Das Angebot der Akademie wurde in den vergangenen zwei Jahren Schritt für Schritt ausgebaut: Eine Genusswerkstatt mit innovativen Workshops bietet eine Plattform für den Austausch von Profis, im "Food Lab" experimentieren Kreative aus Wissenschaft, Handwerk und Gastronomie mit bayerischen Produkten.

Für ihre Angebote nutzt die Akademie das Museumspädagogische Zentrum am Mönchshof sowie seit kurzer Zeit Räumlichkeiten im Heinersreuther Hof. Die Adalbert-Raps-Stiftung gestaltet dort einen kleinen Campus für Akteure der Branche.

Künftig haben neben den Profis und der Jugend auch alle interessierten Verbraucher die Chance, bei der Genussakademie Neues zu lernen. Im Heinersreuther Hof soll es einmal im Quartal eine Veranstaltung geben, bei der ein bestimmtes Produkt im Fokus steht, erläutert Simon Reitmeier, Geschäftsführer des Clusters Ernährung und gleichzeitig Bereichsleiter für Wirtschaft und Produktion am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) sowie Leiter der Genussakademie.

Für die Organisation der ersten Veranstaltung am 3. November zeichnet Lena Pöhlein vom KErn verantwortlich.

"Unsere Zielgruppe sind Verbraucher und Familien, die Interesse an Sortenvielfalt sowie regional und handwerklich hergestellten Produkten aus Kartoffeln haben. Es geht um Genuss und Geschmack, aber auch um Nachhaltigkeit."

Dozenten sind der Kartoffelexperte Peter Glandien von "Tartuffli", der rund 30 verschiedene Sorten vorstellen wird, Gastronomen von Caspar Plautz, der auf dem Münchner Viktualienmarkt einen kreativen und nachhaltigen Kartoffelimbiss betreibt und den Gästen Gelegenheit geben wird, die Sorten zu verkosten, sowie der Sternekoch Felix Schneider vom Nürnberger Restaurant "Sosein", der zeigen wird, was man alles aus der tollen Knolle zaubern kann. Ergänzt wird das alles durch weitere Vorträge zu regionalen Kartoffelsorten, beispielsweise dem Bamberger Hörnla.

Akademieleiter Simon Reitmeier freut sich schon auf das Event: "Um richtig genießen zu können, muss man die Unterschiede kennen, die geschmacklichen Feinheiten wahrnehmen lernen und das Produkt auch richtig zubereiten können. Gerade bei Kartoffeln gibt es große Unterschiede in den Eigenschaften und Aromen. Das macht das Produkt so spannend und vielseitig."

Felix Schneider sagt: "Genuss kann einfach sein, denn er lebt vom Wesentlichen." Die Kunst liege darin, aus den besten Produkten das Beste zu machen. Schneider arbeitet gegen die Konfektionierung der Lebensmittel und gegen die Vereinheitlichung von Geschmack und statt dessen für kulinarische Erfahrungen, die ein Genuss für alle Sinne sind.

Worum geht es in der Veranstaltung?

Im Fokus der Veranstaltung, die am Sonntag, 3. November, von 11 bis 17 Uhr im Heinersreuther Hof bei Ködnitz stattfindet, stehen Genuss und Geschmack. Angesprochen ist die ganze Familie: "Lerne mit Hilfe von Profis die Vielfalt, die Aromen und den vielseitigen Einsatz der tollen Knolle kennen", heißt es in der Vorschau der Genussakademie. Geplant sind die Vorstellung toller Kreationen mit der Kartoffel, Basic-Tastings, Vorträge über regionale Kartoffelsorten und weitere Attraktionen für die ganze Familie.

Worauf genau dürfen sich Kinder freuen?

Das Angebot für Kinder umfasst das Kennenlernen verschiedener Kartoffelsorten und deren Eigenschaften. Die jungen Besucher dürfen Kartoffelbrötchen im historischen Backofen von Grünwehrbeck Sebastian Groß backen (11.45 und 13 Uhr) und Kartoffelstockbrot am Lagerfeuer grillen und genießen (ab 14 Uhr).

