Auf Felbingers Anruf hin löste die Rettungsleitstelle in Bayreuth um 4.54 Uhr Alarm aus. Er war vermutlich der rettende Engel, denn die Familie hatte bereits zuvor mit lauten Klopfzeichen auf ihre Notlage aufmerksam gemacht.


"Alles war bereits verqualmt"
Für das Ehepaar Hein, dessen Sohn und die beiden Enkelkinder kam die Rettung gerade noch rechtzeitig. "Es war schon schwierig, aus dem Haus herauszukommen, weil bereits alles verqualmt war. Teilweise sind sie sogar über ein Dachfenster ins Freie gestiegen", beschreibt Gerd Felbinger die missliche Lage der Betroffenen. Der achtjährige Enkelsohn hatte im Dachgeschoss geschlafen, und selbst dorthin war der beißende Qualm bereits gedrungen.

Die Feuerwehr Kasendorf war als erste Löschgruppe am Einsatzort und nahm einen Erstangriff mit schwerem Atemschutz vor. Neben der Kasen dorfer Wehr waren auch die Aktiven aus Thurnau, Azendorf, Schirradorf, Peesten und Heubsch beteiligt, die Feuerwehr Kulmbach stand mit der Drehleiter in Wartestellung. Insgesamt waren rund 60 Rettungskräfte vor Ort. Die engen Straßenverhältnisse am Turmberg ließen aber eine Zufahrt mit den Löschfahrzeugen gar nicht zu, weshalb über die Hydranten und den "Friesenbach" eine Löschwasserversorgung aufgebaut werden musste.


Aktive an zwei Einsatzorten
Für die Feuerwehr Kasendorf war dies keine leichte Aufgabe, denn sie war bereits zum Brand in Pölz gerufen worden. Kommandant Robin Müller: "Wir fanden eine sehr starke Rauchentwicklung vor, unser erster Einsatz galt der Personenrettung. Erst dann machten wir uns an die Brandbekämpfung, und auch die war schwierig, weil die komplette Wohnung verqualmt war. Wir waren einschließlich der Brandnachschau rund vier Stunden im Einsatz."

Die Brandursache konnte gestern noch nicht ermittelt werden, zumal die Mitglieder der fünfköpfigen Familie mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen in Kliniken nach Kulmbach und Bayreuth gebracht werden mussten und nicht vernehmungsfähig waren. Etwas kritisch ist der Zustand beim 55-jährigen Hausbesitzer, der an Asthma leidet. Lediglich die Freundin des Sohnes, die allerdings im Erdgeschoß übernachtete, blieb unverletzt.

Die Kriminalpolizei Bayreuth hat das Anwesen, wie Schwager Heinz Hübner erklärte, bereits gegen Mittag des Neujahrstages wieder freigegeben. Hübner sorgte noch gestern für eine notdürftige Schließung der beschädigten Fenster. In das Haus wird die Familie aber vorerst nicht zurück können, weil die Räume alle verqualmt und zum Teil auch wegen der Löscharbeiten durchfeuchtet sind. Ob vielleicht das Fernsehgerät der Auslöser für den Brand war, ist derzeit noch eine reine Vermutung.


Wer hilft der Familie?
Gegen Mittag traf gestern auch Bürgermeister Bernd Steinhäuser ein, der mit seiner Familie auswärts an einer privaten Silvesterfeier teilgenommen hatte. Steinhäuser machte sich ein Bild vom Schadensumfang und wurde dabei auch mit der Frage konfrontiert, wo die Familie Hein vorübergehend untergebracht werden könnte, bis das Anwesen wieder nutzbar ist. "Auf die Schnelle wird es schwierig, weil die Gemeinde auch selber keine Möglichkeiten hat. Wir können nur schauen, welche leer stehenden Häuser vielleicht in Frage kämen. Es gibt zwar einige, aber die sind teilweise schon längere Zeit nicht mehr bewohnt. Wir werden sondieren, aber vielleicht kommt ja auch jemand auf uns zu, der seine Hilfe anbietet", erläuterte der Bürgermeister die Situation.

Nach Angaben der Kripo Bayreuth, die auch die weiteren Ermittlungen übernimmt, entstand ein Sachschaden von rund 70.000 Euro.