Georg Lohmeier hätte seine Freude gehabt. Eine Verhandlung, wie gemacht für den Erfinder der ZDF-Kultserie "Königlich Bayerisches Amtsgericht", spielte gestern vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth. Zu klären war die Frage, ob sich ein Mitarbeiter des Jobcenters Kulmbach über einen hiesigen Rechtsanwalt in ehrverletzender Weise geäußert hat oder nicht. Dabei sollen die Worte gefallen sein, dass der Anwalt "nicht einer der Schnellsten" und ein "Schlafbein" sei.

Mit seiner Unterlassungs klage wollte der Jurist erreichen, dass solche Äußerungen künftig unterbleiben. Drei Berufsrichter, zwei ehrenamtliche Richter, der Kläger, der Bevollmächtigte des Jobcenters, Rechtsanwalt Peter Reinel aus Kulmbach, zwei Zeugen und eine Protokollführerin (der Zeitungsreporter gar nicht gerechnet) beschäftigten sich über eineinhalb Stunden mit der Sache, um am Schluss festzustellen, dass die ganze Klage für die Katz' war.

Despektierliches im Dialekt

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben einer Zeugin bereits im Januar. Die Frau, die von besagtem Rechtsanwalt als Insolvenztreuhänder betreut wurde, hatte einen Termin beim Jobcenter. Am Ende des Gesprächs habe sie den Sachbearbeiter gebeten, er solle sich zur Klärung eines steuerlichen Sachverhalts an ihren Insolvenztreuhänder wenden. Darauf habe sich der Mann zu dem despektier lichen Satz hinreißen lassen - und zwar im Dialekt. Also: "Schlofbaa"!

Allgemeines Kopfschütteln im Gerichtssaal. Keinem der Anwesenden war der Ausdruck geläufig. "Schlofkappn" ja - aber "Schlofbaa"? Auf Nach frage des Gerichts versicherte die in Hof geborene Zeugin, dass der Begriff in Hof und auch in Kulmbach gebräuchlich sei. "Das ist einer, der nicht in die Gänge kommt", erklärte die 43-Jährige: "Warum sollte ich mir so was aus den Fingern saugen?"

Nachdem die Frau seinerzeit den Kläger informiert hatte, wie man beim Jobcenter über ihn denkt, beschwerte sich der Anwalt beim Chef des Sachbearbeiters - fand aber kein Gehör. Im Gegenteil, beim Jobcenter drohte man, gegen die Zeugin Strafanzeige zu stellen. "Dann ist die Sache eskaliert", sagte der Kläger. "Wenn man sich bei mir entschuldigt hätte, wäre die Sache erledigt gewesen."

"Nicht mein Wortschatz"

So landete die Klage auf dem Tisch der 3. Kammer, die selbstredend noch einen zweiten Zeugen geladen hatte: den damaligen Mitarbeiter des Jobcenters. Vorsitzender Richter Bernd Stammberger wollte von dem vermeint lichen Sprücheklopfer wissen, ob er eine solche Äußerung gemacht hat. "Nein", war die klare Antwort des 60-Jährigen. "Das Wort Schlofbaa ist nicht Teil meines Wortschatzes und wird es auch nicht werden", sagte der Mann aus dem Landkreis Kulmbach in astreinem Hochdeutsch. Er kenne den Anwalt persönlich gar nicht, und es sei auch nicht seine Art, sich als Mitarbeiter einer Behörde derart emotional zu äußern. "In meiner ganzen beruf lichen Tätigkeit habe ich nie eine Strafanzeige oder eine schrift liche Beschwerde bekommen." Für die Aussage der Frau habe er keine Erklärung, so der Zeuge.

Nun stand zwar Aussage gegen Aussage, aber mit seinem Hinweis, dass er seit ein paar Wochen selbst arbeitslos ist, gab der Ex-Sachbearbeiter des Jobcenters dem Verfahren eine unerwartete Wendung. Die Klage gegen das Jobcenter sei damit eigentlich hinfällig, meinte der Vorsitzende. Denn: "Der Mann arbeitet nicht mehr dort, und bei einer Unterlassung kommt es auf eine Wiederholungsgefahr an."

Aufgrund der veränderten Sachlage erklärte der Kläger den Rechtsstreit für erledigt, und die Kammer stellte das Verfahren ein. Doch der "Schlofbaa"-Streit schwelt weiter. Fortsetzung folgt - vor dem Demokratisch-Bayerischen Landgericht, wo der Rechtsanwalt Schadensersatz eingeklagt hat.