"Komm Kalthy - down!" Die neunjährige Laura ruft die Hündin, lässt das Tier hinlegen, geht dann an den Hindernissen vorbei und ruft den Australian Shepherd erneut zu sich. "Up Kalthy - genau, gut gemacht." Die Übung durch den Hindernisparcours ist erfolgreich gemeistert.

Die Kinder im Kasendorfer Hort können regelmäßig mit Kalthy trainieren. "Sie sollen dadurch den Umgang mit Hunden erlernen", erklärt Besitzerin Nora Hirschfelder. Sie ist auch Erzieherin im Kasendorfer Kindergarten und im Hort.

Nora Hirschfelder weiß, dass Mädchen und Jungen häufiger Opfer von Hundeattacken werden als erwachsene Menschen. Denn in vielen Fällen regen sie unbewusst den Jagdinstinkt des Hundes an, zum Beispiel durch hektische Bewegungen oder Schreien. Mit Therapiehund Kalthy soll ein ruhiger, besonnener, aber auch bestimmter Umgang mit den Vierbeinern gelernt und eingeübt werden.

Die Hort-Kinder, die an diesem Nachmittag mit Kalthy trainieren, schauen genau, welche Zeichen die Hündin sendet. "Kalthy ist durstig, sie braucht jetzt eine Pause", ist sich Natalie sicher. Stimmt. Alle gehen deshalb in den Schatten und ruhen sich aus, Kalthy bekommt eine Schüssel Wasser.

Gewittergrollen verunsichert den Hund

"Jetzt hat sie ein bisschen Angst! Was hat sie denn?", fragt ein Mädchen. Ein ganz leichtes Gewittergrollen in einiger Entfernung hat Kalthy etwas verunsichert. Würden die Kinder nicht so genau auf die Hündin achten, hätten sie das bestimmt nicht erkannt.

"Das ist eines der Ziele vom Training mit Kalthy", sagt Nora Hirschfelder. "Die Kinder sollen lernen, Hunde einzuschätzen, und sie sollen erfahren, wie man ihnen begegnen sollte und wie nicht."

Und die Mädchen und Jungen lernen auch Rücksichtnahme. Denn während der Hausaufgabenzeit schläft Kalthy, und da sind auch die Kinder ganz still und konzentriert. "Pst, Du weckst noch die Kalthy auf", ist das Einzige, was man hören kann.

Beim Training selbst lernen die Kinder, dass ein Hund nur mit klaren Ansagen und deutlichen Zeichen verstehen kann, was ein Mensch von ihm will. Und Kalthy macht bereitwillig mit. Sobald Nora Hirschfelder ihr Ok gibt, gehorcht sie den Hort-Kindern aufs Wort. Kalthy braucht keinen Rudelführer, sie hört auf Jeden.

"Kalthy und ich machen regelmäßige Fortbildungen. Es ist wichtig, dass sie gut ausgebildet ist", betont Nora Hirschfelder.

Das Australian Shepherd-Weibchen könnte sicherlich auch ohne spezielle Therapie-Erfahrung mit in den Kindergarten und in den Hort kommen. Aber so ist es eben doch etwas anderes. "Dass sie auf alle hört - vom kleinsten Kindergartenkind bis zu den Hortkindern oder auch auf Menschen mit Behinderung -, das ist schon ein Erfolg unserer Ausbildung" so Hirschfelder. Und abgesehen davon lernt Kalthy in der Ausbildung auc geduldig zu sein. Schließlich sind viele Kinder schüchtern, und nicht alle trauen sich von Anfang an, deutlich und klar mit dem Hund zu sprechen. "Bei den Kleinen stehe ich meistens dahinter und gebe Kalthy Zeichen, damit sie genau, was gemeint ist. Aber auch bei den größeren Kindern geht es nicht von heute auf morgen", so die Erzieherin.

Einige der Mädchen und Jungen sind am Anfang schon sehr schüchtern, aber jedes Kind kann spüren: Je klarer ich mich verhalte, desto genauer weiß Kalthy, was ich von ihr möchte. Ein wunderbares Erfolgserlebnis.