"Ist ein Hinweisschild mit schuld am Tode meines langjährigen Freundes und Schulkollegen?" Diese Frage hat sich Konrad Mündel immer und immer wieder gestellt seit dem schrecklichen Unfall am 14. August. An diesem Tag starb ein langjähriger Bekannter des 75-Jährigen bei dem Unfall auf der Bundesstraße 289 bei Mannsflur.
Hat das Schild bei der Abzweigung die Sicht behindert? Wäre der tödliche Zusammenstoß vermeidbar gewesen? Mündel weiß es nicht. Aber er hat Zweifel.

Sein Freund war in den Abendstunden des 14. August von der Mannsflurer Guttenbergstraße in die Bundesstraße eingebogen und hatte dabei einen aus Marktleugast kommenden und vorfahrtsberechtigten Wagen übersehen. Der knallte frontal in die Fahrerseite, der Freund von Konrad Mündel starb noch an der Unfallstelle.

Die Gedanken des 75-Jährigen kreisen seitdem oft um die Tragödie. "Wir haben uns lange gekannt, sind zusammen in die Schule in Marktleugast gegangen." Auch als beide in der Berufswelt Fuß fassten, Familien gründeten, riss der Kontakt nie ab. "Zuletzt getroffen haben wir uns beim Josefskonzert des Musikvereins Marktleugast am 23. März. Da haben wir gemeinsam am Tisch gesessen und sogar noch ein Glas Sekt auf die Gesundheit getrunken", erinnert sich Konrad Mündel noch ganz genau.

Zum Geburtstag noch telefoniert

Und auch an seinem Geburtstag am 5. August habe ihn sein Freund noch angerufen, um zu gratulieren, erzählt Mündel. Nicht einmal zehn Tage später geschah der Unfall. "So schnell kann jemand weg sein." Mündel schüttelt den Kopf, kämpft beim Erzählen mit den Tränen.

Am Unglückstag arbeitete der 75-Jährige, der inzwischen in Kulmbach wohnt, in einem Waldstück bei Marktleugast, das er von seinen Eltern geerbt hat. "Ich habe die Sirenen gehört und zuerst an einen Waldbrand gedacht." Bei seiner Rückfahrt auf dem Hohenberger Weg habe er einen Bekannten getroffen, der ihm von dem Unfall erzählte und ihm den Tipp gab, die Unglücksstelle zu umfahren. Da ahnte er freilich noch nicht, dass sein Freund dort sein Leben verloren hatte.

Erst am nächsten Tag erfuhr er durch einen Anruf seiner Schwester, die noch in Marktleugast wohnt, um wen es sich beim Opfer handelte. Sein erster Gedanke galt dem Warum: "Du hast doch dort gewohnt und bist tausend Mal dort rausgefahren. Wieso hast du nicht geschaut?"

Als Mündel nach der Beerdigung ehemalige Mitschüler nach Hause fuhr, kam er auch zur Unglücksstelle. "Und da ist mir aufgefallen, dass durch die Schilder die Sicht eingeschränkt ist."

Ein Schild in Pfeilform weist auf den Ort Mannsflur hin, ein weiteres auf den Bauhof der Gemeinde und ein kleines rechteckiges auf eine Werkstatt.Vor allem Letzteres ist Mündel ein Dorn im Auge: "Die Sicht auf die B 289 ist durch das irrsinnig angebrachte Schild fast unmöglich. Wer hat die Genehmigung erteilt?", fragt er sich nun. Und: "Vielleicht wäre das Unglück nicht passiert, wenn es einfach an das andere Standbein montiert worden wäre?"

Sicht unter den Wegweisern frei

Der Standort für das Hinweisschild auf die Werkstatt soll unverzüglich geändert werden, erklärte am Donnerstag der Leiter des Straßenbauamts Bayreuth, Kurt Schnabel, nachdem sich Mitarbeiter der Behörde an der Unglücksstelle selbst ein Bild gemacht haben. Die Änderung habe zweifelsohne den Vorteil, dass für Fahrzeuglenker in normalen Personenkraftwagen bei der Annäherung an die Bundesstraße eine teilweise Sicht unter den Pfeilwegweisern hindurch ermöglicht werde.

Kurt Schnabel weist darauf hin, dass die Kfz-Werkstatt die Anbringung des Hinweisschildes 2004 beantragt und das Straßenbauamt Bayreuth unter der Maßgabe zugestimmt habe, dass ein neutraler Hinweis (Piktogramm) erfolgt.
Mit Blick auf die Sichtverhältnisse habe die Überprüfung ergeben, dass für den wartepflichtigen Verkehrsteilnehmer aus Mannsflur eine ausreichende Anfahrsicht vorhanden ist. "Dabei ist es ohne Bedeutung, ob sich der Verkehrsteilnehmer am eigentlichen Fahrbahnrand der B 289 oder an der dort befindlichen Pflasterrinne orientiert."

Auch sei der vorgeschriebene Abstand der Schilder zur Bundesstraße eingehalten, betont der Behördenleiter weiter. Entsprechend der "Richtlinie für die Anlage von Straßen "dürfen Schilder maximal 50 Zentimeter an den Verkehrsraum beziehungsweise den Fahrbahnrand heranreichen. Außerhalb geschlossener Ortschaften gelte ein Regelmaß von 1,5 Meter.

Kein Unfallschwerpunkt

Ein Unfallschwerpunkt ist dort nicht zu erkennen: In der Unfalldatenbank des Bauamts ist zwischen Januar 2000 und 31. Juli 2013 nur ein Unfall verzeichnet. Im Januar 2012 war ein Fahrer bei winterlichen Verhältnissen von der Straße abgekommen.

Für Konrad Mündel ein schwacher Trost.