War das ein schöner Nachmittag! Wie neugeboren, beschwingt, walzerselig trat man den Nachhauseweg in die hereinbrechende Nacht an. Kulmbach hatte sein Konzert erlebnis. Mit einem prächtig aufspielenden Salonorchester der Rundfunksinfonie Prag, den Solisten und der Ballettgruppe.

Bunt, schillernd, überbordende Farbenpoesie und eine tollen Choreografie, die zwei Stunden flogen wie im Rausch dahin. Die große Johann-Strauß- Gala in der Dr.-Stammberger-Halle erfüllte alle Erwartungen. Da führte Konzertmeister Wenzel Plasil elegant und mit Wiener Charme den Taktstock, gab Kostproben seines unbestrittenen Könnens, erwies sich gleichermaßen als Hexenmeister, Zauberer an seinem Instrument. Perlende Läufe, extrem schnelle Bogenstriche und hauchzarte , ganz leise verströmende Töne machten fast trunken. Pizzikati ließen schmeicheln. Das Salonorchester breitete all die bekannten Melodien des Walzerkönigs wie einen Geschenkkorb aus, die weltbekannten Melodien aus den Operetten "Fledermaus", "Der Zigeunerbaron" oder "Eine Nacht in Venedig" verwöhnten das Ohr.

Und dann drei Solisten, die allein das Eintrittsgeld wert waren. Ginger McFerrin (Sopran), Leanan de Montiel (Sopran) und Vittorio Savary (Tenor) schmückten die Faszination des Gesangs blendend aus, überzeugten toujours. Die Tremoli und die Kolorierung der Montiel fanden ihre Grenzen erst weit hinten am Horizont, sie war eine Temperamentbündel voller stimmlicher und mimischer Explosivität. Mc Ferrin präsentierte sich in glockenhellem Glanz mit frappierender Reinheit, selbst extreme Passagen gelangen ihr federleicht, während Savary sonor und seidenweich die Herzen betörte. Im Duett mit McFerrin schaffte er einen echten Höhepunkt, die Liebe war hier nahezu körperlich greifbar, sprang ins Publikum über.

Augenweide und Elastizität gleichermaßen das Johann-Strauß-Ballett, das sich aus Tänzerinnen und Tänzern der Prager Oper zusammensetzt. Fluoriszierendes Licht in der abgedunkelten Halle schuf schließlich ein betörendes Bild, die Körper wirkten ungemein ästethisch, Bewegungen in fließender Exaktheit und Übereinstimmung. Mit Pirouetten, keckem Tanz, Kostümträume eingeschlossen. "Dunkelrote Rosen, schenk ich dir schöne Frau", hallte es zum Schluss durch den Saal, die Künstler prosteten denen unten zu, die Kulmbacher wiegten sich endlich, klatschten mit. Franken brauchen halt länger, selbst wenn Spitzenkräfte am Werk sind. Einziger Wermutstropfen in einem schmackhaften Cocktail: Die Gala hätte mehr Besucher verdient.