Die Kulmbacher haben oft an der Bierwoche herumzumosern: billige Tracht, die überhaupt nichts mit Franken zu tun hat, Musik, die volkstümlich und nicht originalgetreu ist, keine Fahrgeschäfte, nur Esserei und Sauferei - doch die internationalen Gäste haben einen völlig anderen Blick auf das Fest der Feste und genießen die tollen Tage. Aus aller Herren Länder kommen die Menschen zur Bierwoche und finden, dass Kulmbach nicht nur heimlich die Hauptstadt des Bieres ist.

Luca Pozzi ist 35 Jahre alt, kommt aus Sardinien und ist gemeinsam mit acht Freunden auf der Bierwoche zu Besuch. Er kommt jedes Jahr drei Tage nach Kulmbach. Mindestens, sagt er. "Die Bierwoche ist eine Männersache", lacht der Italiener. Ja, die fränkischen Mädchen mit ihren Dirndln oder den kurzen Lederhosen gefallen ihm. Und seine Freunde Carlos Mazala (35) und Enzo Venuto (38) können ihm nur beipflichten.


Pasta und Party

Den Italienern geht es nicht darum, viel zu trinken, sondern es ist die Stimmung, die ihnen so gefällt. "Aber so fünf Bier kann ich schon trinken. Und am nächsten Morgen schlafen wir dann lange, dann essen wir Pasta und abends ist wieder Party", erzählt Enzo Venuto.

Ludmilla Babre sieht in ihrem glänzenden Dirndl aus wie eine hübsche fränkische Frau. Dabei stammt die 39-Jährige aus Riga und kommt schon seit zehn Jahren immer zur Bierwoche. Früher hat sie Bier in ihrer lettischen Heimat vertrieben, und so hat sie erste Kontakte zur Kulmbacher Brauerei geknüpft. Inzwischen ist Ludmilla Babre im Berich Logistik tätig und kommt aus Spaß an der Freud. "Ich habe mir in diesem Jahr ein Dirndl in Bayreuth gekauft. Ein bisschen etwas Festliches", erzählt sie. "Ich trinke gerne Bier - auch als Frau", prostet die Lettin den anderen zu. Eine Maß packt sie locker. "Ich finde die Menschen zur Bierwoche so toll. Alle sind freundlich und freuen sich", bringt sie ihre Motivation, immer wieder nach Kulmbach zu kommen, auf den Punkt.


Kulmbacher Pils für den Prinzen

Nur wenige Sitzplätze weiter im Zelt steht Alfred van Greijn (47) auf der Bank. Mit einem Maßkrug. Er kommt aus den Niederlanden. "Ich bin vor vielen Jahren auf die Bierwoche aufmerksam geworden, weil ich das Kulmbacher Bier in Holland vertreten habe", erzählt Alfred van Greijn. Sogar am holländischen Königshaus hat er schon vorgesprochen. Zum Geburtstag von Prinz Wilhelm Alexander gab es die verschiedensten bayerischen Biere, auch Kulmbacher. Das Kulmbacher Bier kommt in Holland bestens an, verrät van Greijn. "Die Bierwoche ist deshalb was besonderes, weil einfach alles ein Erlebnis ist. Ich mag die Musik und ich finde das passt alles so gut zusammen. Ich hätte gerne so ein Bierfest in Holland mit bayerischer Musik, mit Trachten, mit Bier und mit dieser Stimmung", so Geijn.

"Ich liebe das Bierfest", meint auch Daniel Shelton (54), frönt aber wegen der Hitze in diesem Jahr lieber vor den Zelttüren seiner Bier-Seligkeit. Er ist eigens aus Massachusetts nach Deutschland geflogen. "Meine Frau ist auch deutsch. Sie kommt aus Schweinfurt", erklärt der Amerikaner. Und er kann, obwohl er kein Wort deutsch spricht, sogar die Texte mitsingen. "Skandal um Rosi", zeigt er sich textsicher. "So ein Bierfest wäre auch bei uns schön. Besonders toll finde ich die Maßkrüge", lacht der Amerikaner und bedauert zutiefst, dass in ganz Amerika keine Literkrüge zu kriegen sind.

"Was ich so mag, ist, dass Kleine und Große auf dem Bierfest sind. Und alle verstehen sich und tanzen und haben Spaß. Wenn ich hier bin, ist das ,Party the whole day and night'", lacht der Amerikaner und verrät, dass er seit 15 Jahren bei keiner einzigen Bierwoche gefehlt hat. Und auch in den nächsten Jahren möchte er sich immer ein paar Tage Zeit nehmen, um der Ausnahmewoche in Kulmbach einen Besuch abzustatten.