Dass man sich für die Gewächshäuser in Feulersdorf bei Wonsees als Veranstaltungsort entschieden hatte, hatte auch geographische Gründe, stoßen doch hier die vier Landkreise Kulmbach, Bayreuth, Bamberg und Lichtenfels aneinander. "Es ist ein wichtiges Zeichen, dass so viele junge Leute heute hier sind", sagte MdB Emmi Zeulner zur Begrüßung, schließlich stehe man im Mai vor einer historischen Europawahl. Dass insbesondere die jungen Leute bei dieser Wahl so essentiell seien, sehe man am Brexit. "Ganz wenig junge Leute sind in Großbritannien zum Referendum gegangen, das darf uns im Rest Europas nicht passieren."

Nur gemeinsam könne man gute Rahmenbedingungen für Leben und Arbeiten in der Heimat schaffen, so die Spitzenkandidatin der JU-Oberfranken, Nicole Kaiser. Sie nimmt Platz 17 auf der CSU-Liste ein, stammt selbst aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. "Wir haben hier schon super Chancen und Arbeitsplätze, müssen aber den ländlichen Raum weiter entwickeln", sagte sie.

Zur Unterstützung hatte sie MdEP Monika Hohlmeier nach Feulersdorf eingeladen, die aus dem Europaparlament berichtete und den jungen Leuten Rede und Antwort stand. "Ihr jungen Leute seid die Zukunft des ländlichen Raums, und wir als Abgeordnete wollen die Förderung des ländlichen Raums stärken." Dies gelte für Breitbandausbau und wirtschaftliche Förderung, insbesondere auch für die Landwirtschaft.

Das ist Kommunismus

Auch die traditionellen landwirtschaftlichen Betriebe hätten sich weiter entwickelt, spielte sie auf das Volksbegehren Artenvielfalt an. "Keiner düngt doch aus Spaß und Freude, sondern wenn es nötig ist", sagte sie. Die Leute, die für das Volksbegehren gestimmt hätten, seien in dem Glauben gelassen worden, Gutes zu tun. "Die Vorschrift mit 30 Prozent Bioanteil in der Landwirtschaft ist toll, aber dann sind wir doch im Kommunismus", sagte die Europaabgeordnete. Sie bezweifelt, dass der Verbraucher diese Menge an Bioprodukten auch abnimmt. "Am Ende brauchen wir ‚Uploadfilter‘ für die Einkaufskörbe um festzustellen, ob auf Verbraucherseite die 30 Prozent Bio-Anteil auch eingehalten werden." Sie setze auf regional Erwirtschaftetes, um Transportwege zu beschränken und den EU-Binnenraum zu stärken.

Stefan Scherzer vom Gewächshaus Scherzer & Boss beklagte, dass nur große Betriebe von der EU gefördert würden, die über Erzeugerorganisationen arbeiten. "Die kleinen Betriebe, die Hofläden und Selbstvermarkter haben den gleichen Anspruch und brauchen die gleichen Rahmenbedingungen", forderte er. Diese hätten aber keinen Zugriff auf die Investitionen, dadurch würde der Wettbewerb verzerrt. Monika Hohlmeier bestätigte, dass dieser Blickwinkel bislang nicht eingeflossen und eine Gesetzesänderung nötig sei.

Ein Komplett-Widerspruch

Auf die neue Düngeverordnung machte Manuel Fassold, Landwirt im Landkreis Kulmbach, im Podiumsgespräch aufmerksam. Die Krux hierbei: Es gibt eine Düngeverordnung für ganz Deutschland, unabhängig von den lokalen Gegebenheiten wie Wetter, Anbaumethode, Bodenbeschaffenheit. "Es wird auch eine bodennahe Ausbringung von Düngemitteln gefordert, die super auf riesigen Feldflächen funktioniert", so Monika Hohlmeier. Solch große Feldflächen gebe es aber nicht überall in Deutschland, dafür müssten die Bauern viele Blühwiesen und Hecken einebnen. "Das ist doch ein Komplett-Widerspruch", sagte sie. Sie forderte daher eine regionale Düngeverordnung. Auch brauche es mehr Zeit für deren Umsetzung.

Einen Bürokratiewahnsinn der ganz anderen Art beklagte Max Raimund. "Das Ehrenamt leidet unter den vielen Verordnungen, es ist schwer, noch Veranstaltungen auf die Beine zu stellen." Viele würden davor zurückschrecken, Verantwortung zu übernehmen.

In einem Positionspapier zur Stärkung des ländlichen Raums fassten die Vertreter der Jungen Union ihre Forderungen gleich vor Ort zusammen. Darunter finden sich "Ausnahmen für Vorgaben bei kleinen Veranstaltungen", die "Verankerung der Landwirtschaft in der Bildung", "mehr Austausch zwischen Stadt und Land", "Mobilität, Infrastrukturausbau zur Verknüpfung der Städte mit dem ländlichen Raum" und Dezentralisierung durch Behördenverlagerungen. Unterm Strich waren sich alle Anwesenden am Ende einig: Viele junge Menschen sollen am 26. Mai zur Wahl gehen und das Feld nicht den Populisten überlassen.