Was ist für die Erwachsenen geboten?

Sie dürfen über 20 verschiedene Kartoffelsorten entdecken und deren Unterschiede schmecken. Der Kartoffelexperte Peter Glandien von "Tartuffli Naturwaren" und die Gastronomen von "Caspar Plautz" stehen dort für Informationen zur Verfügung. Darüber hinaus können Kartoffeln vor Ort erworben werden. Darüber hinaus können vom Aussterben bedrohte Kartoffelsorten entdeckt und ihre einzigartigen Aromen erschmeckt werden. Zwei Fachleute der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft geben hier Auskunft. Dort kann man auch Probierpakete kaufen. Basic-Tastings gibt es um 12, 14 und 16 Uhr.

Wird mit Kartoffeln auch gekocht?

Ja, Sternekoch Felix Schneider aus dem Restaurant "Sosein" setzt die regionale Kartoffel in außergewöhnlichen Eigenkreationen in Szene. Er zeigt zugleich auch einen regionalen und nachhaltigen Küchenstil. Tastings sind möglich um 12, 12.45, 13.30, 15.30 und 16.15 Uhr. Und wer sich einen Sonntagssnack kaufen will, kann die Kartoffelkreationen der Gastronomen von "Caspar Plautz" probieren.

Wird auch auf die Geschichte der Kartoffel eingegangen?

Ja, Heimatforscher Adrian Roßner und die Vertreter zweier Fördervereine sprechen über den historischen Hintergrund und die regionale Verankerung der Kartoffel (14 Uhr) sowie über die regionalen Sorten Bamberger Hörnchen (12.30, 13.30, 16 Uhr) und Schwarzblaue Frankenwälder (13 und 15.30 Uhr).

Wie viel Eintritt muss man bezahlen?

Keinen - der Eintritt ist kostenfrei. Auch die Tastings und die Kinderaktionen kosten kein Geld. Wer aber die Kartoffelkreationen von Caspar Plautz versuchen möchte, muss sie bezahlen.

Wo genau findet die Veranstaltung statt?

Im Heinersreuther Hof (Heinersreuth 10, Ködnitz). Aufgrund der schlechten Parkmöglichkeiten vor Ort, bitten die Veranstalter allerdings darum, den kostenlosen Shuttle-Service in Anspruch zu nehmen und auf das Parken mit dem Auto vor Ort zu verzichten. Die Veranstalter haben mehrere kostenlose Shuttles im Einsatz. Der Shuttle-Service startet am Schwedensteg in Kulmbach (Haupteinfahrt) und fährt direkt zum Heinersreuther Hof. Das erste Shuttle startet um ca. 10.45 Uhr, danach ist ein Pendelverkehr mit mehreren Shuttles eingerichtet, die etwa alle 20 Minuten fahren.

Cluster Ernährung Der Cluster ist eine Netzwerk-Plattform des Freistaats, die dazu dient, die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Ernährungsstandorts Bayern zu stärken.

KErn Das Kompetenzzentrum für Ernährung und der Cluster Ernährung haben zum 1. September 2011 ihre Arbeit in der Hofer Straße in Kulmbach begonnen. Neben dem Standort Kulmbach gibt es einen weiteren in Freising/Weihenstephan. Das KErn gehört zum bayerischen Landwirtschaftsministerium und hat die Aufgabe, den Austausch zwischen Forschung, Ernährungswirtschaft, Ernährungsbildung, Multiplikatoren und Dienstleistern voranzubringen.

