Mit glänzenden Augen erklärt Amir Hossein Zafari seine Erfindung - ein Fahrrad mit motorisiertem Antrieb. Er hat es selbst gebaut. Und auch alle Materialien und Werkzeuge dafür gekauft. "Eine Woche habe ich für den Bau gebraucht", sagt Amir Hossein Zafari stolz. Seinen Stolz über das Projekt merkt man ihm an. Er erklärt geduldig, wie das Gefährt funktioniert. Und berichtet voller Freude von seiner Testfahrt, die er auf seinem Wohngelände damit schon gemacht hat.

"Ich habe bei meinem motorisierten Fahrrad die Vorderradbremse umfunktioniert. Wenn man diese nun betätigt, fährt man mit Hilfe des angebauten Rasenmähermotors, der auf dem Gepäckträger montiert ist", erklärt Amir Hossein Zafari. Eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h kann er so erreichen. "Das Fahrrad kann aber auch im klassischen Sinn genutzt werden. Lässt man die Vorderradbremse los, kann man selbstständig in die Pedale treten und normal Fahrradfahren."

Um damit in Kulmbach durch die Stadt fahren zu können, bräuchte er die Betriebserlaubnis einer Zulassungsbehörde, wie der Tüv Süd auf Nachfrage mitteilt. "Bei Einzelfahrzeugen sind die Technischen Prüfstellen wie Tüv verantwortlich festzustellen, dass das Fahrzeug den Vorschriften entspricht. Bei Vorlage eines positiven Gutachtens zur Betriebserlaubnis erteilt die Zulassungsbehörde die Einzelbetriebserlaubnis", sagt Vincenzo Luca vom Tüv.

"Je nach Leistung und Geschwindigkeit des Fahrzeugs sind dementsprechend die Erfüllung der Vorschriften der europäischen Richtlinien nachzuweisen. Zusätzlich noch die nationalen Vorschriften der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung und Straßenverkehrs-Ordnung. So müssen zum Beispiel Prüfungen zu den Emissionen des Fahrzeugs durchgeführt werden", erklärt Vincenzo Luca.

Im Iran wäre dieser Aufwand wahrscheinlich nicht nötig. Da würde sich Amir Hossein Zafari einfach auf sein Gefährt setzen und los fahren. Ein solcher bürokratischer Aufwand erscheint ihm auf den ersten Blick unverständlich. Ist ja ein tolles Ding, das er da gebaut hat und hilfreich noch dazu, wenn man sich schnell von einem Ort zum nächsten möchte.

Amir Hossein Zafari möchte noch weitere Ideen umsetzen, aber dazu fehlen ihm die Möglichkeiten: "Ich würde so gerne hier arbeiten, darf es aber nicht." Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Bayreuth hat ihm bislang noch keine Arbeitserlaubnis erteilt. Auf Nachfrage beim BAMF erhalten wir leider keine Antwort. "Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen wir keine Auskunft über Einzelfälle geben", teilte eine Sprecherin mit.

Der 32-jährige Amir Hossein Zafari hat im Iran Bauingenieur studiert und seinen Abschluss dort gemacht. Weil er Christ ist, möchte er lieber in einem westlichen Land leben. Seit zwei Jahren ist er nun in Deutschland, hat die Sprache gelernt und sich integriert. Er ist eher zurückhaltend, blüht aber auf, wenn er über seine Erfindungen und Ideen spricht.

"Ich möchte wieder in meinem Job arbeiten und dort eine Ausbildung machen. Es sind Stellen frei und ich könnte eine besetzen." Ein Praktikum bei einer Bayreuther Baufirma hat er schon absolviert. Diese würden ihm auch einen Ausbildungsplatz anbieten, aber er musste absagen, weil er keine Arbeitserlaubnis hat.

Gabi Höllein unterrichtet ehrenamtlich Deutsch und unterstützt viele Flüchtlinge und Migranten, so auch diese beiden. "Den Behörden ist es wichtig, dass man viel Deutsch lernt, bevor man zu arbeiten beginnt. Aber Amir hat viel gelernt", sagt die Kulmbacherin.

"Ich möchte dem Land, in dem ich jetzt lebe, etwas zurückgeben und unbedingt hier arbeiten. Das ist mir sehr wichtig", sagt Amir Hossein Zafari. Ein solides Leben mit einem geregelten Einkommen ist das, was er möchte. Und das passt auch zu diesem Mann.

Abdolahad Pakbaz hingegen hat eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Der 31-Jährige darf hier in Deutschland bleiben. Auch er ist voller Tatendrang und hat viele Ideen und Erfindungen.

Abdolahad Pakbaz ist Tüfftler und Erfinder. Über 15 Auszeichnungen hat er sowohl im Iran als auch international schon für seine Ideen erhalten. Er ist spezialisiert auf Robotertechnik und Flugobjekte und hat bei seiner neuesten Erfindung einen Handykopter gebaut, wie er das Gerät selber nennt. Für ihn nichts außergewöhnliches. Es wirkt eher so, als wäre es normal, dass er so ein Gerät entwickelt und gebaut hat.

"Es ist ein kleines Flugobjekt, mit dem man ein Handy in die Lüfte steigen lassen kann. Es eignet sich sehr gut, um ein Selfie zu machen", erklärt Abdolahad Pakbaz seinen Handykopter. Er möchte ihn gerne patentieren lassen. Dazu fehlt ihm aber das nötige Geld.

Im Iran hat er bereits ein kleines Flugzeug gebaut, welches dort auch patentiert ist. Nun möchte er auch hier in Deutschland ein Flugzeug bauen. Ein Löschflugzeug soll es sein, mit dem man Brände in hohen Gebäuden löschen kann, wenn die Drehleiter nicht mehr ausreicht. Am Computer hat er schon ein virtuelles Modell seines Löschflugzeuges in aufwendigen Simulationen gebaut.

Um seine Leidenschaft zu vertiefen, würde er gerne eine Ausbildung bei Airbus machen, um dort auch weiter an seinen Ideen arbeiten zu können. Im Iran hat er seinen Bachelor als Bauingenieur gemacht. Nach Problemen dort, möchte er als Christ nun hier in Deutschland leben.

In Kulmbach kann er seinen Traum allerdings nicht verwirklichen. Er müsste also umziehen. Das ist allerdings nicht so einfach. "Ob Freizügigkeit in der gesamten Bundesrepublik besteht oder nicht, hängt davon ab, ob räumliche Beschränkungen des Aufenthalts und/oder Wohnsitznahmeverpflichtungen bestehen. Letzteres ist vom Einzelfall abhängig", sagt Jakob Daubner, Pressesprecher der Regierung Oberfranken.

In den beiden Männern steckt viel Erfindergeist und Potenzial. Sie möchten arbeiten und eine Ausbildung machen. Deutschland ist die neue Heimat der beiden, die hier ihren Tatendrang einsetzen wollen.