterhaltung mit musikalischem Anspruch präsentierten Thomas Eschenbacher und seine begeisterten Musiker auch bei George Gershwins "Rhapsody in Blue" und bei George Gershwin in Concert. Außerdem kamen der Florentiner Marsch und John Williams "Symphonic Soundtrack" beim Publikum hervorragend an.

Nach dem offiziellen Programm tobte der Saal vor Begeisterung. Das Sinfonische Blasorchester Kasendorf verabschiedete sich "mit vollen Segeln". Noch steht der Übertragungstermin des Live-Mitschnittes auf "BR Heimat" nicht fest, voraussichtlich soll das Konzert im nächsten Frühling übertragen werden.