Genussakademie Bayern Praxisorientierte Qualifizierungen und Workshops rund um das Thema Genuss - das ist die Genussakademie Bayern. Dort werden Sommeliers für die Fachgebiete Gewürze, Käse, Edelbrand, Bier, Wasser und Wein ausgebildet. Die Genusswerkstatt bietet hochklassige Fortbildungen für Fachkräfte der Ernährungsbranche. Der Raum Null bringt Experten der Ernährungsbranche zusammen und ermöglicht einen kreativen, interdisziplinären Austausch zwischen Gastronomen, Ernährungshandwerkern, Erzeugern und Forschern. Das erarbeitete Wissen steht allen Interessierten auf dem Raum-Null-Blog frei zur Verfügung

Der Heinersreuther Hof - ein Ensemble mit einer interessanten Geschichte

Ein Auszug aus dem Staatsarchiv gibt Aufschluss über die Eigentümer des Heinersreuther Hofs zwischen 1853 und 1959:

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1853 Johann Hübner

ab 1858: Katharina Hübner, verehel. Mötsch

ab 1877: Peter Hübner

ab: 1878: Johann Schuster

ab 1882: Gertraud Schuster und Kinder Kunigunde, Johann Friedrich und Dorothea

ab 1888: Johann Friedrich Schuster

ab 1897: Heinrich Täuber

ab 1935 Wilhelm Täuber

ab 1959: Margaretha Bär

Der Heinersreuther Hof trägt heute die Hausnummer 10, früher war es wohl Hausnummer 1. Der alte Brotbackofen, der sich im Austragshaus befindet, war offenbar der Ort, an dem das früher das gesamte Brot des Dorfes gebacken wurde.

1968 ging der Heinersreuther Hof in den Besitz des Vereins "Club kochender Männer e.V." über.

Die Herren "durften" ihrem Hobby des Kochens zuhause nur bedingt nachgehen und erstanden deshalb diesen alten Bauernhof. Dort kochten und feierten sie regelmäßig. Bei den Mitgliedern handelte es sich um Unternehmer der Region.

Gegründet worden war der Verein 1967. Unter den Gründungsmitgliedern befanden sich Karl Brauch, Sepp Bräu, Horst Kühne, Waldemar Pfeiffer, Horst Schorsch, Bernd Taubenreuther und Dieter Weiß. Sie legten in monatelanger Eigenleistung den Grundstein für den heute noch aktiven Kochclub.

Wo heute gekocht wird, waren früher Vieh und Hühner untergebracht. Die Arbeiten begannen folglich damit, erst einmal die Hinterlassenschaften der Tiere zu beseitigen. Mit viel Liebe zum Detail wurde etwas geschaffen, wofür die Kulmbacher Kochbrüder seit jeher national und international immer beneidet wurden. Die Kochbrüder sind bis heute aktiv und halten einmal monatlich ihre Kochabende im Heinersreuther Hof ab.

Heute befindet sich der Hof allerdings nicht mehr im Besitz der Kochbrüder. Der Verein "Club kochender Männer e.V." verkaufte ihn am 23. August 2000 an den damaligen Vorsitzenden der Adalbert-Raps-Stiftung in Kulmbach, Horst Kühne, der Mitglied des Vereins war. Seitdem befindet sich der Heinersreuther Hof im Besitz der Adalbert-Raps-Stiftung und wird als Veranstaltungslocation vermietet.

In den vergangenen Jahren fanden dort unter anderem diverse Hochzeiten und Geburtstagsfeiern statt. Im Andenken an Stiftungsgründer Adalbert Raps und somit auch dem Stiftungssinne entsprechend, wird der Heinersreuther Hof nun eine "Neuausrichtung" erfahren, sich zukünftig dem Thema "Food/Lebensmittel" verschreiben und damit nicht mehr für Privatveranstaltungen vermietet, sondern vorrangig dem Bereich "Professional" vorbehalten sein.

Geplant ist, den Hof als eine Art "Freiraum für Lebensmittelmacher" und all jene zu etablieren, die sich mit dem Thema Experimentieren, Kochen und Genießen beschäftigen. In diesem Zusammenhang wird der Heinersreuther Hof im kommenden Jahr auch baulich Veränderungen erfahren. So wird die alte Scheune ertüchtigt werden und einen Anbau (Küchenpavillon) erhalten. Auch Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Tiny Houses sind geplant.