Sie verbindet die Lust am Fabulieren und Reimen, und sie denken mit Witz und Freude um die Ecke: 27 Frauen und Männer haben sich an der Neuauflage des Dichterwettstreits beteiligt, den Focus Europa und das evangelische Kulturhaus in Zusammenarbeit mit dem Kulmbacher Literaturverein ausgeschrieben haben.
Das vorgegebene Thema "Räumungsverkauf" wirkt auf den ersten Blick ein wenig sperrig, doch genau darin liegt für Organisatorin Jutta Lange der besondere Reiz. "Wir wollten die Fantasie der Teilnehmer wach kitzeln", sagte sie bei der Preisverleihung am Montagabend im Café Clatsch.

An originellen Ideen mangelte es den Teilnehmern nicht, und viele nutzten gerne die Gelegenheit, einem aufmerksamen Publikum ihre Geschichten und Gedichte vorzutragen - ganz unabhängig davon, ob sie mit einem Preis rechneten oder nicht. Denn bis zum Schluss wusste keiner der Autoren, wer denn das Rennen um die drei Hauptpreise gemacht hatte.

Umso mehr freute sich Christine Ponnath aus Bayreuth über ihren Sieg, der nicht nur mit einer Urkunde und einem Geldpreis, sondern auch mit einer sehr originellen Trophäe belohnt wurde. Jutta Lange beschenkte sie mit einem selbst getöpferten, bunt bemalten Schuh.

Die 51-jährige Sozialpädagogin schreibt Tagebücher und Geschichten, "seit ich denken kann". Aus der Zeitung habe sie von dem Wettbewerb erfahren, einen Tag vor ihrer Abreise in den Kroatien-Urlaub. "Das Thema hat mich dauernd beschäftigt, und dann habe ich halt angefangen zu schreiben." Damit der Text rechtzeitig zur Jury kam, diktierte Ponnath ihn per Telefon ihrer Tochter.

Die Autorin haucht in ihrer Geschichte einem bescheidenen Perlmuttknopf Leben und Seele ein, verknüpft Situationskomik mit zarter Poesie. Der Beifall des Publikums zeigt: Die Jury hat eine gute Wahl getroffen.
Das gilt auch für die Zweitplatzierte: Birgit Hächl aus Thurnau überrascht die Zuhörer mit einem Gedicht, in dem sie das Wort "Räumungsverkauf" buchstabenweise seziert und das Ganze mit einer lustigen Pointe krönt.

Mit kritischem Blick

An des Wortes reiner Bedeutung bleiben die wenigsten Teilnehmer des Wettbewerbs kleben. Sie erforschen Ursache und Wirkung, Sinn und Unsinn unseres Tuns, und dabei spielen ethische Werte eine zentrale Rolle. Schnäppchen jagen ist Deutschlands Volkssport Nummer eins. Jürgen Dudzig sieht darin einen gefährlichen Mechanismus - denn wer nur Rabattschlachten zum Einkaufen nutzt, macht letztlich jedes Geschäft kaputt.

Warten wir alle wie die Aasgeier darauf, dass Läden die Luft ausgeht, und die Waren dann verschleudert werden müssen? Ines Vogt beschäftigt diese Frage ebenfalls, und Sigi Hirsch hält mit kritischem Blick fest: Wir haben alle mehr als wir brauchen, und vieles braucht kein Mensch - noch nicht einmal im Räumungsverkauf. Dem Räumungsverkauf im Kaufhaus der guten Sitten widmet sich Friederike Köstner und hält mit dem alternativen Tante-Emma-Laden der ethischen Werte ein Fünkchen Optimismus wach.