Langsam führt Ludwig Arnold einen Metalldetektor über den Waldboden, Schritt für Schritt bewegt er sich vorwärts - bis das Gerät anschlägt. Ein bisschen sieht das nach einer Schatzsuche aus. Und tatsächlich ist Arnold einem "Schatz" auf der Spur - dem Holz im Staatsforst bei Muckenreuth in der Gemeinde Neudrossenfeld. "Bayerische Staatsforsten - nachhaltig wirtschaften" - so lautet das Motto des Forstbetriebs Nordhalben, der für das Gebiet zuständig ist. Doch wie kann man diese Nachhaltigkeit überprüfen?

Dabei spielt die sogenannte Waldinventur eine entscheidende Rolle - und dazu gehört auch der Metalldetektor von Ludwig Arnold. Was man sich unter dem Begriff Waldinventur vorzustellen hat, erklärt der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs, Gerhard Müller: "Durch die Waldinventur werden die Veränderungen des Waldes im Hinblick auf die Struktur, das Alter, die Baumarten und den Vorrat an Bäumen untersucht. Im Auftrag der Nachhaltigkeit werden die neuen Messungen mit den alten verglichen und festgestellt, ob Wachstum vorliegt oder nicht."

Aufgrund dieser Zahlen, die äußerst genau sind, wird ein Wirtschaftsplan für die nächsten zehn Jahre erstellt. Dabei wird genau festgelegt, wie viel Holz geerntet wird, wie viel Totholz im Wald bleibt und welche Bäume gezielt gefördert werden.

Damit könne man auch auf unplanmäßige Naturgewalten reagieren und den Wald in eine gewisse Richtung "lenken", sagt Müller.

Immer an den gleichen Stellen

Um verwertbare Ergebnisse zu bekommen, ist es wichtig, immer wieder an den gleichen Stellen zu messen. Und hier kommt Arnolds Metalldetektor ins Spiel. Rund 4000 Magneten haben er und seine Kollegen im Jahr 1997 in ihrem Zuständigkeitsbereich im Wald vergraben. Seither wird in einem Turnus von etwa zehn Jahren jeder einzelne Inventurpunkt aufgesucht.

Geleitet wird die Waldinventur von Ludwig Arnold aus Regensburg, der für alle Forstbetriebe im Nordosten Bayerns die Waldinventur koordiniert. "Mit einem GPS-Gerät erreichen wir die ungefähren Punkte", erläutert er. Die Feinabstimmung erfolgt dann, wenn der Magnet aufgespürt ist.

Dann beginnt die Messung. Bei größeren Bäumen wird der so genannte Brusthöhendurchmesser (BHD) ermittelt. Beim Vergleich mit den Zahlen der letzten Messung wird deutlich, wie stark der Baum an Umfang zugenommen hat. Mithilfe eines Lasers lässt sich die Höhe der Bäume ermitteln - und feststellen, wie sehr er seit der letzten Inventur gewachsen ist.

Im engeren Umkreis um den Magneten werden auch junge Bäumchen registriert. Im größeren Abstand beschränkt man sich darauf, stärkere Bäume im Blick zu behalten. "Es wird natürlich auch vermerkt, welche Bäume in den letzten zehn Jahren abgeholzt wurden und welche es neu ins System geschafft haben. Zudem wird das Volumen des im Wald befindlichen Totholzes berechnet.

Pro Stunde schaffe Arnold ungefähr einen, pro Jahr in etwa 1000 Inventurpunkte. Für die knapp 4000 Punkte im Forstbetrieb Nordhalben benötigen Ludwig Arnold und sein Team voraussichtlich noch Zeit bis Ende September - Startschuss war im April. Eine solche Inventur werde immer ein Jahr vor dem neuen Planungsjahr durchgeführt. Mit ersten Daten und Auswertungen der diesjährigen Untersuchung sei im Winter zu rechnen.

"Naturnähe bedeutet Chaos"

"Wir können den Wald nicht sich selbst überlassen, dann ginge er kaputt. Durch eine gezielte Bewirtschaftung versuchen wir, in Neudrossenfeld einen stabilen Mischwald zu kreieren", sagt der zuständige Revierleiter Matthias Schulze.

"Dabei wollen wir keinen Kahlschlag, sondern Dauerwald, was dazu führt, dass manchmal ein Durcheinander im Wald herrscht - Naturnähe bedeutet eben auch Chaos."