In einem Schloss zu wohnen - für so manchen ein märchenhaft schöner Gedanke, den zu realisieren man aber tief in die Tasche greifen muss. In Bayern stehen etliche herrschaftliche Anwesen zum Verkauf, so das millionenschwere Schloss über den Main bei Theres im Kreis Haßberge oder auch das kleine Jagdschlösschen in Bayreuth Aichig, das auf Immobilienseiten im Internet "schon" für 460 000 Euro angeboten wird.

Verkaufspreis: 3,3 Millionen Euro

Einen Käufer für herrschaftliche Gebäude und Anlagen zu finden, ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Das weiß auch die Diakonie Neuendettelsau, die einen riesigen Komplex mit zwölf Gebäuden und 8254 Quadratmetern Nutzfläche veräußern will: das Himmelkroner Schloss (Baujahr ab 1279), das seit 2014 samt des 22 242 Quadratmeter großen Grundstücks von einem Erfurter Immobilienbüro angepriesen wird. Für 3,29 Millionen Euro. "Wir orientieren uns bei der Bewertung an der Einschätzung durch Immobilien-Profis", sagt der Pressesprecher der Diakonie, Thomas Schaller - in dem Wissen, dass ein Käufer viel Geld in die Hand nehmen muss, um die alte Schlossanlage zu sanieren. Die, was die Arbeit mit Menschen mit Behinderung betrifft, nicht mehr die heutigen Anforderungen erfüllt. So sei das Schloss beispielsweise nicht barrierefrei, stellt Thomas Schaller fest.

Einen Käufer hat die Diakonie noch nicht an Land gezogen. Es habe aber bereits mehrere Interessenten gegeben, teilt der Pressesprecher mit. Mit einem laufen seinen Worten zufolge derzeit Gespräche.

Kein Zeitdruck

Die Zeit dränge nicht, so Schaller: "Was die Nutzung angeht, wird das Schloss noch mindestens zehn Jahre lang, eventuell länger, von Menschen mit Behinderung bewohnt werden." Erst wenn genug Ersatz-Wohnraum geschaffen worden sei, könne über andere Nutzungen nachgedacht werden. Beim Zeitplan sei die Diakonie auch nur bedingt Herr des Verfahrens, "denn wir sind davon abhängig, dass die Staatsregierung Investitionsmittel für den Dezentralisierungsprozess, bei dem uns die ,Aktion Mensch' begleitet, zur Verfügung stellt. So wie die Dinge im Moment liegen, markieren zehn Jahre eher die Untergrenze des Zeitraums, nach dem die letzten Bewohner aus dem Schloss ausziehen werden."

Weitere Standorte im Visier

Derzeit wohnen dort noch etwa 150 Menschen mit Behinderung. Es sei weiterhin das Ziel, diese in verschiedensten dezentralen Wohngruppen unterzubringen - in Orten, an denen sie am jeweiligen Gemeindeleben teil haben könnten. In Bad Berneck und Neuenmarkt gibt es bereits solche Wohngruppen. "Ein neues Haus in Wirsberg haben wir zur Förderung bei der Regierung von Oberfranken angemeldet", sagt Schaller. In der Scheffelstraße in Bayreuth habe die Diakonie ein Grundstück gekauft, auf dem ein "inklusives Wohnprojekt" verwirklicht werden solle, "also nicht nur für Menschen mit Behinderung". In Bayreuth habe man auch einen weiteren Standort im Blick.

"Bedeutendes Denkmal"

Ziel sei es, für das Schloss mittel- bis langfristig ein tragfähiges Nutzungskonzept zu finden. Mit den Interessenten würde das abgestimmt, das Schloss durch einen Verkauf nicht einfach "abgestoßen". Schaller: "Denn es ist ein bedeutendes Denkmal. Uns ist es wichtig, dass eine sinnvolle Nutzung gefunden wird."

Den Standort Himmelkron wird die Diakonie Neuendettelsau nicht aufgeben. "Wir haben vor ein paar Jahren die Fachschule für Heilerziehungspflege neu gebaut und investieren jetzt über eine Million Euro in ein neues Blockheizkraftwerk", so der Diakonie-Sprecher. Investitionen, die deutlich machten, dass die Himmelkroner Heime dem Klosterdorf auch nach dem Verkauf des Schlosses verbunden bleiben werden.

Da wünscht sich die Gemeinde

Dass eine sinnvolle Nutzung gefunden wird, wünscht sich auch die Kommune. "Wir hoffen natürlich, dass das Schloss nicht leer steht", sagt Zweiter Bürgermeister Harald Peetz (CSU). Zumal die Gemeinde im Roten- Adler-Saal künftig wieder Trauungen vornehmen wolle und auch das Stiftskirchenmuseum Teil des Schlosskomplexes ist. Peetz hofft, dass die Gemeinde in die Planungen eingebunden wird. "Das wäre aus unserer Sicht natürlich wünschenswert, weil es sich beim Schloss um ein bedeutendes Himmelkroner Baudenkmal handelt", so der Zweite Bürgermeister.