Vor fünf Jahren hat Lena Marie Hentschel ihren ersten Sohn bekommen. Da war das Wickeln mit Stoffwindeln noch kein Thema für sie: "Meine Hebamme hat mir zwar davon erzählt, aber es hat mich nicht sehr interessiert. Ich habe normale Einweg-Windeln benutzt."

Bei ihrem zweiten Sohn sah das Ganze dann schon etwas anders aus. "Er hat starken Ausschlag von den herkömmlichen Windeln bekommen. Dann erst habe ich mich richtig mit dem Thema auseinandergesetzt", erzählt die 28-Jährige.

"Ich habe mich mal informiert, was in den herkömmlichen Windeln so drin ist, und ich war wirklich schockiert. Die stecken voller Chemie", sagt Lena Hentschel. Plastik, Lotion und Chemie - das sind die schlechten Seiten einer herkömmlichen Windel, die viele Kinder oftmals nicht vertragen.

Aber was ist die Alternative dazu? "Ich habe mich im Internet schlau gemacht und bin auf die Stoffwindeln gekommen, die mir ja meine Hebamme schon empfohlen hat. Die sind hautverträglicher für Babys."

Nach langer Recherche hat sie sich dann eine Erstausstattung bestellt und begann damit, ihren Sohn zu wickeln. Es folgte aber eine Enttäuschung: "Ich bin damit einfach nicht klar gekommen. Ich wusste nicht so wirklich, wie ich mit dem System umgehen soll."

Mittlerweile sind ihre Söhne beide trocken, doch Lena Marie Hentschel ließ das Thema Stoffwindeln aber nicht los. "Ich hätte mir damals jemanden gewünscht, der mir zur Seite gestanden und mir erklärt hätte, wie das Ganze richtig funktioniert. Denn dass es funktioniert, das weiß ich", sagt Lena Marie Hentschel.

"Ich habe dann eine Ausbildung zur Stoffwindelberaterin gemacht, um anderen Frauen zu helfen, damit es ihnen nicht so geht, wie mir", erklärt Lena Marie Hentschel. Denn neben dem Aspekt der besseren Verträglichkeit für die Babys trägt das Benutzen von Stoffwindeln auch dem Umweltschutz bei.

"Um die 4000 Windeln benötigt ein Kind ungefähr, bis es trocken ist. Das entspricht über einer Tonne Müll, die durch Einweg-Windeln produziert wird, und macht circa zehn Prozent des Restmülls aus", erklärt Detlef Zenk, Abfallberater im Landkreis Kulmbach.

Durch den Umstieg auf Stoffwindeln wird weniger Müll produziert. Die müssen allerdings gewaschen werden. "Das sind auch die größten Bedenken, mit denen interessierte Eltern zu mir kommen. Dabei muss man beim Waschen gar nicht auf so vieles achten", erklärt Lena Marie Hentschel.

Die Einlagen können bei 60 Grad gewaschen werden. Die Überhose bei 30 oder 40 Grad. Sogar in den Trockner kann man die Einlagen stecken. Zudem böten die unterschiedlichen Stoffwindelsysteme für jeden eine passende Option, ist Lena Marie Hentschel überzeugt.

Die große Auswahl überfordert manche im ersten Moment möglicherweise. Es gibt Systeme, die man als Ganzes in die Waschmaschine stecken kann, klassische Mullwindeln oder Kombinationen mit Einlage und Überhöschen. "Da ist es gut, wenn man jemanden hat, der einem die verschiedenen Möglichkeiten erklärt und bei Problemen beratend zur Seite steht", erklärt Lena Marie Hentschel ihre Arbeit.

Durch die unterschiedlichen Systeme und die große Auswahl ergibt sich auch eine breite Preisspanne. "Man kann sowohl eine Erstausstattung für 200 Euro als auch eine für 500 Euro erhalten. Je nachdem, was man möchte", sagt Lena Marie Hentschel.

Das klingt nach viel Geld, dass man auf einmal ausgeben muss. "Mit dieser Erstausstattung kommt man jedoch problemlos die ganze Zeit zurecht. Zudem kann man sie für ein weiteres Kind benutzen oder sie weiterverkaufen", beruhigt die Expertin.

Der Landkreis Kulmbach unterstützt Familien, die sich für die Benutzung von Stoffwindeln entscheiden, finanziell. "Die Anschaffung eines Mehrweg-Windel-Systems wird mit einem Zuschuss in Höhe von 25 Prozent der ausgewiesenen Kosten, höchstens aber 76,69 Euro unterstützt", beschreibt Detlef Zenk.

Seit 1996 bezuschusst der Landkreis Kulmbach Stoffwindeln. "Damals hat noch das Klinikum in Kulmbach damit gewickelt, und wir hatten jährlich um die 40 Anträge", erzählt Detlef Zenk. Nachdem das Klinikum damit aufgehört hat, ging auch die Zahl der Anträge zurück. "Der Tiefstwert war in den letzten Jahren bei fünf bis sechs Anträgen. Heuer steigt die Zahl allerdings wieder", sagt Detlef Zenk.

Lena Marie Hentschel bietet seit knapp drei Monaten Stoffwindelberatungen an. "Ich mache individuelle Beratungstermine für einzelne Familien, aber auch Workshops mit mehreren Müttern", sagt die gelernte Ergotherapeutin. "Ich biete den Eltern auch die Möglichkeit, erst einmal ein Mietpaket zu nehmen, um dann entscheiden zu können, welche Variante zu ihnen passt."

Auch die Väter kann die 28-Jährige von den Stoffwindeln überzeugen: "Die sind am Anfang schon meistens eher skeptisch, aber dann überzeugen sie vor allem die coolen Motive, mit denen die Stoffwindeln bedruckt sind. Raketen, Affen, Autos - da ist für jeden etwas dabei." Optisch sehen die Windeln wirklich nicht nach Windeln aus. Eher nach bunten Badehöschen.

Durch die Verwendung von Stoffwindeln werden die Kinder schneller trocken, wie in Studien belegt wird. "Das Trockenheitsgefühl, dass ihnen durch die Einweg-Windeln vermittelt wird, gibt es bei den Stoffwindeln so nicht. Dadurch lernen die Kinder, was es heißt, nass zu sein, und gewöhnen sich schneller an die Benutzung der Toilette", erklärt Hentschel.

Auf die Frage, ob das nächste eigene Kind dann mit Stoffwindeln gewickelt wird, antwortet Lena Marie Hentschel lachend: "Ja klar! Jetzt weiß ich ja auch, wie das geht. Und alle anderen, die es auch gerne wissen wollen, dürfen sich gerne bei mir melden."

Weitere Informationen zu den Stoffwindeln erhalten Sie hier.